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NBA: NBA-Zwischenbilanz - Welche Neuzugänge haben überzeugt?

Lamar Odom sollte die große Verstärkung bei den Mavericks sein, doch davon ist er weit entfernt. Stattdessen überzeugten andere, die zuvor müde belächelt wurden. Richtig glücklich sind die Verantwortlichen der Clippers, bei denen dank Chris Paul der Saisonstart geglückt ist. 

Dank des Streiks der Spielergewerkschaft war die Off-Season in diesem Jahr nur halb so lang wie sonst. Trotzdem wurde viel geschachert, getauscht und verpflichtet. Für welche Clubs es sich gelohnt hat, und welche Clubs dabei den Kürzeren gezogen haben, darauf wollen wir heute einen Blick werfen.

Fangen wir mit dem aus deutscher Sicht interessantesten Trade an. Nachdem Tyson Chandler und JJ Barea die Mavericks aus Dallas verlassen hatten, musste beim Club von Dirk Nowitzki dringend Verstärkung her.

Odom Flop, Carter und West Top

Dabei wurde die Verpflichtung von Lamar Odom aus Los Angeles als großer Coup gefeiert, während Vince Carters und Delonte Wests Vertragsunterzeichnungen von allen Seiten nur mit einem müden Lächeln bedacht wurden.

Doch erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Beginnen wir beim eigentlichen Hoffnungsträger unter den Neuen. Natürlich war es für Lamar Odom schwer zu verdauen, dass die Lakers ihn nach sieben Jahren, zwei Meisterschaften und einer Trophäe als bester Ersatzspieler der Liga einfach so zum Trade freigaben.

Doch als Profisportler sollte man damit besser umgehen können, als es der Forward der Mavs derzeit vormacht. Nicht nur seine Leistungen auf dem Feld sind indiskutabel, auch außerhalb des Spielbetriebs gibt er kein gutes Bild ab. Der Presse zu erzählen, man habe eigentlich ein Jahr Pause machen wollen, bevor das Mavericks-Angebot kam, erscheint unglücklich.

Sicher, der Hintergrund dieser von Odom in der letzten Woche getätigten Aussage sind diverse private Schicksalsschläge in den letzten Jahren, doch wenn man bei einem Club unterschreibt, sollte man vorher solche Gedankengänge ad acta gelegt haben, um sich auf die neue Aufgabe fokussieren zu können. Kurzum, Odom scheint für die Mavericks bisher nicht annähernd die Verstärkung darzustellen, die er eigentlich sein sollte – Glück für Dallas, dass bei diesem Trade außer zwei unbedeutenden Draftpicks keine weitere Kompensation geleistet werden musste.

Aber natürlich gibt es bei den Mavs, die nur sehr langsam in die Saison starteten, mittlerweile aber mit einer Bilanz von 8 Siegen bei 6 Niederlagen wieder auf Kurs in Richtung Playoffs sind, auch positive Überraschungen. So haben sich die Verpflichtungen von Vince Carter und Delonte West bereits bezahlt gemacht. Beide sind zwar keine überragenden Offensivspieler mehr – auch wenn Carter in den letzten Wochen immer mal wieder aufblitzen ließ, was ihm vor Jahren den Spitznamen “Air Canada“ einbrachte – aber für die Defensive sind beide Spieler sehr wichtig geworden und finden sich beide in den ihnen zugedachten Rollen ein.

Lachende Gesichter in Lob City

Natürlich waren die Clippers äußerst zufrieden mit dem Verlauf der Off-Season. Auf dem Papier sah die Mannschaft nach den Verpflichtungen von Chris Paul, Caron Butler und Chauncey Billups aus wie ein Titelkandidat. Aber so funktioniert es im Sport eben nicht immer, und nach einigen Stotterern zum Saisonstart kamen die negativen Stimmen sofort aus dem Unterholz. Aber was wäre Lob City, so der neue Spitzname des Teams aus Los Angeles, entstanden aus dem Wunsch nach möglichst vielen spektakulären Spielzügen, ohne eine Hollywood-Story?

Chris Paul hat seinem Namen als Top-3 Point Guard der Liga alle Ehre gemacht und bringt sowohl offensiv als auch defensiv fast jeden Gegenspieler zur Verzweiflung. Caron Butler füllt die Position des Small Forwards wieder mit Leben, und auch Chauncey Billups, eigentlich nur als Backup gedacht, hat bereits in mehreren Spielen wie zum Beispiel gegen Portland und die Lakers in der letzten Woche bewiesen, dass er zwar alt sein mag, Alter aber nicht vor gutem Spiel schützt. Und so stehen die Clippers mit einer Bilanz von 7:3 vor ihrem besten Saisonstart der letzten 10 Jahre. Ob es für einen Run auf die Meisterschaft reicht, bleibt abzuwarten, doch den Fans in Los Angeles sei es gegönnt – schließlich musste jeder Clippers-Fan sich jahrelang mit den übermächtigen Lakers befassen, die von Titel zu Titel eilten.

