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Mehr Sport Die spannendsten Duelle der Leichtathletik-WM


Zwei Jahr ist es her, dass Usain Bolt bei der Leichtathletik-WM in Berlin drei Goldmedaillen gewann und dazu noch zwei Weltrekorde aufstellte. Nun trifft sich die Weltelite in Südkorea und erneut gibt es spektakuläre Kämpfe um Gold, Silber und Bronze. Wir stellen neun Events vor.

Am 27. August beginnt die Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Daegu und die Athleten kommen in 45 Disziplinen zum Einsatz. Neun Tage dauert das Spektakel und wir wollen daher die neun wohl spannendsten Ereignisse dieser WM vorstellen.

Die viertgrößte Stadt Südkoreas (2,5 Millionen Einwohner) liegt in der Provinz Gyeongsangbuk-do, der Zeitunterschied beträgt sieben Stunden. Deshalb wird ein Großteil der Entscheidungen zur deutschen Mittagszeit zu sehen sein.

Sicherlich bieten alle Disziplinen die Gelegenheit, spezifische Duelle zwischen den Kontrahenten vorzustellen. Wir haben uns ob der neun Wettkampf-Tage für neun Duelle entschieden, die für größtmögliche Spannung zwischen den einzelnen Athleten sorgen könnten. Dabei soll auch der deutsche Fokus auch nicht ganz vernachlässigt werden.Siebenkampf Frauen (29. August – ab 10 Uhr)Jessica Ennis (GBR) ist die geborene Siebenkämpferin und wie für den Wettkampf gemacht. Tritt sie an, übertrifft sie in der Regel alle – auch ihre – Erwartungen und sorgt regelmäßig für persönliche Bestleistungen. Die 25-Jährige ist amtierende Welt- und Europameisterin und wohl nur aufgrund einiger Stressfrakturen im Fuß fehlt ihr der olympische Titel 2008. In dieser Saison hat sie an den Laufleistungen gearbeitet und verbesserte in Götzis – wo sie all ihre Konkurrentinnen besiegte – ihren Rekord über 200 Meter, 800 Meter, 100 Meter Hürden und im Kugelstoßen. Mit den dort erreichten 6790 Punkten führt sie auch die Weltjahresbesten-Liste an. Auf sheffield-telegraph.co.uk erklärte sie: "Es gibt einige gute Herausforderinnen, aber ich fühle mich gut und bin bereit, meinen Titel zu verteidigen.“Eine der von ihr angesprochenen Konkurrentinnen ist Jennifer Oeser, die ebenfalls mit dem Anspruch nach Südkorea gereist ist, eine Medaille zu gewinnen. Dass sie niemals aufgibt, hat sie in Berlin bewiesen, als sie nach einem Sturz beim 800 Meter-Lauf noch zu WM-Silber sprintete. Nun kommt sie als aktuell Dritte der EM in Barcelona nach Daegu gereist. In Spanien verbesserte sie ihre persönliche Bestleistung um 200 Punkte und mit den dort erreichten 6663 Punkten liegt sie zudem auf Rang drei der Bestenliste 2011.Stabhochsprung der Männer (29. August – 12:25 Uhr)Bei der WM dürfen mindestens drei Stabhochspringer nicht aus den Augen gelassen werden. Der Australier Steven Hooker ist dabei der amtierende (Hallen-) Weltmeister und Olympiasieger. Beeindruckt hat der Australier dabei in Berlin, als er mit einer Adduktorenverletzung überhaupt nur einen Sprung absolvierte und diesen so setze, dass er sicher sein konnte, eine Medaille zu gewinnen. Eine sozusagen goldrichtige Entscheidung.Seine beiden größten Konkurrenzen sind Malte Mohr und der Franzose Renaud Lavillenie, der in diesem Jahr mit 5,90 Metern die Jahresbestenliste anführt. Lavillenie holte sich zudem die letzten beiden EM-Titel in der Halle und gewann 2010 auch die EM in Barcelona. Mohr ist die deutsche Hoffnung und konnte sich bei der Hallen-WM in Doha immerhin hinter Hooker den zweiten Platz sichern. Bei "Berlin fliegt" war er den Matchwinner für die Deutschen und sagte: "Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich auch in Daegu noch einen draufpacken kann, und dann werde ich definitiv um die Goldmedaille mitspringen."Hooker erklärte auf iaaf.org: "Es kommt auf das Wetter an, denn die Bedingungen sind sehr unterschiedlich hier. Wenn es regnet und man früh 5,80 Meter springen kann, hat man gute Chancen zu gewinnen. Bei gutem Wetter wird einer sicher über 5,90 Meter springen. Insgesamt ist es eine gute Arena und die Bedingungen für ein gutes Resultat sind bei gutem Wetter auf jeden Fall gegeben."100 Meter der Frauen (29. August – 14:45 Uhr)Normalerweise hätten wir die Männer in dieser Disziplin vorgestellt, doch da Asafa Powell ob einer