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Homosexualität im Profisport: Erstes Outing in der NBA

In Amerika ist er so bekannt wie Karl-Heinz Rummenigge: Rick Welts. Der Clubboss des Basketball-Teams Phoenix Suns hat sich geoutet.

Von Klaus Bellstedt

In der nordamerikanischen NBA laufen gerade die Playoffs. Es geht um die Meisterschaft. Kaum eine Zeit elektrisiert die sportverrückten Amerikaner mehr als die "Crunchtime" im Basketball. TV-Einschaltquoten explodieren, wenn sich wie jetzt in den Halbfinals die Chicago Bulls und Miami Heat gegenüberstehen, oder sich Dirk Nowitzkis Dallas Mavericks mit Oklahoma City Thunder duellieren.

Die Phoenix Suns konnten sich in diesem Jahr nicht für die NBA-Playoffs qualifizieren, dennoch gehört das Team aus dem Wüstenstaat Arizona zu den Traditionsmannschaften der NBA. Trotz Playoff-Abwesenheit ist das Team plötzlich in aller Munde - wegen ihres Präsidenten. Rick Welts, der in Amerika einen Bekanntheitsgrad besitzt, der vergleichbar ist mit dem von Bayerns Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge in Deutschland, hat sich in einem Artikel der "New York Times" öffentlich zu seiner Homosexualität bekannt - und eine ganze Sportnation kriegt sich nicht mehr ein.

Welts ist nicht nur Präsident eines Basketball-Clubs: Er war Pressesprecher der Seattle Supersonics, ist der Erfinder des All-Star-Game-Wochenendes und hat das olympische "Dream Team" 1992 so geschickt vermarktet, dass die NBA endgültig zu einer globalen Marke emporsteigen konnte. Jetzt ist Welts der erste Sportler oder Funktionär in der NBA, der sagt, dass er schwul sei. Sein "Outing" solle dazu führen, dass in der amerikanischen Basketball-Profiliga überhaupt über dieses Thema gesprochen werde, sagte Welts. Zudem wolle er jungen Menschen Mut machen, zu ihrer sexuellen Orientierung zu stehen. Er sei ein Beispiel dafür, dass man auch als Homosexueller eine steile Karriere machen könne.

Lahm rät Kollegen ab, sich zu outen

Nach seinem Outing erhielt der Geschäftsführer der Suns von allen Seiten positive Reaktionen und Respekt für seinen Mut. Alvin Gentry, Phoenix' Trainer meinte, dass sich jetzt zumindest ein bisschen was bewegt hätte. "Aber noch nicht genug". Auch Dallas-Mavericks-Eigentümer Rick Kuban und Charles Barkley meldeten sich per E-Mail. Dass ein aktiver Spieler seinem Beispiel folgen könne, hält der 58-Jährige allerdings für unwahrscheinlich: "Für Spieler mit ihren kurzen Verträgen steht zu viel auf dem Spiel. Der männliche Mannschaftssport ist lange noch nicht so weit wie der Rest der Gesellschaft. Das wird noch Zeit brauchen."

Auch in Deutschland wird die Debatte über ein mögliches Outing schwuler Sportler, insbesondere Fußballer, intensiver. So rieten Nationaltorwart Manuel Neuer und Nationalstürmer Mario Gomez im Laufe der alten Saison schwulen Berufskollegen zum Outing - und sahen darin kein Problem. In der Vergangenheit gab es wiederholt Medienberichte, in denen einzelne Spieler von ihrer Homosexualität erzählten, bisher wollte aber jeder dieser Spieler aus Sorge um seine weitere Karriere anonym bleiben.

Nationalmannschafts-Kapitän Philipp Lahm hat schwulen Fußballern nun aber sogar davon abgeraten, sich zu outen. "Für denjenigen, der es tut, würde es sehr schwer werden", sagte der Bayern-Profi der "Bunte". Seiner Einschätzung nach würde ein offen schwuler Fußballer Schmährufen ausgesetzt sein. "Es ist schade, aber Schwulsein ist im Fußball - anders als in Politik und Showgeschäft - immer noch ein Tabuthema." In der Männer-Bastion NBA hat einer jetzt gewagt, das letzte Tabu des Profisports zu kippen. Rick Welts hat sich ganz normal in einem Interview geoutet. Vielleicht findet er ja doch Nachahmer. Es wäre wünschenswert.

Mit AFP

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