Flaute im Big Apple

Ein weiterer spektakulärer Transfer des Winters war der Weggang von Tyson Chandler von den Mavericks zu den New York Knicks. Nachdem man in der letzten Saison mit knapp 106 erlaubten Punkten pro Spiel am Ende der ligaweiten Defensivtabelle rangierte, musste etwas passieren. Und siehe da, der Center der letztjährigen Meistermannschaft macht seinem Ruf alle Ehre und verhalf den Knicks zu einem viel stabileren Defensiverhalten – mit nur noch 94 erlaubten Punkten steht man momentan ligaweit auf Platz 13.

Doch das geht zuweilen auf Kosten des offensiven Outputs. Da Chandler oft genug den Ball unter dem Korb verlangt und offensiv einfach zu wenig Waffen gegen andere gute Center und Power Forwards der Liga hat, stottert es bei den Knicks im Angriff gewaltig – was allerdings auch an der vorübergehenden Verletzung von Carmelo Anthony sowie der Abkehr von Coach D'Antoni von seinem geliebten Run-and-Gun-System – einem System, bei dem die Defensive vernachlässigt wird und es nur um schnelle Punkte geht - liegen mag.

Verletzt in Chicago – und trotzdem glücklich

Und dann wäre da ja noch der Klassenprimus. Die Chicago Bulls waren sich sicher, mit der Verpflichtung von Richard “Rip“ Hamilton das Loch auf der Position des Shooting Guards gefüllt zu haben. In den ersten vier Spielen der Saison schien diese Rechnung auch ganz wunderbar aufzugehen – bis sich Hamiltons Gesundheit einmischte und er von den letzten 11 Spielen nur ein einziges bestreiten konnte.

Natürlich wären seine 13 Punkte im Schnitt eine willkommene Verstärkung für die Bulls. Natürlich wäre sein Kampfgeist, in den Jahren in Detroit gestählt und erprobt, ein weiterer Mosaikstein, um die Defensive der Bulls, sowieso schon die beste der Liga, noch undurchdringlicher zu machen. Und natürlich würde die Erfahrung eines NBA-Titels und zahlreicher erfolgreicher Playoff-Schlachten im jungen Bulls-Team eine willkommene Ergänzung zum jugendlichen Leichtsinn mancher Spieler darstellen.

Doch auch ohne Hamilton scheint es bei den Bulls bei einer Bilanz von 12:3 schon bestens zu laufen – nicht auszumalen, wie stark das Team mit einem durchgehend gesunden Hamilton sein könnte.

Irving und Rubio – etwas für Genussmenschen

Natürlich gab es noch einige andere Neuverpflichtungen, um die wir uns im Laufe der nächsten Wochen kümmern werden. Doch zum Abschluss möchte ich noch auf zwei andere neue Spieler in der Liga hinweisen – die besten Rookies.

Hatten doch viele Fans gemunkelt, die Rookie-Klasse von 2011 wäre aufgrund des Lockouts und der daraus resultierenden Unsicherheit einen kompletten Ausfall der Saison betreffend nicht so stark wie andere, doch was die Herren Irving und Rubio bisher anbieten, kann sich durchaus sehen lassen.

Zunächst mal wäre da der Spanier Ricky Rubio. Bereits bei diversen WM's und EM's ließ sich beobachten, wie unglaublich versiert und talentiert der Spielmacher aus Barcelona ist. Doch nachdem er sich zwei Jahre lang einem Wechsel in die NBA verweigert hatte, war sich niemand mehr sicher, ob er es in der NBA wirklich packen würde. Doch innerhalb von drei Wochen hat es der flinke Point Guard bereits jedem Zweifler gezeigt.

Seine Reaktionsgeschwindigkeit, sein Auge für den offenen Mitspieler, seine Gabe, auch die kompliziertesten Anspiele einfach aussehen zu lassen – all das hat dazu geführt, dass sogar ich mir ab und zu mal gerne eine Halbzeit der Minnesota Timberwolves, in der letzten Saison noch abgeschlagen das schlechteste Team der Liga, anschaue. Nicht, dass ich nicht immer noch gerne die Celtics anschaue – seines Zeichens das Lieblingsteam des Autors dieser Zeilen – doch die Timberwolves sind wie die Clippers ein Team für die Zukunft.

Und wer weiß, eventuell können sich ja auch die Cleveland Cavaliers, das zweitschlechteste Team der vergangenen Runde, diesen Ruf erspielen. Ein Wunder wäre es nicht, wenn man sich anschaut, wie schnell sich der erste Pick des Drafts, Kyrie Irving, in der Liga zurecht zu finden scheint. Im Gegensatz zu Rubio, der ja ebenfalls als Point Guard aufläuft, geht es bei Irving mehr um die Punkteausbeute als um die Pässe, doch mit einem Schnitt von über 20 Punkten aus den jüngsten Spielen hat er einen großen Teil zu den sechs Siegen beigetragen, die die Cavaliers nach 12 Spielen bereits auf dem Konto haben – und damit im Osten sogar auf einem Playoff-Platz stehen.

Ich kann nur jedem empfehlen, sich das eine oder andere Spiel anzuschauen – die Saison läuft gerade warm, und es verspricht eine sehr gute zu werden. Beste Gelegenheit dazu bieten zum Beispiel die Sonntage, wenn es die Spiele sogar zu einer für uns Europäer annehmbaren Zeit zu betrachten gibt.

Oliver Stein

sportal.de / sportal

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