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Skifahren in Saalbach-Hinterglemm: Das Anti-Ischgl

Während in Ischgl mittlerweile stinkreiche und trinkfeste Russen das Kommando auf und abseits der Pisten übernommen haben, steht in Saalbach immer noch der Skisport im Vordergrund.

Von Klaus Bellstedt

Ach wie war das schön: Wer vor zehn Jahren Winterurlaub im österreichischen Ischgl gemacht hat, der wollte eigentlich niemals woanders die kostbare Zeit im Schnee verbringen. Ein atemberaubendes weil anspruchsvolles Skigebiet, gemütliche Hüttenatmosphäre und unten im Dorf zwei, drei einschlägige Bars, die zum Aprés Ski einluden. Remmidemmi war nie Pflicht, jeder konnte, wenn er wollte. Mittlerweile hat sich vieles geändert in Ischgl. Die Pisten sind zwar immer noch unvergleichlich schön, aber Ruhe findet man nicht mehr. Vor allem nicht im Januar. Dann nämlich hat Russland Weihnachtsferien, und wer in Moskau etwas auf sich hält und das nötige Kleingeld hat, macht sich auf den Weg in die Alpen. Über 300 Charter- und Privatflugzeuge aus Russland und der Ukraine landen im Januar am Flughafen Innsbruck, allein am 2. Januar kamen in Tirol rund 30.000 russische und ukrainische Gäste an, der Großteil davon fährt per Shuttle-Bus oder Mietauto weiter nach Sölden, Mayerhofen - oder eben Ischgl. Hinzu kommt jene deutsche Klientel, die im Sommer gern am Ballermann urlaubt, für den also der systematische Alkoholmissbrauch an erster Stelle steht. Erst danach folgt das Skifahren. Zusammen ergibt das eine alptraumartige Mischung. Wohl gemerkt: Ein Alptraum für denjenigen Urlauber, der eher etwas ruhigere Skiferien verbringen möchte - und dabei trotzdem nicht vollends auf ein bisschen Gaudi abseits der Pisten verzichten will.

Wer es genau darauf absieht, der ist womöglich in den Kitzbüheler Alpen, genauer gesagt in Saalbach-Hinterglemm, besser aufgehoben. Von Deutschland aus lässt sich das Skigebiet der Superlative hervorragend über den Flughafen Salzburg erreichen, von dort geht es bequem im Shuttlebus noch etwa eine Stunde weiter. In Saalbach angekommen, spürt man sofort eine ruhige, heimelige Atmosphäre. Es ist eine Atmosphäre mit Stil. Im Dorf torkeln keine Touristen durch die Gassen, die Bässe wummern einem auch nicht aus jeder zweiten Schänke entgegen. Natürlich: Auch in Saalbach sind die Russen, es sind aber auch Holländer, Schweden, Slowenen, Australier und Deutsche da. Das ergibt eine homogene Mischung. Die Touristen sind hier, um Ski zu fahren. Der Sport steht an erster Stelle, nicht die Party. Und die Saalbacher machen es natürlich auch geschickt. "Unsere Preise für alkoholische Getränke sind im Vergleich zu Ischgl vielleicht etwas höher, aber dafür haben wir auch das angenehmere Publikum", sagt Isabella Dschulnigg, Hoteldirektorin vom "Saalbacher Hof", zu dem auch die Aprés-Ski-Bar "Castello" gehört. Das "Castello" ist überhaupt so ein gutes Beispiel dafür, wie Aprés Ski auch geht - ohne prollig zu sein. Jede Woche spielt eine andere Live-Band in der Bar, da wird dann vorzugsweise handgemachte Rockmusik zum Besten gegeben. Beim Publikum kommt das bestens an. DJ's im Ötzi-Kostüm, die am Fließband Ballermann-Fetenhits auflegen, wird es hier nie geben. Wenn die Bands Pause machen, erklingt lässige House-Musik aus den Boxen, aber genauso Lady Gaga oder die Sportfreunde Stiller. Das Anti-Ischgl-Konzept beim Aprés Ski: In Saalbach geht es voll auf.

