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Eishockey Eisbären und Adler - Glänzende Aussichten


Nach einer der spannendsten Finalserien der DEL-Geschichte sieht die Liga mit den beiden Top-Teams Eisbären Berlin und Adler Mannheim auf gleichem Niveau einer rosigen Zukunft entgegen.

Nach einer aufreibenden Saison kürten sich die Eisbären einmal mehr zum Meister. Trotz vieler Rückschläge untermauerten die Berliner ihre Stellung an der Spitze des deutschen Eishockeys und unterstrichen ihre Ambitionen für die nächsten Jahre. Mit den Adlern könnten sie aber dauerhaft einen ernst zu nehmenden Konkurrenten dazugewonnen haben.

"Es ist einfach unfassbar“, jubelte Eisbären-Verteidiger Jens Baxmann nachdem er und seine Kollegen den DEL-Meistertrophäe zum sechsten Mal in die Höhe hielten. "Wir haben dieses Jahr so viele Rückschläge erlitten. Wie wir uns durchgebissen haben - ich glaube, jeder der das gesehen hat, war begeistert.“ Trotz der Ausfälle der Starspieler Denis Pederson, Stefan Ustorf und Andre Rankel feierten die Eisbären ihren zweiten Meistertitel in Folge – und zugleich den ersten ohne den langjährigen Kapitän Steve Walker.

In einer würdigen Serie setzte sich Berlin im "Traumfinale“ gegen die Adler Mannheim mit 3:2-Siegen durch. Es war die erste Endspiel-Serie seit 2003, die über die komplette Distanz von fünf Spielen ging. Damals sicherte sich Krefeld überraschend in Köln die Meisterschaft.

Nun dürfen sich die Berliner endlich als alleiniger Rekordmeister feiern. Dabei waren die Eisbären eigentlich schon abgeschrieben: Als es im vierten Finalspiel in Mannheim eine Viertelstunde vor Schluss 5:2 für die Adler stand, schien der Traum von der Titelverteidigung schon so gut wie geplatzt.

Eisbären hingen "in den Seilen“

"Sie hatten uns in den Seilen“, sagt Berlins Torhüter Rob Zepp. Doch die Eisbären drehten das Spiel, siegten in der Verlängerung und sicherten sich das finale Spiel auf heimischen Eis. "Jetzt sind wir nicht mehr aufzuhalten“, frohlockte Verteidiger Constantin Braun nach dem beeindruckenden Comeback. Der Berliner Verteidiger sollte Recht behalten, wenngleich es auch im fünften Aufeinandertreffen zwischenzeitlich so aussah, als würden die Mannheimer die Oberhand behalten. Doch die Eisbären drehten nach einem 0:1-Rückstand den Spieß erneut um und wurden letztendlich verdient Deutscher Meister.

Der Mannschaft gebührt in diesem Jahr besonders großer Respekt, denn sie hatte vieles zu kompensieren. So zum Beispiel das Karriereende von Steve Walker, der im vergangenen Sommer nach elf Jahren im Eisbären-Dress die Schlittschuhe an den Nagel hängte und zuvor bei allen Meisterschaften auf dem Eis gestanden hatte. Mit Denis Pederson (36), Stefan Ustorf (38) und Andre Rankel (26) fehlten drei weitere Leistungsträger und Führungsspieler verletzt oder gesperrt.

Doch gemeinschaftlich fing die Truppe von Trainer Don Jackson die Ausfälle auf. Spieler wie Jens Baxmann (27), Constantin Braun (24), Frank Hördler (27) und Florian Busch (27) stellten einmal mehr unter Beweis, dass sie in den vergangenen Jahren viel gelernt haben und meisterten in Abwesenheit der gestandenen Kollegen ihre Aufgaben mit Bravour. Stürmer Barry Tallackson (17 Punkte), der zum wertvollsten Spieler der Playoffs gewählt wurde, Verteidiger Jim Sharrow (fünf Tore), dem vorher wohl niemand eine so starke Endrunde zugetraut hätte und Rob Zepp (94% Fangquote), der im Tor starke Vorstellungen in Serie bot, hatten als wichtigste Stützen einen großen Anteil.

Eisbären haben Reifeprüfung gemeistert

"Ich kann nur meinen Hut ziehen“, sagte Stefan Ustorf, der wegen einer Gehirnerschütterung seit Dezember ausfällt und zum Zuschauen verdammt war. "Die ganze Saison über mit teilweise zehn Verletzten und dann noch so viel Kraft auf zu bringen, dieses Finale zu gewinnen – ich bin unglaublich stolz auf die Jungs.“

Ein Ende der erfolgreichen Eisbären-Ära ist damit vorerst nicht zu abzusehen. Seit 2005 dominieren die Berliner die Deutsche Eishockey-Liga fast nach Belieben und gewannen in acht Jahren sechs Titel. Der diesjährige Triumph war wegweisend. Denn die Berliner Mannschaft hat gezeigt, dass sie den Generationenwechsel geschafft hat und auch ohne die meisten der alten Köpfe erfolgreich sein kann. Die Jungen unter den Eisbären haben ihre "Reifeprüfung“ eindrucksvoll gemeistert. Ob Denis Pederson und Stefan Ustorf je aufs Eis zurückkehren werden, ist fraglich.

Bei aller Euphorie wusste die Eisbären-Spieler aber auch, dass die Serie lange Zeit auf des Messers Schneide stand. Noch nie mussten die Berliner bei einem ihrer Erfolge über die komplette Distanz von fünf Spielen gehen. "Die Herausforderung gegen diese Adler war so groß, die Serie so eng. Wir haben gegen eine sehr, sehr gute Mannschaft gespielt“, konstatierte Sven Felski, der im fünften Finalspiel sein 1000. für die Eisbären bestritt und dessen Zukunft weiterhin ungeklärt ist.

Adler Mannheim auf Dauer Eisbären-Widersacher?

Aber auch die Mannheimer dürfen erhobenen Hauptes auf diese Finalserie zurückblicken. Die Unterschiede zwischen den beiden Finalisten waren gering. Über weite Strecken wirkten die Adler sogar wie das überlegene Team, insbesondere taktisch schien Trainer Harold Kreis die richtigen Mittel gefunden zu haben. "Am Ende haben Kleinigkeiten den Ausschlag gegeben“, sagte Kreis.

Erstmals seit der letzten Meisterschaft 2007 erfüllten die Mannheimer die hohen Erwartungen der Anhängerschaft aus der Kurpfalz wieder. Die junge Mannschaft von Harold Kreis präsentierte sich dabei erfrischend anders als viele der Teams zuvor, die trotz hoher individueller Qualität regelmäßig an sich selbst scheiterten. Im Sommer wird es keine großen Veränderungen geben, die Mannschaft hat das Potential sich in den nächsten Jahren als Eisbären-Widersacher zu etablieren. Mit ihrem finanziellen Hintergrund könnten die Adler die Stellung als zweite Großmacht im deutschen Eishockey dauerhaft übernehmen.

Eisbären und Adler auf ein und derselben Flughöhe: Für den neutralen Beobachter und Eishockeyfan sind das glänzende Aussichten. Mehr Spiele von der Qualität der diesjährigen Finalrunde machen das deutsche Eishockey ein gehöriges Stück attraktiver.

Daniel Pietzker

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