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Boxen: Boxing Day - Don King - der Teufel trägt Jeansjacke

Eine Geschichte von Mord und Totschlag? Don King feiert 80. Geburtstag und seine Vita bietet alle Geschichten für einen echten Thriller. Der schillernde Boxpromoter arbeitete mit Mike Tyson, Muhammad Ali und Larry Holmes zusammen und gilt als Sinnbild des skrupellosen Promoters.

Don King feierte am Samstag seinen 80. Geburtstag und gehört zu den schillerndsten Personen des Boxbusiness. Gäb es ihn nicht schon, man müsste seine Geschichte erfinden. Er hat zwei Menschen getötet, organisierte den "Rumble in the Jungle" sowie den "Thrilla in Manila" und wer mit ihm arbeitete, hat kaum ein gutes Wort für ihn übrig. Ist er wirklich, wie Larry Holmes einst schrieb, der Teufel in Person?

Nummernlose in Erdnüssen

Als Don King zehn Jahre alt war, starb sein Vater Clarence bei einer Explosion in dem Stahlwerk, in dem er arbeitete. Dons Mutter blieb nur die Versicherungssumme, die sie vom Stahlwerk bekam, um die sieben Kinder alleine durchzubringen. Hattie King versuchte mit selbst gebackener Pastete und gerösteten Erdnüssen in der Nachbarschaft etwas dazuzuverdienen. Don und seine Brüder steigerten den Gewinn durch das Beilegen von Nummernlosen zu den Erdnüssen.

Aus diesen ersten Erfahrungen folgte eine Karriere in Clevelands illegalem Glücksspielbusiness. Schon mit 30 Jahren gehörte er zu den erfolgreichsten Geschäftsmännern der Stadt und fiel schon damals durch bunte Klamotten und teure Autos auf. Sein Erfolg im illegalen Glücksspielsektor blieb nicht unbemerkt. Als ihn im Jahre 1954 ein Dieb namens Hillary Brown in einem seiner Spiellokale bestehlen wollte, schoss Don King ihm in den Rücken. Vor Gericht wurde er wegen Notwehr freigesprochen.

King tötete Sam Garrett

13 Jahre später tötete King erneut einen Menschen. Sam Garrett, ein Mitarbeiter seines Glücksspielgeschäfts schuldete ihm 600 Dollar und King und Garrett gerieten in Streit. Don Kings Biograf Jack Newfield: "King schlug Garrett mit der Faust oder, was wahrscheinlicher ist, mit dem Kolben seiner Waffe zu Boden. Sobald Garrett auf dem Boden lag, begann King, ihn hemmungslos an den Kopf zu treten." Der körperlich unterlegene Garrett hatte keine Chance und starb, nachdem er fünf Tage im Koma gelegen hatte.

King, der zu dieser Zeit schon der König der Halbwelt war und das Glücksspiel in Ohio kontrollierte, machte Zeugen mundtot und sein Anwalt traf sich, ohne Beisein eines Staatsanwaltes, mit dem Richter. Bis heute ist nicht klar, ob es allein monetäre Anlässe waren, oder ob Kings Anwalt Drohungen aussprach. Das Ergebnis war, das King nur wegen Totschlags verurteilt wurde und schlappe vier Jahre im Marion Correctional Gefängnis in Ohio absitzen musste.

Benefizkampfbörse floss in die eigene Tasche

King nutzte die Zeit und las sich durch die Anstaltsbibliothek. Er hatte die Härte und Skrupellosigkeit auf der Straße erlernt und kombinierte diese Eigenschaften nun mit Shakespeare und Nietzsche. Noch im Gefängnis lauschte er 1971 der Radioübertragung des ersten Kampfes von Muhammad Ali gegen Joe Frazier. King, der sich zuvor mit mäßigem Erfolg selbst als Boxer versucht hatte, sah die Chance, mit dem Boxen viel Geld zu verdienen.

Kaum aus dem Gefängnis entlassen, organisierte er 1972 einen Benefizkampf mit Muhammad Ali, um Clevelands Ghetto-Hospital vor dem Aus zu retten. Das Event brachte 80.000 Dollar ein, doch das Hospital wurde trotzdem geschlossen. King soll das Geld in die eigene Tasche gesteckt haben. Der finanzielle Erfolg gab ihm die Gewissheit, dass im Boxen eine Menge Geld steckt.

Dabei machte er aus seinem Motto keinen Hehl. "Meine Philosophie ist, dass alle Boxer Zwei-Dollar-Huren sind", so Don King einst. "Meine Regel lautet, leg' den Boxer rein, bevor er dich reinlegen kann. Man darf nie zulassen, dass der Boxer größer wird als der Promoter."

