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NBA Basket Case - Dribbeln oder tanzen?


Nach langer Pause haben die Verhandlungen für den Arbeitsvertrag CBA wieder begonnen - der Basket Case hofft weiter auf eine Saison und freut sich über einen Profi, der lieber das Tanzbein schwingt!

Es ist Sommer. Urlaubszeit, Streetball-Zeit, Tanzzeit (dazu später mehr) oder eben Zeit für alles andere, was man als gut situierter NBA-Profi so macht während der Sommermonate. Für alle NBA-Spieler? Nein, einige wenige wie Derek Fisher oder Carmelo Anthony versuchen nach wie vor, unisono mit der Spielergewerkschaft an einem neuen CBA zu arbeiten.

Nachdem man sich am 1. August das letzte Mal mit den Teambesitzern getroffen hatte, stand nun also der nächste Verhandlungstermin an. Sechs Stunden wurde in einem Luxushotel in Manhattan in New York getagt und verhandelt – nach wie vor, ohne zu irgendwelchen vernünftigen Ergebnissen gekommen zu sein.

Viel heiße Luft, aber kein neues CBA

Allerdings überbieten sich beide Seiten mit nichtssagenden Aussagen zu den Verhandlungen – sehr zum Unmut der Fans, die zu großen Teilen die Hoffnung auf eine pünktlich startende Saison (das erste Spiel ist auf den 1. November terminiert) bereits aufgegeben haben.. So sagte Derek Fisher nach der Verhandlungsrunde dem TV-Sender ESPN:“Wir fühlen nach wie vor, dass es am wichtigsten wäre, mehr innerhalb unserer Runde zu reden – und nicht so viel außerhalb in der Presse. Das würde uns alle sicher weiter bringen.“

Und auch David Stern hatte, abgesehen von ein paar Floskeln, nicht viel zum Besten zu geben.“Ich sehe keinen Vorteil darin, dauernd Wasserstandsmeldungen abzugeben. Wir haben uns alle darauf geeinigt, dass wir den Ernst der Lage verstanden haben, und alle verstehen, dass ein verspäteter Start oder gar ein Saisonausfall für beide Seiten sehr unproduktiv wäre.“

Teilen als Erfolgsmodell

Ja, das denken sich Millionen Fans auf der Welt ebenso – nur würden sie alle natürlich gerne besser verstehen, wieso man sich, auch wenn es angeblich um Millionen geht, nicht einigen kann. Die Spieler verdienen im Schnitt knapp 6 Millionen Dollar, die Teambesitzer könnten – wären alle so solidarisch wie in den Verhandlungen immer wieder verkündet – sicher einen Topf mit Gewinnen einrichten, aus dem dann die Verluste der Small-Market-Teams (jedes Team das nicht in Los Angeles, Chicago, New York oder Dallas beheimatet ist) beglichen werden könnten – und man könnte endlich wieder über Basketball reden.

Denn natürlich ist es spannend, zu sehen, wie nun viele Stars bei den kontinentalen Turnieren wie der Europameisterschaft oder dem Americas Championship spielen, sich ihre Zeit auf Streetball-Plätzen um die Ohren schlagen oder sich die freie Zeit einfach ganz anderen Beschäftigungen wie einem Studium, Beachvolleyball oder ähnlichem vertreiben. Aber eben nur bis zu einem gewissen Grad, dann übermannt die Sehnsucht nach einem geregelten Wettkampf sowohl Fans als auch Spieler.

World Peace oder: Wer schwingt das Tanzbein?

Es sei denn, man geht tanzen. Tanzen fragen Sie sich? Ja, so war auch meine erste Reaktion als ich las, dass ausgerechnet der von den Fans entweder geliebte oder gehasste Ron Artest – oder eben Metta World Peace, sobald die Namensänderung abgesegnet wird – sich als Teilnehmer bei der in Amerika überaus populären Sendung Dancing with the Stars eingeschrieben hat.

Bei einer Sendung, über die Artest vor einer Woche noch sagte, er könne sich „niemals vorstellen, in einem Tanzoutfit wie ein Balletttänzer über die Bühne zu schweben und sich lächerlich zu machen“ - und wenige Stunden später als offizieller Teilnehmer bekannt gegeben wurde. Aber immerhin tritt er dort in große Fußstapfen, schließlich gehören Stars wie Emmitt Smith (Running Back, NFL), Super Bowl-Champion Hines Ward von den Pittsburgh Steelers oder der olympische Eisschnellläufer Apolo Anton Ohno zu den bisherigen Siegern der Sendung.

