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Golf: Der kommende Mann

Seit Jahren wartet der deutsche Golfsport auf ein neues Talent von Weltformat - nun ist es da: Martin Kaymer spielt schon wie ein Großer.

Von Thomas Lötz

Martin Kaymer sieht müde aus an diesem Morgen, viel älter als seine 23 Jahre. "Ich muss runterschalten", sagt er leise, "das war ein wenig viel in der letzten Zeit." Hin- und hergedüst ist er zuletzt, von Andalusien ging es nach Mettmann, zum Zwischenstopp in der Heimat, dann nach München, um das Turnier eines Autoherstellers zu promoten, von da nach Augusta, Georgia, weiter nach China und wieder zurück nach Hause. Ein Irrsinnsleben. Aber er hat es sich selbst eingebrockt.

Das vorläufig beste Resultat seines nun schon fast zwei Jahre währenden Kick-Downs: Weltranglistenplatz 21. Im Sommer der Fußball-WM 2006 hatte er diese unfassbare 59er-Runde abgeliefert, bei einem drittklassigen Profiturnier in Bayern. Kein Deutscher hatte bis dahin bei einem offiziellen Wettkampf weniger Schläge benötigt, die Weltbestleistung liegt bei 58. Nach seinem Rekord landete Kaymer 2007 auf der European Tour, der höchsten Spielklasse des Kontinents. Er beendete seine zunächst wechselvolle Debütsaison als "Rookie of the Year", als bester Neuling, und dann, Januar 2008, der Durchbruch: der Triumph von Abu Dhabi. Sein erster großer Sieg. Zwei Wochen später der zweite Platz in Dubai, einen einzigen Schlag hinter Tiger Woods.

Und jetzt erzählt er von seinem Siegesglück in der Glitzerwelt der Emirate. Das Gespräch findet im schmucklosen Klubhaus des GC Hummelbachaue statt - dem Klub nahe Neuss, in dem er trainiert und der in seiner Schnörkellosigkeit bestens zu Martin Kaymer passt. Was er berichtet, ist nicht weiter aufregend, sie hätten halt am Abend des Sieges mit Cola Light angestoßen, nein, einen Champagner- Exzess gab es nicht. Erstaunlich: Kaymer redet so sachlich als hätte er all das längst verarbeitet. Und spricht davon, dass ja bald das Masters komme, wie stolz er sei, teilzunehmen. Die Schüchternheit früherer Tage ist gewichen, seine Bescheidenheit nicht. Er wirkt entschlossen, aber er trägt dabei nicht dick auf.

"Ich merke, wie ich wachse"

Talente hat Kaymer viele, aber sein größtes ist womöglich: sich entscheiden zu können. Im Alter von zwölf Jahren wurde er als Mittelstürmer im Trikot des Fußballclubs TSV Metzkausen Torschützenkönig: 54 Treffer in 20 Spielen. Zwei Jahre später stand er in der Niederrheinauswahl und hatte seinen Stammplatz in der C-Jugend von Fortuna Düsseldorf - doch Kaymer zog fortan die Golfkugel dem Leder vor. "Im Golf muss ich nicht alles mit meinen Mitspielern und dem Trainer diskutieren, da redet mir keiner rein", sagt er. Inzwischen urteilen selbst Veteranen wie Colin Montgomerie: "Martin ist das nächste große Ding." Kaymer lächelt, als er das hört, sagt, er fühle sich geehrt. "Ich merke, wie ich wachse. Wie ich jeden Tag mehr lerne."

Lernen zählt zu den bevorzugten Vokabeln von Kaymer. Die andere lautet: Momentaufnahme. Denn es gilt, die riesengroße Erwartung der überschaubaren deutschen Golfgemeinde einzubremsen. Deren Umarmung ist längst zum Klammergriff geworden, weil sie in der Nachfolge von Bernhard Langer auf der Suche nach einem Helden endlich fündig wurde. "Gentleman Golfer" nennen sie den Twen, der das brav als "durchaus positiv" bewertet. Tatsächlich passt Martin Kaymer ideal in die hiesige Golflandschaft.