Die berühmten Kämpfe mit Muhammad Ali

Große Berühmtheit erlangte Don King vor allem durch zwei Kämpfe, die erneut seine Qualitäten in puncto Geldmachen und "Chuzpe-Zeigen" bewiesen. 1974 organisierte er den Kampf "Rumble in the Jungle" zwischen Muhammad Ali und George Foreman in Kinshasa (Zaire, heute Kongo). Er redete dem Diktator Mobutu ein, der Kampf würde seinem Land die bestmögliche PR und eine ungeahnte Weltöffentlichkeit verschaffen. Dafür kassierten die beiden Boxer eine für damalige Verhältnisse gigantische Summe von jeweils fünf Millionen Dollar.

1975 wiederholte er das Kunststück und erschuf den "Thrilla in Manila", Ali kämpfte gegen Joe Frazier auf den Philippinen, der autoritär regierende Staatspräsident Ferdinand Marcos finanziert den Kampf. 1981 sorgte King erneut für einen Meilenstein. Für die Summe von 10 Millionen Dollar stiegen Sugar Ray Leonard und Roberto Durán in den Ring. Ein Name, der ebenfalls auf ewig mit dem Namen des schillernden Don King in Verbindung gebracht werden wird, ist der von Mike Tyson.

"Er will die Hörner verstecken"

Don King hatte sich geschickt unter die Trauergemeinde bei der Beerdigung von Tysons Ziehvater und Trainer Cus D'Amato gemischt um den Kontakt zu Iron Mike zu knüpfen. Doch auch Tyson wurde von Don King laut eigener Aussage um sein Geld gebracht und der ehemalige Schwergewichtschampion äußerte sich schwer enttäuscht über King. "Ich dachte, er wäre mein Ersatzvater, mein Bruder, mein eigen Fleisch und Blut. Dann fand ich heraus, dass er der wahre Onkel Tom ist. Der wahre Nigger. Der wahre Betrug. Don King hat schwarzen Boxern mehr angetan als jeder weiße Promoter in der Geschichte des Boxens."

Auch Larry Holmes hatten nach seiner Zusammenarbeit mit Don King keine lobenden Worte für den Promoter übrig. "Wissen Sie, warum er die Haare so hoch trägt?", fragte Holmes nach der Trennung von King. "Er will die Hörner verstecken." In einem Dokumentarfilm legte Mike Tyson die berühmten Sätze nach: "King würde seine eigene Mutter für einen Dollar töten", so der Ex-Weltmeister, "er ist rücksichtslos, bedauernswert, habgierig und kann niemanden lieben."

King verteidigt sich

Don King sieht das natürlich anders. "In meinen Augen hat Mike jeden Penny bekommen, der ihm zustand, aber es würde mich 36 Stunden am Tag kosten, all die Anschuldigungen zurückzuweisen. Ich kann nicht sagen, dass es mich kalt lässt, aber ich für meinen Teil weiß, dass ich für die Leute die mich beschuldigen mehr Geld gemacht habe, als irgendwer sonst in ihrer Karriere. Boxer wie Lennox Lewis hatten ihre größten Zahltage mit mir. Und Mike - ich habe für ihn nicht nur Millionen verdient, sondern Hunderte von Millionen", so der Manager zuletzt in einem Interview mit dailymail.co.uk.

Den Klitschko-Brüdern bot er 2008 die wahnsinnige Summe von 100 Millionen Dollar, wenn sie gegeneinander antreten würden. Die beiden sagten dankend ab. Doch es gab schon zuvor den Versuch, die Klitschkos unter die Fittiche zu nehmen. Nach den Olympischen Sommerspielen in Atlanta 1996 lud Don King die Boxer ein. Don King saß am Klavier und spielte, so dachten die beiden Brüder zunächst. "Als wir King in seiner Villa in Las Vegas besuchten", so Wladimir Klitschko laut stuttgarter-zeitung.de, "da saß er am Klavier. Doch als er aufstand, spielte das Klavier weiter. Da haben wir schnell begriffen, dass dieser Mann falsch ist."

Klitschkos wollten King nicht

Eine weitsichtige Entscheidung für die beiden Brüder aus der Ukraine, die heute das weltweite Schwergewichtsboxen nach Belieben dominieren. Don King denkt da anders. "Die Klitschkos sind gute, große Männer, aber eher Deutsche Champions als wirkliche Weltmeister, so King laut Daily Mail. Don Kings Zeiten als großer Strippenzieher im Schwergewicht sind aber vorbei. "In der derzeitigen Schwergewichtsszene hat King definitiv viel weniger Einfluss, als er es gewohnt ist", sagte Klitschko-Manager Bernd Bönte schon vor fünf Jahren. Wenn schon nicht im Schwergewicht, so hätte King doch in einem Kampf gerne noch einmal seine Finger im Spiel. Floyd Mayweather Jr. gegen Manny Pacquiao. Das allerdings, wünscht man keinem der beiden Ausnahmeboxer.

Michel Massing

sportal.de / sportal

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