HOME

Tennis: Power Ranking - Die besten Tennis-Spielerinnen der Welt im Mai

In einer Woche beginnen die French Open - höchste Zeit für einen Formcheck. Wir freuen uns über Kerbers Leistungsexplosion, suchen Gründe für Azarenkas Abrutschen und lösen auf, wer die Neueinsteigerin im Ranking ist, die sich noch an Sharapova vorbei auf die Pole Position geschoben hat.

Die europäische Sandplatzsaison auf der WTA Tour ist in vollem Gange und hat für gewaltige Bewegung in unserem Power Ranking des Damen-Tennis gesorgt. Fünf Damen mussten sich seit unserem letzten Power Ranking im April aus den Top Ten der aktuell stärksten Spielerinnen im Welttennis verabschieden, fünf neue spielten sich in den Wochen vor dem Höhepunkt dieses Saisonteils, den French Open in Paris, in den Vordergrund.

Zeit also für einen erneuten Formcheck, um die Chancen beim zweiten Grand Slam-Turnier des Jahres besser beurteilen zu können. Um die Formkurve der Spielerinnen hier möglichst exakt zu bestimmen, setzen wir die Resultate bzw. die von der WTA vergebenen Weltranglistenpunkte in ein Verhältnis und lassen sie zu 100 (letztes), 80 (vorletztes Turnier) und 60 Prozent (drittletztes gespieltes Turnier) in unsere Berechnung einfließen. Zudem gilt: Wer in den letzten vier Wochen bei keinem Turnier aktiv war, fliegt raus.

Victoria Azarenka, die unmittelbar vor der letzten Ausgabe gerade ihre allererstes Match in dieser Saison verloren hatte, musste daher nach einigen weiteren Niederlagen, aber vor allem einer Schulterverletzung erstmals in diesem Jahr ihren fast schon in Stein gemeißelten Spitzenplatz abgeben. Thronfolgerin ist allerdings trotz zweier Turniersiege nicht Maria Sharapova, weil eine alte Bekannte, aber Newcomerin in unserem Power Ranking von Null auf Eins durchstartete, an der Russin vorbeizog und ihr sogar eine bittere Niederlage beibrachte. Doch deren Gesundheitszustand und ihre Bilanz in Roland Garros lassen fraglich erscheinen, ob sie auch in Paris Azarenka und Sharapova gefährlich werden kann

Besonders freuen wir uns aber, dass sich Angelique Kerber mit ihren konstant guten Leistungen nicht nur erstmals in die Top Ten der Weltrangliste hat spielen können, sondern kurz Roland Garros auch in unser Power Ranking zurückgekehrt ist und ihre Formkurve auf einen guten Auftritt beim zweiten Grand Slam des Jahres hoffen lässt. Darauf baut übrigens auch Titelverteidigerin Li Na, die am Wochenende für ein Ausrufezeichen sorgte, allerdings dabei vergaß, den Punkt auch extra dick zu schreiben.

10. (neu) Venus Williams (USA, 31 Jahre, Weltrangliste: 52) / Letzte drei Turniere: Rom (1/4-Finale/ 225 WTA-Punkte), Madrid (2. Runde/80), Charleston (1/4-Finale/120) / Power Ranking-Punkte: 361

Venus Williams, mittlerweile nur noch Nummer 52 in der Weltrangliste begeisterte nicht unbedingt, zeigte auf Sand aber zuletzt konstant ordentliche Leistungen und schlug in Rom immerhin die an Nummer fünf gesetzte Sam Stosur im Achtelfinale, ehe sich in der Runde der letzten Acht dann Sharapova als eine deutliche Nummer zu groß erwies. Ihre gesundheitlichen Probleme – Venus leidet am Sjögren-Syndrom, einer Autoimmunerkrankung, die u.a. Erschöpfungszustände mit sich bringt – hat sie dank einer speziellen Diät gut im Griff. Unterstützt wird sie tatkräftig von Schwetser Serena, die sich ebenfalls an Venus' Speiseplan hält. "Das wäre ja fies, sie kommt nach Hause und sieht mich Hühnchen essen und darf das selbst dann nicht", erklärte Serena gegenüber tennisearth.com.