Fraglich, ob Ron Artest die Zuschauer tatsächlich mit seiner Schritttechnik und seinem Taktgefühl überzeugen kann, aber für einige Späße und Verrücktheiten sollte der Forward der Lakers sicherlich gut sein – und wer weiß, vielleicht ergibt sich daraus ja sogar ein weiteres Standbein, nachdem es mit den Auftritten in englischen Fernsehserien nicht ganz klappen wollte.

Bosh bereits mitten im Training

Ganz anders mit der freien Zeit umzugehen weiß Chris Bosh, seines Zeichens Forward beim Finalteilnehmer Miami Heat. Mit ungetrübtem Optimismus hofft Bosh weiterhin auf einen pünktlichen Beginn der Saison und ist dafür als einer der ersten Spieler bereits seit Wochen wieder im Training. Bosh ging sogar so weit, eine Halle in Florida zu mieten, um für sich und diverse Kollegen Mini-Trainingscamps abzuhalten – organisiertes Training in den Hallen der Clubs ist ja dank des Lockouts auf absehbare Zeit nicht erlaubt.

“Unsere Liga befindet sich auf einem absoluten Höhepunkt. Wir Spieler wissen alle, dass ein Ausfall der Saison für uns und die Liga eine Katastrophe wäre. Und deshalb denke ich, die Vernunft wird siegen. Aber zunächst müssen wir alle persönlichen und emotionalen Momente aus den Verhandlungen ausschließen – schließlich geht es hier ums Business“, so Bosh in einem Radio-Interview in Los Angeles.

Natürlich wäre auch diese Woche der Basket Case keine runde Sache, gäbe es nicht wieder neue Gerüchte und Geschichten, über Profis, die ihre sieben Sachen packen, um im Ausland weiter zu spielen. Zunächst wären da die Rollenspieler, die einfach nur weiterhin Geld verdienen wollen. Nicolas Batum von den Portland Trail Blazers zum Beispiel, der seine Brötchen in der nächsten Saison im heimischen Nancy in Frankreich verdienen wird. Oder Andrew Bogut (Milwaukee Bucks), der sich so gut wie einig mit einem Team in seiner australischen Heimat zu sein scheint. Oder eben Wilson Chandler, Free Agent von den Denver Nuggets, der aufgrund seines Free Agent Status der erste Spieler ist, der das Abenteuer China angeht – und wie von der chinesischen Liga bestimmt auch keine Ausstiegsklausel für den Fall einer stattfindenden NBA-Saison hat.

Mavericks verstreut in aller Herren Länder?

Ebenfalls ein Free Agent ist seit Anfang Juli einer der Final-Helden der Dallas Mavericks, J.J. Barea. Barea, der durch den Lockout an Verhandlungen mit den Mavericks gehindert wird, hat ebenfalls erklärt, sich ein Engagement im Ausland vorstellen zu können – und präferiert Spanien als Ziel. “Ich hoffe nach wie vor, die Besitzer und die NBAPA werden sich einigen, aber falls das nicht passieren sollte, wäre Spanien wohl mein Plan B“, so Barea im Puerto Ricanischen Fernsehen.

Und auch Teamkollege Tyson Chandler scheint einer Teilzeitstelle in Europa nicht mehr abgeneigt zu sein.“Ich möchte einfach nur spielen, ich bin in einem Alter, wo man nicht einfach eine Saison aussetzen kann – und mir macht das Spiel viel zu viel Spaß!“

Ähnlich sieht es auch der türkische Nationalspieler Hedo Turkoglu. Selber mittlerweile ein Free Agent, wollte er eigentlich in Orlando bei den Magic verlängern – bis der Lockout dazwischen kam. Mittlerweile sieht es so aus, als würde Turkoglu zurück in die Heimat zu Anadolu Efes gehen, um dort in der kommenden Saison zu glänzen – was nach einer eher durchwachsenen Saison in Florida sicherlich auch aus anderen Gründen als nur dem Geldverdienen Sinn macht.

Trotz aller Abwanderungsgedanken der NBA-Stars ist eins aber natürlich nach wie vor klar – sollte die Saison doch noch stattfinden, und davon scheinen ja immer mehr Experten auszugehen, dann würden sich fast alle dieser Spieler wieder in Amerika einfinden, schließlich gibt es für einen Profi nichts Heiligeres als das Spiel in der NBA, der besten Liga der Welt. Der Basket Case wird Sie natürlich weiter auf dem Laufenden halten – und nimmt jede Unterstützung beim Daumendrücken für eine stattfindende Saison dankend an!

Oliver Stein

sportal.de sportal

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