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Eröffnungsfeier der Leichtathletik-WM: Gebt Putin einen Stuhl, das dauert noch

Der russische Präsident Putin hat die Leichtathletik-WM in Moskau persönlich eröffnet. Doch die Show war ein Desaster. Buhrufe, Pannen und ein Angry Bird - die peinliche Feier von Moskau.

Von Jens Maier

Die ARD muss eine Vorahnung gehabt haben. Statt die Eröffnungszeremonie der Leichtathletik-WM in Moskau live im Ersten zu übertragen, verbannte der Sender die Show ins Internet. Ab 20 Uhr am Samstagabend konnten die User auf www.ard.de live dabei sein. Und erlebten die wohl langweiligste und peinlichste Eröffnungsfeier aller Zeiten.

Wladimir Putin war persönlich ins Luschniki-Stadion gekommen, um die erste IAAF-Leichtathletik-WM in seinem Land zu eröffnen. Doch der Mann mit der sonst so stolz geschwellten Brust stand vor fast leeren Rängen. Nur rund 35.000 Menschen waren in die Arena gekommen, die eigentlich 80.000 fasst. Statt ausgelassenem Jubel gab es dann auch noch einige Buhrufe für den russischen Präsidenten, der es mit versteinerter Miene ertrug.

Das Musikantenstadl ist spannender

Doch der Reigen der Peinlichkeiten war damit erst eröffnet. Nach einer einschläfernden Vorstellung der Teilnehmerländer, die - aufgepasst - vorgetanzt (!!!) wurden, mussten die Zuschauer über 20 Minuten die inhaltsleeren Reden von Präsident Putin und IAAF-Präsident Liame Diack ertragen. Geschwafel, als ginge es nicht um eine WM-Eröffnung, sondern um das Moskauer Schützenfest.

"Das Musikantenstadl ist spannender", feixte ein User in den ARD-Kommentaren. Ein anderer fügte hinzu: "Find' ich auch, das ist die aufregendste und schönste Eröffnungsfeier überhaupt. IRONIE." Und als Putin während der kaum verständlichen Rede Diacks (er spricht sehr gebrochen Englisch) unruhig mit dem Oberkörper wankte, schrieb einer: "Gebt Putin doch endlich einen Stuhl. Das dauert noch."

Grüße vom letzten Parteitag der KPD der UdSSR

Neben den Nutzer-Kommentaren ist es den bissigen Live-Ticker-Meldungen der ARD-Kollegen zu verdanken, dass die Live-Übertragung überhaupt zu ertragen war. Die Russen ließen keinen Moment aus, um aus der Feier eine schmalzige und mit Pathos überladene Horrorshow zu machen. Sänger mit Vokuhilafrisuren, die alle drei Strophen der Nationalhymne singen, ein WM-Lied, bei dem mittendrin das Playback abbricht oder ein WM-Maskottchen, das statt wie ein Spatz wie ein Angry Bird aussieht. Das war Ostblock pur - mit freundlichen Grüßen vom letzten Parteitag der KPD der UdSSR.

Dabei soll die WM eigentlich der Testlauf für die anstehenden großen Sportereignisse sein. Russlands Mächtige wollen sich in den kommenden Jahren im Glanz des Sports sonnen: 2014 die Winterspiele in Sotschi, 2018 dann die Fußball-Weltmeisterschaft. Bis dahin müssen die Russen allerdings noch viel üben. Fröhlich, locker, sympathisch geht anders. Ganz anders.

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