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RADSPORT: »So viele Fahrer können nicht Asthmatiker sein«

Klaus Müller, Leiter des Doping-Labors in Kreischa, zweifelt an der hohen Zahl von Asthmatikern im Profi-Radsport.

Klaus Müller, Leiter des Doping-Labors in Kreischa, zweifelt an der hohen Zahl von Asthmatikern im Profi-Radsport. »So viele Fahrer können nicht Asthmatiker sein, deshalb muss in Zukunft auch ein unabhängiger Arzt die Asthma-Diagnose stellen. Das darf nicht mehr nur der behandelnde Arzt machen. So wird es weniger wahrscheinlich, dass Gefälligkeitsatteste ausgestellt werden«, sagte Müller in einem Gespräch mit dem Berliner »Tagesspiegel«.

Kontrollen sind wirksam

Der Mediziner sieht große Lücken im Kontrollsystem: »Bedeutsamer als Wettkampfkontrollen sind Trainingskontrollen. Und da ist eine Kontrolle pro Jahr in Deutschland einfach zu wenig. Obwohl hier das Kontrollsystem eigentlich vorbildlich ist«. Den Einwand, das Kontrollsystem sei zu teuer, lässt Müller angesichts der Doping-Funde beim Giro d'Italia nicht gelten: »Dass diese Funde gemacht wurden, zeigt ja, dass solche Kontrollen wirksam und angebracht sind. Das ist ja der Beleg dafür, dass Geld für die Kontrollen gut angelegt ist. Wenn man die Zahl der Tests verdoppelte, würde man auch mehr schwarze Schafe erwischen«.

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Besitz noch nicht strafbar

Die Doping-Fahnder beim Giro hätten allerdings besser ermitteln können als in Deutschland, meinte Müller. In Deutschland sei es nicht möglich, »Scharen von Polizisten in Hotelzimmer zu jagen, nur weil es einen Anfangsverdacht gibt. Aber bei uns wird diskutiert, ob außer der Weitergabe von Doping-Mitteln in Zukunft auch der Besitz strafbar ist. Dann wäre auch der Besitzer von Doping-Mitteln dran. Bislang reicht es, wenn dieser sagt, er brauche das Zeug selber. Dann ist er fein raus«.

Ein Problem sei, dass es noch keine international akzeptierten Nachweismethoden für EPO und andere Wachstumshormone gebe. »Es gibt bisher drei Labors, die diese Methode gerade üben. Nach dem jüngsten Stand der Dinge wird sie wohl bei der Tour de France aber noch nicht angewandt«, sagte der Laborchef. Die letzte Entscheidung müsse der Weltverband treffen. Müller: »Aber ich hoffe, dass wir in Deutschland diese Methode bis Ende des Jahres anwenden können. Egal, ob sie nun weltweit anerkannt wird oder nicht«.

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