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Hammerwurf-Chaos: Heidler gewinnt Bronze nach Eklat

Wieder versagen die Kampfrichter: Den weitesten Wurf von Hammerwerferin Betty Heidler messen sie elektronisch an der falschen Stelle und müssen später mit dem Maßband korrigieren - zum Glück.

Happy End nach Eklat: Nach einem unfassbaren Messfehler der Kampfrichter wäre Hammerwerferin Betty Heidler beinahe um ihre erste Olympia-Medaille gebracht worden. Ihr Bronze-Wurf auf 77,13 Meter im fünften Versuch wurde der Weltrekordlerin am Freitag in London erst nach langen Diskussionen und einer Nachmessung anerkannt. Statt Achte war sie am Ende doch noch Dritte und konnte nach bangen Minuten im Olympiastadion strahlen.

"Ich wusste relativ zeitig, dass der Wurf sehr weit und im System war. Da war für mich erst einmal alles in Ordnung. Oh Gott, jetzt weiß ich, dass es offiziell ist und freue mich ganz doll", sagte Heidler im ARD-Interview. "Ich danke den Briten", sagte sie zu der Nachmessung. "Das spielt jetzt alles keine Rolle mehr. Ich bin glücklich", meinte sie zu den unglaublichen Umständen und der langen Warterei bis zur Bestätigung ihres Bronze-Wurfes.

Kampfrichter messen an falscher Stelle

Die 28-Jährige schnappte sich nach der Bestätigung ihres besten Versuchs eine deutsche Fahne und baute sich glücklich neben der Anzeigetafel auf. Ein Jahr nach ihrem WM-Sieg in Daegu/Südkorea triumphierte die Russin Tatjana Lysenko mit starken 78,18 Metern. Silber ging an die Polin Anita Wlodarczyk (77,60). Heidlers Frankfurter Clubkollegin Kathrin Klaas wurde mit der persönlichen Bestweite von 76,05 Metern bei ihrer zweiten Olympia-Teilnahme gute Fünfte.

Bis das Drama um ihren zunächst falsch vermessenen fünften Versuch begann, war Betty Heidler mit 73,90 Metern deutlich unter ihren Möglichkeiten geblieben. Dann konnte die Weltmeisterin von 2007 aber doch kontern. Weit flog der Hammer, für jeden im Olympiastadion deutlich sichtbar landete er bei deutlich über 76 Meter. Aber was taten die Kampfrichter: Sie maßen an der falschen Stelle - und plötzlich leuchteten nur 72,39 Meter als Ergebnis auf. Ein Skandal!

Intensive Diskussionen mit Kampfrichtern

Diskussionen begannen, Heidler durfte den Versuch wiederholen, aber er misslang. Wütend dreinblickend saß die nach Ende des Wettkampfes zunächst auf dem Boden und schaute zu, wie ihre Rivalinnen eine Ehrenrunde liefen. Später konnte aber auch sie noch jubelnd den Hammerwurfbereich verlassen - trotz Silber wird dieser Wettkampf aber noch einige Diskussionen nach sich ziehen. Auch die Siebenkämpferin Lilli Schwarzkopf war in London bereits beim Gewinn ihrer Silbermedaille im abschließenden 800-Meter-Lauf zunächst irrtümlich disqualifiziert worden.

Mit 79,42 hatte Heidler am 21. Mai 2011 in Halle (Saale) ihren weiterhin gültigen Weltrekord aufgestellt. Lysenko haute gleich im ersten Durchgang einen Hammer raus - 77,56. So weit hat bei Olympia noch nie eine Athletin geworfen. Sie steigerte sich noch auf 78,18.

tis/DPA / DPA

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