"Er repräsentiert das neue Deutschland", philosophiert sein Manager Johan Elliot, "in seinem Charakter vereint er alle sehr guten Eigenschaften der deutschen Kultur." Der Schwede sitzt im Klubhaus neben Kaymer, vor ihm steht ein aufgeklappter Laptop, auf dessen Bildschirm Excel-Tabellen zu sehen sind. Im November hat der Ex-Profi die Geschäfte von Martins Vater Horst übernommen und sich dabei gegen namhafte Mitbewerber durchgesetzt: Bernhards Bruder Erwin Langer, den Engländer Chubby Chandler oder Branchenprimus IMG. Warum Elliots Firma Sportyard das Rennen machte? "Schweden sind ruhig, gelassen, fleißig und dabei locker - das passt zu mir", sagt Kaymer.

Nun ist er umgeben von Schweden. Einen großen Anteil an der Auswahl des Managements hatte Kaymers wichtigste Beraterin: Fanny Sunesson, Elliots Landsfrau. Kaymer lernte die Caddie des Weltklassespielers Henrik Stenson vor zwei Jahren kennen, als sie deutschen Nachwuchsprofis Spielstrategie nahebrachte. "Eine Art von Coach" sei sie, sagt er. Sunesson führt Kaymer in den Zirkel der ganz Großen des Geschäfts hinein.

Allein durch Werbung verdient der Jungstar ca. eine Million Euro pro Saison

Manager Elliot hat derweil erste Sponsoring-Verträge abgeschlossen. Potenzielle Partner standen Schlange; man wählte gediegene Marken, die zur im Aufbau befindlichen Marke Kaymer passen sollen. Dem Vernehmen nach dürfte der Jungstar allein durch Werbung eine Million Euro pro Saison verdienen. Vor zwei Jahren hatten ihn andere, ähnlich renommierte Firmen noch so behandelt: Sie schlugen Kaymer einen Deal vor - finanzielle Unterstützung gegen 20 Prozent des künftigen Preisgelds. Das war die Zeit, als er seine Tasche auf dem Platz selbst schulterte und mit seinem gebrauchten Opel von Turnier zu Turnier juckelte. Heute fliegt er mindestens Business Class.

Womöglich wird Kaymer sich schon für den Ryder Cup in diesem Jahr qualifizieren, einer werden für Teamkapitän Nick Faldo. Er wäre noch jünger als Langer 1981 bei dessen erster Teilnahme. Eine Sensation wäre dies nicht mehr. "Ich habe in meinem Leben viele sehr gute Spieler gesehen", sagt Manager Elliot, "aber Martin hat eine Fokussierung und ein Zielbewusstsein, die ihn noch sehr weit bringen werden."

In die pompöse Turnierserie der USA hat es Kaymer schon geschafft, wo der Golfsport eine Nummer aufgeblasener ist als sonst wo auf der Welt. Mittlerweile bittet man ihn etwa zum Arnold Palmer Invitational nach Orlando, Florida, und dort, nach der ersten Runde, einer anständigen 71, steht Martin Kaymer etwas verloren herum hinter dem Vereinsheim der exklusiven Bay Hill Club & Lodge, diesem luxuriösen Bau mit verspiegelten Panoramascheiben. Es ist früher Abend und noch sehr warm, die Anspannung gewichen. Kaymer scheint die Ruhe zu genießen. "Hier kennt mich niemand", sagt er und zuckt mit den Schultern. Bei so einem klangvollen Turnier anzutreten sei eine weitere wichtige Episode seines Lernprozesses, fügt er ernsthaft hinzu. Tiger Woods spielt auch mit, Phil Mickelson ebenso, die Nummer eins und zwei der Weltrangliste.

Schon wieder entdeckt Martin Kaymer eine neue Welt, es ist wie 2007, mit einem Unterschied: "Hier ist alles viel, viel größer", sagt er. In seiner Freizeit gurkt er im SUV eines Sponsors herum, staunt über die Einkaufszentren, doch auf dem Platz findet er nicht zu seinem besten Spiel. Bald darauf wird er bei seinem ersten Masters in Augusta am Cut scheitern. All dies gehört ja dazu: zum Lernprozess des Martin Kaymer. Wie auch dieses famose Finish kürzlich in Doral, Miami. Die Fans brechen in wilden Jubel aus. Und der Deutsche strahlt wie ein kleiner Junge beim Anblick seiner ersten eigenen Modelleisenbahn.

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(