9. (neu) Sam Stosur (AUS, 28 Jahre, Weltrangliste: 6) / Letzte drei Turniere: Rom (1/8-Finale/125), Madrid (1/4-Finale/250), Stuttgart (1/4-Finale/120) / Power Ranking-Punkte: 397

"Sand liegt mir gut", hatte Stosur Ende April gegenüber der Zeitung The Australian erklärt. Gut ja, überragend nein, das belegen auch ihre jüngsten Ergebnisse. Das bedeutet aber auch, dass Stosur trotz solider Leistungen noch ein großes Stück von der Form entfernt ist, die sie 2010 ins Finale von Roalnd Garros gebracht hatte. Den italienischen Sandfloh Sara Errani hatte sie in Rom noch gut im Griff, gegen Venus Williams bekam sie dann für einen insgesamt schwachen Auftritt mit viel zu wackeligem Aufschlag die Quittung. Coach David Taylor gab sich laut couriermail.com.au allerdings optimistisch, dass die Form wieder ansteigt.: "Sie wird sich erholen und topfit in Roland Garros antreten."

8. (7.) Petra Kvitova (CZE, 22 Jahre, Weltrangliste: 4) / Letzte drei Turniere: Rom (1/4-Finale/225), Madrid (2. Runde/80), Stuttgart (1/2-Finale/200) / Power Ranking-Punkte: 409

Halbfinale in Stuttgart und Viertelfinale in Rom lesen sich wie ein ordentlicher Arbeitsnachweis für Petra Kvitova. Der Einbruch in Madrid als Titelverteidigerin zwischendrin war zwar bitter und hemmte sie in ihrem Vorstoß weiter nach oben in der Weltrangliste, hinterließ bei ihr aber psychisch keinerlei sichtbare Spuren. In Rom startete sie relativ souverän, musste sich dann aber in der Runde der letzten Acht der Power und Kampfkraft von Angelique Kerber geschlagen geben. Das Angriffsspiel von Kvitova funktioniert eigentlich ganz gut, Verbesserungen wären aber genau wie beim Aufschlag – acht Doppelfehler gegen Anastasia Pavlyuchenkova in Rom – durchaus wünschenswert.

7. (3.) Agnieszka Radwanska (POL, 23 Jahre, Weltrangliste: 3) / Letzte drei Turniere: Rom (2. Runde/1), Madrid (1/2-Finale/450), Stuttgart (1/2-Finale/200) / Power Ranking-Punkte: 481

Auf das Halbfinale von Madrid, als sie Sand-Spezialistin Errani vom Platz fegen konnte – nach allerdings auch relativ machbarer Auslosung - folgte für die an Nummer drei gesetzte Agnieszka Radwanska das frühe Aus in Rom. Gegen die deutlich hinter ihr in der Weltrangliste platzierte Petra Cetkovska setzte es im vierten Aufeinandertreffen bereits die vierte Niederlage. Aber Sand ist trotz der insgesamt guten Ergebnisse in dieser Saison ohnehin nicht der Lieblingsbelag der Rasenspezialistin. Ihre Zeit wird noch kommen.

6. (neu) Lucie Hradecka (CZE, 27 Jahre, Weltrangliste: 60) / Letzte drei Turniere: Madrid (1/2-Finale/480), Estoril (1. Runde/1), Charleston (2. Runde/40) / Power Ranking-Punkte: 504,8

Ihr sensationeller Halbfinalvorstoß in Madrid als Qualifikantin, als sie zwei Top Ten-Spielerinnen rauswarf hat dafür gesorgt, dass die Nummer 60 der Weltrangliste in unserer Ranking hat vorstoßen können. Peng, Kvitova, Makarova und Stosur lauteten die Namen, die sie auf dem Weg dahin aus dem Turnier gekegelt hatte. "In dieser einen Woche habe ich mehr Punkte gesammelt als im ganzen Jahr bisher zusammen", strahlte sie nach dem Sieg über Stosur laut 10sballs.com. Erst das Powertennis von Serena Williams stoppte ihren wahnsinnigen Vorstoß. Bleibt abzuwarten, ob sie ein One-Hit-Wonder bleibt.

5. (neu) Angelique Kerber (GER, 24 Jahre, Weltrangliste: 10) / Letzte drei Turniere: Rom (1/2-Finale/395), Madrid (1/8-Finale/140), Stuttgart (1/4-Finale/120) / Power Ranking-Punkte: 579

Dass Kerber solch eins nicht ist, hat die Deutsche in den letzten Monaten mit bereits zwei Turniersiegen in diesem Jahr und dem Vorstoß unter die Top Ten der Welt – als erst siebte Deutsche überhaupt - eindrucksvoll bewiesen. Die nötige Konstanz für die erweiterte Weltspitze hat Kerber mittlerweile. Für den nächsten Schritt fehlen jetzt nur noch regelmäßige Siege gegen die Topstars der Szene. Zuletzt hatten sich Sharapova und Na noch als zu große Brocken erwiesen. Aber wenn sich der Formanstieg weiter fortsetzt und Angies Selbstvertrauen weiter so wächst, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, wann Kerber auch gegen die großen Kaliber regelmäßig Ausrufezeichen setzen wird.

