NBA-Boss David Stern "Dirk Nowitzki ist einzigartig"


David Stern ist der mächtigste Mann im US-Basketball. Seit 1984 ist er Chef der NBA, der stärksten Liga der Welt. Im Exklusiv-Interview erzählt Stern stern-Redakteur Christian Ewers, wie die Zukunft der NBA aussieht und was er von Dirk Nowitzki hält.

Mister Stern, in Berlin treten die beiden NBA-Klubs Washington Wizards und New Orleans Hornets gegeneinander an. Es ist ein nur Gastspiel, beide Teams stecken mitten in der Vorbereitung auf die neue Saison. Wäre es denkbar, dass die NBA in einigen Jahren nach Europa kommt und gegen den besten deutschen Klub um Punkte spielt?

Ich halte das für durchaus möglich. Wir wollen wachsen, wir wollen nach Europa. Aber die Zeit ist noch nicht reif für solch eine Expansion. Wir müssen geduldig sein. 2016 oder 2017, da könnte es was werden.

Warum ist Europa so ein langfristiges Projekt für die NBA?

Da gibt es eine ganz einfache Check-Liste, die wir immer wieder abarbeiten. Nehmen wir Berlin. Ich frage: Ist die Begeisterung für Basketball hier so groß, dass 41 Spiele pro Saison ausverkauft sein werden? Antwort: nein. Nächste Frage: Gibt es in Deutschland jemanden, der 500 Millionen Dollar Startkapital für ein neues NBA-Team aufbringt? Antwort: Zurzeit nicht. Frage: Bekämen wir vom Fernsehen genügend Unterstützung, würde Basketball zu einer großen Nummer in den Medien werden? Da bin ich skeptisch. Sie sehen, wir brauchen Zeit.

Wie wichtig ist der deutsche Markt für die NBA?

Er ist der wichtigste in Europa, keine Frage. Ein Beispiel: Die meisten Zugriffe auf unsere Homepage kommen aus Deutschland, dann folgen Italien, Spanien, Frankreich. Das ist ein starkes Zeichen. Die NBA will aber deutsche Teams nicht kidnappen für ihre Liga. Wir müssen uns langsam aufeinander zubewegen.

Worin sehen Sie den größten Unterschied zwischen europäischem und amerikanischen Basketball?

Wir Amerikaner setzen mehr auf die Qualitäten des einzelnen Spielers. Unser Basketball ist auch ein wenig athletischer und schneller. Aber die Unterschiede sind nicht mehr so groß. Haben Sie das olympische Finale gesehen, USA gegen Spanien? Da waren die Spanier absolut auf Augenhöhe, sie haben einen hervorragenden Team-Basketball gezeigt. Das könnt ihr Europäer: Im Kollektiv spielen und verteidigen.

Ist das etwas, was sich die USA von den Europäern abschauen könnten?

Die NBA ist schon lange keine rein amerikanische mehr. Europäer spielen bei uns wichtige Rollen. Da gibt es ein wechselseitiges Lernen. Schauen Sie auf Dirk Nowitzki, der war im letzten Jahr der Most Valuable Player der NBA! Er hat unsere Liga dominiert.

Wie schätzen Sie Nowitzki ein? Hat er schon einen Heldenstatus wie einst Michael Jordan oder Magic Johnson?

Dirk ist auf jeden Fall einzigartig. Ich arbeite seit 1966 für die NBA, aber ich habe noch nie einen so talentierten und gleichzeitig so bescheidenen Spieler gesehen. Bei Michael Jordan musste es immer krachen. Der war begnadet und hat eine Riesenshow abgezogen. Dirk hingegen spielt sehr rational, sehr ökonomisch...

... sehr deutsch?

Ich würde sagen: sehr clever. Dirk muss seine Kräfte einteilen, weil er sonst nicht das tun könnte, was er kann. Und er kann ja fast alles: aus jedem Winkel des Feldes schießen, das Spiel eröffnen und sich unter dem Korb behaupten. Er ist die Allzweck-Waffe der Dallas Mavericks.

Und ein wichtiger Botschafter der NBA in Deutschland.

Das ist wahr. Darüber hinaus ist er in aller Welt ein Beispiel dafür, dass man es in der NBA zum Weltstar bringen kann, ohne unser System mit College und High-School durchlaufen zu haben.

Hat Dirk Nowitzki Ihnen ein paar Tipps für Ihren Berlin-Besuch rund um das Spiel Washington gegen New Orleans gegeben?

Nein, ich entdecke Städte wie Berlin gern auf eigene Faust. Einfach raus aus dem Hotel und dann spazieren gehen, ein bisschen treiben lassen. Das geht viel besser als in New York, hier ist ja alles so großzügig und breit. Hier hat man richtig Platz zum atmen.


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