Leistenverletzung nicht gegen Usain Bolt antreten kann, schauen wir uns lieber das Duell zwischen Shelly-Ann Fraser-Pryce (JAM) und Carmelita Jeter (USA) an. Denn auch dort wird aller Voraussicht nach ein Wettkampf auf höchstem Niveau geboten.Die Jamaikanerin wurde nach ihren Erfolgen bei den Olympischen Spielen 2008 (Gold) und der WM in Berlin 2009 (Gold) positiv auf das Schmerzmittel Oxycodon getestet und hatte eine sechsmonatige Sperre abzusitzen. Seit Beginn 2011 darf sie sich wieder ganz auf den Sport konzentrieren und geht als Titelverteidigerin in das Rennen. Ihre größte Konkurrentin dürfte Miss Jeter werden. Bislang reichte es bei Großereignissen - WM 2007 und 2009 – nur zu Bronze, doch in dieser Saison soll alles anders werden.In Eugene lief sie im Juni 10,70 Sekunden und stellte damit eine Weltjahresbestzeit auf und ist mit den 10,64 Sekunden aus dem Jahr 2009 die schnellste Frau in diesem Jahrtausend. Die Zeit ist reif für die erste Goldmedaille und in der Diamond League hat sie sich zumindest schon vorzeitig den Titel im Diamond Race gesichert.110 Meter Hürden der Männer (29. August – 14:25)In dieser Disziplin kommt es wieder einmal zum Duell zwischen Liu Xiang (CHN) und David Oliver. Während der Chinese schon Welt- und Olympiasieger ist, fehlt bei Oliver noch der ganz große Erfolg. Doch immerhin gewann er in Peking Bronze und im vergangenen Jahr lief er die fünf besten Zeiten des Jahres - blieb dabei 15 Rennen in Folge ungeschlagen. Doch den aktuellen Weltrekord hält der Kubaner Dayron Robles.So wird das Duell eher zu einem Dreikampf, bei dem jeder Sprinter seine Berechtigung auf den Titel schon nachgewiesen hat. Oliver ist der einzige Läufer aus dem Dreigestirn, der in diesem Jahr unter 13 Sekunden geblieben ist. Dennoch wurde er von beiden Konkurrenten schon besiegt. Robles gewann in London und Paris, Xiang triumphierte in Shanghai.Der Chinese muss aber erstmals seit 2008 wieder drei Rennen in zwei Tagen absolvieren. Doch auch Robles hatte keine perfekte Vorbereitung: "Es ist eine Ehre, zu den Weltmeisterschaften zu fahren, obwohl ich so viele Verletzungen hatte", sagte er auf escambray.cu. Dennoch wollte er Gold gewinnen. Oliver hingegen hat nur einen Wunsch, den er der Washington Post erklärte: "Es wäre toll, wenn die Hürden vor Angst umfallen würden und ich so schneller laufen könnte." Ein frommer Wunsch.Diskus der Männer (30. August – 12.55 Uhr)Robert Harting ist nicht nur ungeschlagen in diesem Jahr, er ist auch der Titelverteidiger. 2009 gewann er Gold bei der Heim-WM und ist sich überhaupt nicht sicher, ob es einen Konkurrenten gibt, der ihm Gold streitig machen kann. Zwar plagt er sich selbst mit einer Knieverletzung herum, erklärte auf bz-berlin aber:"Meine Langeweile und meine Bequemlichkeit sind nicht bestraft worden. Ich hätte mir gewünscht, jemand hätte mir mal richtig einen verpasst bei einem Wettkampf. Damit ich mal wach werde. Aber irgendwie sind alle meine Konkurrenten komisch drauf." Doch damit nicht genug: "Ich habe die ganze Saison technisch nicht gut geworfen und gewinne trotzdem immer. Das ist neu, so funktioniere ich eigentlich nicht."Schaut man sich die Leistungen in diesem Jahr an, könnten Zoltan Kovago (HUN) und Jarred Rome (USA) in den Titelkampf eingreifen, doch das ist eher unwahrscheinlich, da Konstanz ihnen bislang nicht nachgesagt werden konnte. So dürfte Piotr Malachowski (POL) der erste Herausforderer auf den Titel sein. Der Pole hat in Berlin und Peking Silber gewonnen und sicherte sich bei der EM 2010 den Titel. Doch auch er hat Probleme mit dem Knie.Stabhochsprung der Frauen (30. August – 12.05 Uhr)Yelena Isinbayeva (RUS) hat immer noch den größten Namen im Stabhochsprung der Frauen. Sie hat die Olympischen Spiele zweifach gewonnen, ist die einzige Frau, die die Marke von fünf Metern mehrfach geknackt hat und belegt die ersten elf Plätze der ewigen Bestenliste – zumindest was die Höhe angeht.Ihre erste Verfolgerin ist mit Jenn Suhr die Abo-Meisterin aus den USA. Die 29-Jährige steht auch hinter Isinbayeva auf Platz zwölf der Bestenliste, übersprang in dieser Saison nämlich in Rochester 4,91 Meter – damit liegt sie in dieser Saison auf Platz eins. Zudem verfügt sie über eine Menge