Garantiert ohne Ballermann-Rhythmen

Was das Skigebiet betrifft, steht der Skizirkus Saalbach-Hinterglemm Ischgl in nichts nach. Und wenn, dann nur unter einem Aspekt: In Ischgl sind die Pisten insgesamt ein wenig anspruchsvoller. Oder anders ausgedrückt: Wer es immer nur steil und bucklig mag, der kommt dort etwas mehr auf seine Kosten. Aber wer will das schon? 200 Kilometer Abfahrten, 54 Lifte und Bahnen, dazu noch fast 50 Hütten und Gasthäuser am Pistenrand, das Gebiet Saalbach-Hinterglemm ist etwas für Genießer. Und: Man hat fast nie Wartezeiten vor den Liften. Das Skikarussell Saalbach-Hinterglemm läuft reibungslos. Egal wo man einsteigt oder in welcher Richtung man starten will, die Anbindungen klappen perfekt, und die Pisten sind der reinste Genuss. Auf den ideal präparierten Abfahrten braucht keiner Angst haben, etwas steiler sind lediglich die Pisten vom Zwölfer und die Schattberg-Nord. Doch die muss man nicht fahren, es gibt genügend Alternativen, so dass auch schwächere Skifahrer ohne Probleme die Talrunde schaffen. Überwiegend blaue Pisten findet man auf den südseitigen Hängen am Kohlmaiskopf, Bern- oder Reiterkogel, die vor allem bei Sonnenschein auch viele Sonnenanbeter anlocken. Obacht: Die Terrassenplätze auf den Almen sind sehr begehrt. Eine Tageskarte für das Skigebiet Saalbach-Hinterglemm kostet 42,50 Euro, damit können dann etwa 200 Pistenkilometer abgefahren werden. Der 5-Tage-Skipass liegt bei 178,10 Euro. Preise, über die man wirklich nicht meckern kann. Spät am Abend, nach einem langen Skitag, einem wohlverdienten Saunagang und einem guten österreichischen Dinner, lockt dann das erleuchtete Saalbach zu einem letzten Dorfrundgang, bevor man selig in die Betten fällt - garantiert begleitet ohne Ballermann-Rhythmen.

Und hier lässt es sich wunderbar wohnen: das Hotel Saalbacher Hof.

Eines der besten Häuser am Platze liegt mitten im Zentrum von Saalbach. Man ist schnell zu Fuß bei den drei Hauptseilbahnen, die in den Skizirkus Saalbach-Hinterglemm führen. Nach einer achtmonatigen Um- und Neubauphase hat das seit Generationen von Familie Dschulnigg geführte Vier-Sterne-Hotel am 8. Dezember 2010 wieder seine Pforten geöffnet. Durch die Verbindung des Stammhauses und des erhöht liegenden, ehemaligen Tannenhofs präsentiert sich der Saalbacher Hof fortan als eine Einheit mit acht Stockwerken. Zu den weiteren Neuerungen zählen 33 Deluxe Zimmer und Suiten, der feine Fünf-Elemente Speisesaal im ersten Stock, ein Leseraum mit Bibliothek, das urige s'Wirtshaus im Erdgeschoss und ein umgestalteter Eingangsbereich mit einer Lobby und einem großen offenen Kamin.

Natürlich kann man nach einem anstrengenden Skitag herrlich im Saalbacher Hof entspannen. Es gibt ein Felsenhallenbad mit Whirlpool, einen Wintergarten mit Ruheliegen, diverse Saunen, ein Dampfbad sowie ein Solarium. Wer lieber Aprés Ski machen möchte, ist im "Castello" bestens aufgehoben. Der Club gehört zum Hotel und liegt im Untergeschoss. Im Hotel selbst herrscht ein familiäre Atmosphäre, zu der auch das sehr freundliche und immer hilfsbereite Personal beiträgt. Die charmante Junior-Chefin Isabella Dschulnigg führt das Haus mit großer Leidenschaft - aber auch mit der nötigen Bestimmtheit. Bei der innenarchitektonischen Gestaltung legt sie immer wieder auch selber Hand an - gemeinsam mit ihrer Mutter. Als Gast erkennt man das sofort, traditionelle Elmente wechseln sich im Speisesaal beispielweise mit modernen ab. Das schenkt dem Hotel eine wohltuende Wärme.

Die Preise für ein Doppelzimmer Deluxe beginnen bei 122 Euro pro Person und Nacht inklusive Halbpension und variieren je nach Saison. Für eine Nacht in einer Suite Deluxe bezahlt der Gast 142 Euro pro Person und Nacht inklusive Halbpension. Die exklusive Turm Suite Deluxe ist ab 152 Euro pro Person und Nacht inklusive Halbpension zu buchen. Im Altbau stehen Doppelzimmer und Suiten in verschiedenen Kategorien zur Verfügung. Hier beginnen die Preise für ein Doppelzimmer Standard bei 107 Euro pro Person und Nacht inklusive Halbpension.

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