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Mehr Sport: WM-Aus - Britta Steffen gibt auf

Als Goldhoffnung reiste Britta Steffen nach Shanghai, zwei maßlos enttäuschende Rennen später packte Deutschlands Schwimmstar ratlos und frustriert die Koffer und beendete die WM vorzeitig. Dafür erntete sie Kritik von Franziska van Almsick.

Britta Steffen hat die für sie völlig verkorksten Weltmeisterschaften in Shanghai vorzeitig beendet und alle weiteren Starts abgesagt. Nach der Staffel-Enttäuschung blieb die Olympiasiegerin auch im Einzel hinter den Erwartungen. Nach 54,86 Sekunden und nur Platz 16 im Vorlauf über 100 Meter Freistil zog sie einen Schlussstrich.

"Niederlagen gehören zum Sport. Ich habe wahnsinnige Höhen erlebt, jetzt bin ich eben mal abgetaucht", meinte Steffen. "Die Tränen, die ich Sonntag vergossen habe, kann ich nicht mehr rausholen. Es ist leider nicht meine WM." Vorlaufschnellste war die Niederländerin Femke Heemskerk - 1,13 Sekunden vor Steffen.

Kritik von Van Almsick

Die 27-Jährige strich nicht nur die Halbfinal-Teilnahme über die 100 Meter, sondern wird auch die Titelverteidigung über 50 Meter Freistil nicht mehr angehen. Die Lagen-Staffel ist in Shanghai für Deutschlands beste Schwimmerin ebenfalls kein Thema mehr - was ihr prompt Kritik von Franziska van Almsick einbrachte.

Die ARD-Expertin van Almsick monierte den Rückzug Steffens. "Ich verstehe nicht, warum sie alles hinschmeißt. Ich hätte ein bisschen mehr erwartet, dass man als Frontfrau des Deutschen Schwimm-Verbandes auch Verantwortung übernimmt und im Zweifel sich die Beine herausreißt; noch mal alles gibt, um die Lagen-Staffel in die Olympischen Spiele zu bringen", sagte die Weltmeisterin von 1994. Auch Daniela Schreiber, die als 23. das Halbfinale über 100 Meter Freistil verpasste, fand den Staffel-Verzicht Steffens "egoistisch".

Trainer schützen Steffen

Steffen rang sich an der Seite von Trainer Norbert Warnatzsch in der bitteren Stunde das eine oder andere Lächeln ab. Leistungssportdirektor Lutz Buschkow sah nach dem Aus der deutschen Goldhoffnung dagegen ziemlich mitgenommen aus.

"In Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2012 muss man einen Sportler, der so gute Leistungen im Vorfeld bei Olympia und in Rom für den Deutschen Schwimm-Verband erbracht hat, an der Stelle auch ein bisschen schützen", begründete Buschkow den Rückzug der Frontfrau. Auch wenn er es nicht sagte: Die WM-Ziele von sechs Medaillen der Beckenschwimmer (2-2-2) sind eigentlich dahin.

Kritik wie von Van Almsick an Steffens Verzicht auf die Lagen-Staffel trotz anstehender Olympia-Quali entgegnete Buschkow: "Es ist wichtig, in so einer Situation, in der Britta Steffen sich befindet, und ihre Leistung momentan nicht abrufen kann, den Druck nicht noch weiter zu erhöhen, sondern sich vor sie zu stellen und zu analysieren." Die WM-Zeiten der Erfolgsgarantin, egal ob in Staffel oder Einzelrennen, waren nicht nur für sie selbst "unerklärlich". Jeder im Verband hatte ihr eine gute Trainingsform bescheinigt.

Steffen: "Habe mich nicht gedrückt"

Steffen selbst nahm nach dem WM-Ende gleich ihr großes Ziel, die Olympischen Spiele 2012 ins Visier. Zunächst musste sie aber den bitteren WM-Tag verdauen. "Ich würde gerne erst mal die Augen zumachen, die Ohren zumachen und dann noch mal mit ein bisschen Abstand auf den heutigen Tag gucken", betonte die 27-Jährige und ergänzte im ZDF-Morgenmagazin: "Ich habe alles versucht, ich kann mir keinen Vorwurf machen, ich habe mich nicht gedrückt."

sportal.de / sportal

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