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Rassismus-Äußerungen: Ex-Clippers-Chef Sterling pöbelt weiter gegen Johnson

Das Interview war als Entschuldigung gedacht, machte aber alles noch schlimmer: Ex-LA-Clippers-Chef Donald Sterling, wegen Rassismus bereits im Abseits, holt erneut gegen Magic Johnson aus.

Von Niels Kruse

Was immer auch Donald Sterling gegen Earvin "Magic" Johnson hat, seine Abneigung gegen die Basketballlegende ist dem Clubbesitzer bislang teuer zu stehen gekommen: Reputation weg, Verein weg, 2,5 Millionen Dollar weg. Diese Summe musste der langjährige Boss der Los Angeles Clippers als Strafe zahlen, weil er seine Freundin aufgefordert hatte, weder Johnson noch andere schwarze Menschen mit zu seinen Spielen zu bringen. Es folgte ein beispielloser Proteststurm, selbst US-Präsident Barack Obama schaltete sich aus dem fernen Kuala Lumpur ein. Jetzt, wo sich der gröbste Wirbel gelegt hat, bat CNN den in Ungnade gefallenen zum Interview. Es hätte Sterlings Chance auf so etwas wie eine Wiedergutmachung sein können. Hätte.

Das Gespräch begann, wie solche Entschuldigungsgespräche eben beginnen: "Ich bin kein Rassist", hob der 80-Jährige an. Seine Aussagen seien ein "schrecklicher Fehler" gewesen. So weit, so reuig. Doch die Beteuerungen wirkten angesichts der dann folgenden neuen Breitseite gegen Magic Johnson im Speziellen und den Afro-Amerikanern im Allgemeinen wie hohle Phrasen. "Johnson ist ein guter Mensch, aber was soll ich sagen? Er tut so heilig. Er hat mit jeder Frau in jeder Stadt der USA geschlafen, und er hat Aids!", sagte Sterling. Und: "Ich denke einfach nur, er ist kein gutes Vorbild für die Kinder von Los Angeles." Sollte der Noch-Vereinseigentümer seinen Büßerauftritt ernst gemeint haben, dann hat er seine letzte Chance vermasselt.

NBA entschuldigt sich bei Johnson

Die Reaktionen auf die erneuten Unflätigkeiten fallen dementsprechend aus: NBA-Commissioner Adam Silver, der den Eigentürmer der Los Angeles Clippers nach dessen rassistischen Ausfällen lebenslang gesperrt und mit einer Geldstrafe belegt hatte, wandte sich öffentlich an Johnson. Er wolle sich im Namen der gesamten NBA-Familie bei ihm dafür entschuldigen, "dass er weiterhin in diese Situation hineingezogen und mit solch einer böswilligen und persönlichen Attacke degradiert wird", sagte Silver. Die NBA arbeite weiter daran, "Sterling so schnell wie möglich zu entfernen." Und der Betroffene selber? Er twittert kühl: "Ich möchte lieber über die großartige NBA-Endrunde sprechen als über Donald Sterling."

Und es blieb nicht bei Attacken gegen Johnson. Sterling entblödete sich nicht, sich mit allen Afroamerikanern anzulegen: "Wenn ein Jude erfolgreich ist, dann unterstützt er seine Leute. Aber die Schwarzen, vermutlich kriege ich jetzt Ärger, die helfen niemandem." Nun ist Sterling Jude und plötzlich wirken einige Gegen-Kommentare ihrerseits unappetitlich: LeBron James, Superstar der Mannschaft von Miami Heat, behauptete sinngemäß, dass kein NBA-Spieler die Clippers im Besitz der jüdischen Familie Sterling sehen möchte.

Es sieht so aus, als wäre die Affäre um den alten Mann noch längst nicht ausgestanden. Die Basketball-Profiliga will Sterling zu einem Verkauf seines Clubs drängen. In diesem Fall müsste auch seine Frau Shelly ihre Mitbesitzerschaft aufgeben, die sich allerdings gegen dieses Vorhaben wehrt. Für Donald Sterling selbst stehen die Auslöser des Skandals schon fest: "Die Sponsoren hassen mich nicht, die Fans hassen mich nicht, es sind die Medien, die hassen."

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