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Schwimm-WM in Montréal: Schlechte Bilanz mit positivem Fazit

Mit Platz Sieben im Medaillenspiegel von Montréal glänzen die deutschen Schwimmer nicht gerade. Während einige frustriert nach Hause fahren, macht sich der Deutsche Schwimm-Verband selber Mut.

Thomas Rupprath wollte nur noch nach Hause. Platz sechs als Titelverteidiger und Weltrekordler über 50 Meter Rücken - der Schwimm-Profi aus Hannover war endgültig der WM-Verlierer von Montréal. "Jetzt habe ich erst Mal vier Wochen Pause und freue mich auf die trainingsfreie Zeit", sagte der 28-Jährige. Deutschlands Schwimmer griffen am Schlusstag an den Medaillen vorbei. Für die Lagenstaffel der Männer war mehr als Platz vier nicht drin. Cheftrainer Ralf Beckmann zog nach sechs Medaillen und der schlechtesten WM-Bilanz seit der Wiedervereinigung dennoch ein positives Fazit: "Es gab schon die eine oder andere Enttäuschung. Aber über alles gesehen hat sich das Team gut geschlagen."

Die Jungen zahlen Lehrgeld

Drei Jahre vor den Olympischen Spielen in Peking trennen den Deutschen Schwimm-Verband (DSV) von den führenden Nationen Welten. Den Medaillenspiegel von Montréal führen die USA mit 15 Gold-, 11 Silber- und 6 Bronzemedaillen vor Australien (13-5-4) an. Deutschland ist Siebter. Mut macht die Punktewertung des Weltverbandes, die alle Platzierungen bis Rang 16 berücksichtigt. Hier nimmt das DSV-Team hinter den USA, Australien und Japan als beste europäische Mannschaft immerhin Rang vier ein. Beckmann sagt deshalb: "In diesem Team steckt noch großes Entwicklungspotenzial."

In Montréal haben die Alten die Bilanz gerettet, die Jungen hingegen zahlten Lehrgeld. Auf die Frauen mit der vierfachen Medaillen-Gewinnerin Antje Buschschulte an der Spitze war Verlass. Mark Warnecke, der mit 35 Jahren sensationell Gold holte, sprang noch einmal für die jungen Wilden ein. Fraglich ist, ob die fünfmalige Weltmeisterin Hannah Stockbauer, die sich nach dem Olympia-Debakel von Athen eine Zwangspause verordnet hat, zurückkehrt.

Meilenweit abgeschlagen

Wiederkommen will auf alle Fälle Thomas Rupprath."Ich greife nächstes Jahr wieder an", erklärte er nach seinem sechsten Platz über 50 Meter Rücken in schwachen 25,38 Sekunden. Der Grieche Aristeidis Grigoriadis hatte ihn in 24,95 Sekunden vom Thron gestoßen. "Mein Weltrekord steht noch, das ist schon sehr gut", sagte Rupprath, der über 50 und 100 Meter Schmetterling sogar schon im Halbfinale scheiterte. "Ich hatte vor, Weltrekord zu schwimmen, aber davon bin ich natürlich Meilen entfernt." Beckmann: "Eine solche Delle ist sportlich zu verschmerzen." Marco di Carli wurde in 26,48 Sekunden Achter.

Auch die Lagen-Staffel der Männer mit Steffen Driesen, Jens Kruppa, einem starken Rupprath und di Carli konnte in 3:37,32 Minuten als Vierte nichts reißen. "Das passt zur ganzen WM, mehr geht eigentlich nicht", stellte Kruppa fest. Den WM-Titel sicherte sich in 3:31,05 Minuten das Quartett der USA.

Schwimm-Geschichte und Weltrekorde

Schwimm-Geschichte schrieb der Australier Grant Hackett. Der 25- Jährige gewann in 14:42,58 Minuten über 1500 m Freistil als erster Schwimmer der Welt vier Mal hintereinander den WM-Titel auf einer Strecke. "Das ist großartig. Darauf habe ich hingearbeitet", sagte Hackett, "jetzt ist es vorbei, ich habe es vollendet." Mit drei Mal Gold und ein Mal Silber war er auch der erfolgreichste Einzelstarter von Montréal. US-Star Michael Phelps musste drei Niederlagen hinnehmen, doch ihm blieben zwei Einzel- und zwei Staffeltitel.

Weltrekord schwamm zum Abschluss der WM über 50 Meter Brust in 30,45 Sekunden die Australierin Jade Edmistone. Es war der neunte Weltrekord von Montréal. Der Ungar Laszlo Cseh holte sich Gold über 400 Meter Lagen in der Europa-Rekordzeit von 4:09,63 Minuten.

Richard Janssen und Dietmar Fuchs/DPA / DPA

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