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Olympia: Gold im Riesenslalom: "Vollgas-Vicky" schreibt Geschichte

Viktoria Rebensburg hat noch nie ein Weltcup-Rennen gewonnen, jetzt ist die junge Deutsche Olympiasiegerin im Riesenslalom - auch weil ihr Fahrstil atemberaubend ist.

Von Christian Ewers, Whistler

Sie ist ein hartes Mädchen. Spielt Fußball, auch mit Jungs, macht Sprüche wie Jungs - und vor allem fährt sie Ski wie ein Kerl. Viktoria Rebensburg sagt: "Mit Vollgas auszuscheiden ist besser, als ohne Gas Zwanzigste zu werden." Am Donnertag fuhr Rebensburg, 20, wieder eines ihrer Highspeed-Rennen. Volles Risiko, Sekt oder Selters. Sie blieb in der Spur, sie raste den ersten Abschnitt des "Franz's Course" in Whistler Creekside so schnell runter wie keine andere Frau an diesem Vormittag. Das reichte, um Tina Maze aus Slowenien und Elisabeth Görgl (Österreich) auf Distanz zu halten. Um 10:07 Uhr Ortszeit war Viktoria Rebensburg, die noch nie ein Weltcup-Rennen gewonnen hat, Olympiasiegerin im Riesenslalom.

Es war knapp, 0,04 Sekunden Vorsprung auf Maze, 0,14 Sekunden auf Görgl, die Führende nach dem ersten Lauf. Elisabeth Görgl, der großen Favoritin, war die Enttäuschung bei der Siegerehrung anzusehen - sie rang sich ein Lächeln ab, das nur hielt für wenige Sekunden. Viktoria Rebensburg hingegen reckte den grünen Blumenstrauß, der aussah wie ein Brokkoli-Kopf, mit Wucht in den Himmel. Sie tippte sich immer wieder mit den Handschuhen an den Kopf, es war eine Überraschung, eine Sensation, sie konnte es selbst nicht fassen: Die komplette Weltelite abgehängt, Olympia-Gold mit zwanzig.

Was Rebensburg wohl nicht wusste, als sie auf dem Podium stand: Sie hatte Geschichte geschrieben; ihr Gold war der erste Titel für den Deutschen Ski-Verbandes (DSV) im Riesenslalom seit 1956. Damals hatte eine Frau namens Ossi Reichert in Cortina d'Ampezzo gewonnen.

Rebensburg mit weiterer Medaillenchance

Noch eine Stunde nach ihrem Triumph rang Rebensburg um Fassung und um Worte. "It's crazy", sagte Rebensburg in der internationalen Pressekonferenz vor mehreren Hundert Journalisten. So viel Aufmerksamkeit war Rebensburg noch nie zuteil geworden. "Als ich Junioren-Weltmeisterin wurde, waren drei Reporter da", sagte sie. "Und jetzt plötzlich... "

Rebensburg, die dreimalige Junioren-Weltmeisterin, ist ein Versprechen für die Zukunft - die größte Hoffnung des DSV neben Maria Riesch. "Vicky hat den vielleicht schnellsten Riesenslalom-Schwung im Damen-Weltcup", sagt DSV-Techniktrainer Christian Schwaiger. Für das deutsche Olympia-Team war es bereits die zweite alpine Goldmedaille bei den Spielen in Vancouver und Whistler. Maria Riesch hatte in der Kombination gesiegt; beim Riesenslalom wurde sie Zehnte, Weltmeisterin Kathrin Hölzl belegte Platz sechs.

Viktoria Rebensburg hat noch eine weitere Chance auf eine Medaille. Am Freitag startet sie im Slalom. Sie ist nur Außenseiterin. Aber das war sie am Dienstag, kurz bevor auf die Riesenslalom-Piste ging, auch.

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