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Eiskunstlauf: Michelle Kwan zieht an Katarina Witt vorbei

Ohne den angekündigten US-Präsidenten George W. Bush, aber mit dem erwarteten fünften Titel für die amerikanische Ausnahmeläuferin Michelle Kwan gingen die Weltmeisterschaften in Washington ohne Störungen zu Ende.

Ohne den angekündigten US-Präsidenten George W. Bush, aber mit dem erwarteten fünften Titel für die amerikanische Ausnahmeläuferin Michelle Kwan gingen die Weltmeisterschaften in Washington ohne Störungen zu Ende.

Ohne den angekündigten US-Präsidenten George W. Bush, aber mit dem erwarteten fünften Titel für die amerikanische Ausnahmeläuferin Michelle Kwan gingen die Weltmeisterschaften in Washington ohne Störungen zu Ende. Schirmherr Bush und seine Frau Laura hatten kurzfristig wegen des Irak-Krieges auf den Besuch der hochklassig besetzten Veranstaltung nur einen Kilometer von seinem Amtssitz verzichtet. Verpasst haben sie eine außerordentliche Leistung der 22-jährigen Kalifornierin, die mit dem fünften WM- Triumph an Katarina Witt vorbeizog.

Michelle Kwan lief zu klassischen spanischen Klängen ein emotionales Programm, das die 16 000 Zuschauer im ausverkauften MCI- Sportcenter von den Plätzen riss. Wie am Fließband produzierte sie ihre dreifachen Sprünge, dazwischen glänzte die Studentin in ihrem blau-gold-glitzernden Kleidchen mit feurigen Flamenco-Schritten. Belohnt wurde die Tochter chinesischer Einwanderer mit zahlreichen Teddybären und zwei Höchstnoten von 6,0 im Ausdruck.

Nicht einmal die Russin Irina Slutskaja hätte ihr am Samstagabend gefährlich werden können. Die Titelverteidigerin blieb in Russland bei ihrer kranken Mutter. "Ich vermisse sie sehr, aber wir werden uns wiedertreffen, denn ich habe noch keine Lust, Profi zu werden", sagte Kwan, die nicht einmal eine Olympia-Teilnahme 2006 in Turin ausschloss.

Die Zweitplatzierte Jelena Sokolowa, die fünf Jahre nicht zur WM fahren durfte, weil sie lieber über die Stränge schlug statt zu trainieren, war die Überraschung der Saison. "Ich habe endlich kapiert, dass Eiskunstlauf mein Leben ist", sagte die 20-jährige Russin freudestrahlend. Künstlerisch lief Kwan noch in einer anderen Klasse, athletisch kann Sokolowa ihr allemal das Wasser reichen. Dritte wurde die Japanerin Fumie Suguri. Die Enttäuschung der WM war Olympiasiegerin Sarah Hughes, die nach ihrem sechsten Platz mit dem Gedanken spielt, lieber Medizin zu studieren als sich in kalten Eishallen zu quälen. Eine deutsche Läuferin war wegen schwacher Leistungen nicht nominiert worden.

Die einzig gute Nachricht aus der US-Hauptstadt für die Deutsche Eislauf-Union (DEU) ist der Rücktritt der Eistanzweltmeister Shae- Lynn Bourne/Victor Kraatz aus Kanada und auch der unterlegenen Russen Irina Lobatschewa/Ilja Awerbuch. Damit hat sich die Chance für die Berliner Kati Winkler/René Lohse auf eine WM-Medaille im kommenden Jahr in Dortmund erhöht. Die WM-Siebten des Vorjahres waren aus Verletzungsgründen nicht in die USA gereist.

Am Rande der Präsentation von Dortmund als Ausrichter der kommenden Titelkämpfe bestätigte ISU-Präsident Ottavio Cinquanta, dass die DEU den einzigen deutschen Grand Prix in Gelsenkirchen vorerst verlieren wird. "Zurzeit häufen sich die Hiobsbotschaften für die Deutschen, wir brauchen dringend wieder gute Läufer", sagte DEU- Präsident Reinhard Mirmseker. Die Veranstaltung geht nach China, wo bessere Stars und mehr TV-Gelder fließen. Die DEU ist noch in Gesprächen über eine zwischen Paris und Gelsenkirchen wechselnde Veranstaltung.

Cinquanta äußerte scharfe Kritik an dem neuen Kunstlauf- Weltverband (WSF). Die Konkurrenz-Organisation des Internationalen Eislauf-Verbandes (ISU) wehrt sich vor allem gegen das gerade eingeführte anonyme Wertungssystem der ISU. "Es ist eine Unverschämtheit, uns während einer Weltmeisterschaft so vorzuführen. Wir geben unser ganzes Leben für diesen Sport und gehören zu den meist geschätzten Sportverbänden der Welt", sagte der ISU-Chef.

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