Erfahrung und hat schon Erfolge, wie Silber in Peking 2008, vorzuweisen.In diese Sphären kann Martina Strutz zwar noch nicht vorstoßen, doch die Deutsche verbesserte vor sechs Wochen immerhin den Deutschen Rekord auf 4,78 Meter. Und da Isinbayeva erst im Februar ihre Auszeit beendet hat und noch nicht wieder die beeindruckende Form der Jahre zuvor erreicht hat, könnte es durchaus zu einer Überraschung kommen.200 Meter der Frauen (02. September – 13:55 Uhr)Allyson Felix (USA) und Veronica Campbell-Brown (JAM) sind mit Blick in die Vergangenheit sicherlich die beiden dominierenden Läuferinnen über diese Distanz der letzten Jahre. Immerhin bitten hier die Gold- und Silbermedaillen-Gewinnerinnen der Olympischen Spiele und der WM in Berlin zum Tanz.Gerade Felix will in Daegu mächtig abräumen und die erste Sprinterin sein, die sich Gold über die 200 und 400 Meter holt. Dafür nimmt sie ein hartes Training in Kauf und will sich nicht, wie bei den Olympischen Spielen, von anderen Dingen ablenken lassen. "Ich habe keinen Zweifel daran", erklärte Trainer Bob Kersee auf indiantimes.com. "Nichts gegen Campbell, aber bei den Spielen wäre Felix besser gelaufen, wenn wir im Vorfeld einige Dinge aus dem Umfeld eliminiert hätten."Campbell-Brown hat sich hingegen nicht zu ihren Zielen geäußert, gehört aber zu den großen Hoffnungen Jamaikas auf Medaillen. "Ich bin sehr aufgeregt und freue mich auf die Wettkämpfe“, erklärte sie auf jamaica-gleaner.com. "Ich in sehr zufrieden mit meiner Vorbereitung und ich schaue den Rennen positiv entgegen."Speerwurf der Männer (03. September – 12:10 Uhr)Beim Speerwurf der Männer gibt es eigentlich nur einen Favoriten und eine Handvoll Herausforderer. Andreas Thorkildsen (NOR) ist der Mann, den es zu schlagen gilt. Er ist der Titelverteidiger und gewann zudem auch bei den Olympischen Spielen die Goldmedaille. Keine Frage, dass er auch die Diamond League gewonnen hat und die ersten drei Plätze in Liste der weitesten Würfe 2011 belegt.Wen er selbst als größten Konkurrenten sieht, erklärte er im Interview auf eurosport.yahoo.com: "Als Konkurrenten sehe ich Matthias de Zordo, der in dieser Saison sehr konstant war. Es scheint, dass er ebenfalls in einer guten Form ist. Alle anderen Werfer hatten ihre Höhen und Tiefen in diesem Jahr. Wie man 2010 bei de Zordo in Peking gesehen hat, kann es auch immer wieder Überraschung geben. Ich gespannt, wer dieses Mal überraschen kann."De Zordo ist amtierender deutscher Meister, gewann Silber bei der EM 2010 in Barcelona und ist einer der wenigen Speerwerfer, der als Linkshänder in der Weltspitze steht. In der Diamond League logiert er hinter Thorkildsen zwar auf Platz zwei, muss sich aber noch gewaltig steigern, um den Norweger anzugreifen. Denn selbst seine persönliche Bestleistung von 87, 81 Metern würde wohl nicht zum Titel reichen.4 x 100 Meter Staffel der Männer (04. September – 14 Uhr)Die 100 Meter sind vielleicht die Königsdisziplin, doch noch größer ist das Spektakel, wenn es zum Abschluss der Wettkämpfe die Staffel über 4 x 100 Meter zu sehen gibt. Jamaika und die USA werden die ersten beiden Plätze unter sich ausmachen. Unsicher ist dabei, ob Asafa Powell mitwirken kann. Auf die 100 Meter muss er ja, wie eingangs erwähnt, wegen einer Leistenverletzung verzichten.Die USA haben in diesem Jahr mit 37,90 Sekunden in der Besetzung mit Trell Kimmons, Mike Rodgers, Justin Gatlin und Walter Dix die beste Zeit aufgestellt, während Jamaika mit Asafa Powell, Michael Frater, Nesta Carter und Steve Mullings 38,33 Sekunden auf der Haben-Seite hat. Sicherlich wird Usain Bolt mit dabei sein, doch es ist schwer auszumachen, wer momentan die Nase vorn hat.Zuletzt dominierten die Jamaikaner, die sich bei ihrem Olympiasieg 2008 auch den Weltrekord von den Amerikanern holten. Denn die US-Staffel wurde nach einem Wechselfehler disqualifiziert und konnte nicht am Endlauf teilnehmen. Eine Situation, die Wiedererkennungswert hatte, denn auch in Berlin erwischte es die Amerikaner – nach einem Protest der Briten, die ebenfalls disqualifiziert wurden. Dort gewannen ebenfalls die Jamaikaner. Fortsetzung folgt? Wir werden sehen.Gunnar Beuth

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