4. (1.) Victoria Azarenka (BEL, 22 Jahre, Weltrangliste: 1) / Letzte drei Turniere: Rom (1/4-Finale/125), Madrid (Finale/700), Stuttgart (Finale/320) / Power Ranking-Punkte: 877

Beim lockeren Achtelfinalerfolg über Shahar Peer hatte man Azearenka die Schulterprobleme noch nicht angemerkt, die sie tags darauf zum kampflosen Rückzug aus Rom zwangen. Daher waren Überraschung und Verwunderung bei Außenstehenden groß. Via twitter begründete Azarenka hinterher den Rückzug und schoss gegen die WTA: "Ich bin hier nicht vollständig gesund angereist. Wenn die WTA-Regeln anders wären, hätte ich mich erst darauf konzentrieren können, fit zu werden." Aber noch einmal Null Punkte für das Fernbleiben bei einem Pflichtturnier hätte sie sich mit Blick auf das Ranking nicht erlauben können. Bei den French Open werden wir Vika aber sicher wieder in Topverfassung erleben können.  

3. (10.) Li Na (CHN, 30 Jahre, Weltrangliste: 7) / Letzte drei Turniere: Rom (Finale/620), Madrid (1/4-Finale/250), Stuttgart (1/4-Finale/120) / Power Ranking-Punkte: 892

Ganze sieben Plätze verbesserte sich Li Na in den letzten Wochen. Die Titelverteidigerin der French Open scheint von den nackten Daten her rechtzeitig zum Sandplatzhöhepunkt ihre Form wieder gefunden zu haben. Doch die reinen Ergebnisse verdecken ein großes Problem, das sie mit sich herumträgt. Na tut sich unheimlich schwer, ihre Matches zu beenden. In Viertelfinale von Rom hatte die Chinesin gegen Dominika Cibulkova schon komfortable 6:1, 5:2 geführt, gewann den zweiten Satz aber erst in einem spannenden Tiebreak. "Ich kriege die Matches einfach nicht eingetütet", bekannte sie laut AFP. Und so war es dann auch im Finale. Satzvorsprung und Matchball nutzten ihr nichts, den Sieg musste sie Sharapova überlassen.

2. (2.) Maria Sharapova (RUS, 24 Jahre, Weltrangliste: 2) / Letzte drei Turniere: Rom (Siegerin/900), Madrid (1/4-Finale/250), Stuttgart (Siegerin/470) / Power Ranking-Punkte: 1382

Für die Russin war der verteidigte Titelgewinn in Rom der zweite bei den drei letzten Turnierstarts. Trotzdem reichte es im Power Ranking nicht für den Platz ganz oben. Denn ausgerechnet das relativ frühe Scheitern gegen Angstgegnerin Serena Williams in Madrid kostete sie die nötigen Punkte. Für Sharapova war es die bereits siebte Niederlage in Folge gegen die jüngere der Williams-Schwestern. Allerdings beeindruckte Sharapova dann im Finale von Rom. Satzrückstand, Matchball gegen sich und zwei Regenunterbrechungen juckten sie wenig, sie drehte das Match trotzdem. Unbändiger Kampfgeist und die Fähigkeit, sich auf den Punkt zu konzentrieren – das ideale Rüstzeug, das man gerade auch für den Sieg bei einem Grand Slam Turnier wie den French Open braucht.

1. (neu) Serena Williams (USA, 30 Jahre, Weltrangliste: 5) / Letzte drei Turniere: Rom (1/2-Finale/395), Madrid (Siegerin/1000), Charleston (Siegerin/470) / Power Ranking-Punkte: 1477

Grün, blau oder traditionell rot - Serena Williams fühlt sich auf Sand in allen Farben sichtlich wohl, wie sie in den letzten Wochen eindrucksvoll unterstrich. Bemerkenswert war vor allem ihr Auftritt in Madrid, als sie im Viertelfinale Sharapova und im Finale auch Azarenka beide mit 6:1, 6:3 vom Court fegte. Ihr Triumphzug auf Sand wurde erst im Halbfinale von Rom gestoppt. Jedoch nicht von einer Gegnerin. "Unten im Rücken schmerzte es und wenn man nicht 100 Prozent gesund ist, ist es besser nicht zu spielen, damit es nicht schlimmer wird", begründete sie laut reuters ihren kampflosen Rückzug aus dem Turnier. Für die French Open gab sie jedoch Entwarnung. "Da werde ich wieder 100 Prozent fit sein. " Das muss sie auch, seit ihrem Sieg 2002 ist sie in Paris nie mehr über das Viertelfinale hinausgekommen.

Malte Asmus

sportal.de / sportal

Wissenscommunity