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Tour de France, 2. Etappe: Helfer ist zu schnell für den Kapitän

Den Sieg bei der zweiten Etappe der Tour de France machten im belgischen Gent die Belgier Tom Boonen und Gert Steegmans unter sich aus. Gewonnen hat jedoch der Fahrer, dessen Aufgabe eigentlich war, zu verlieren.

Gert Steegmans hat beim Belgien-Abstecher der 94. Tour de France einen bemerkenswerten Heimsieg gefeiert. Sein Erfolg im Massensprint der zweiten Etappe nach 168,5 Kilometern in Gent kam wohl mehr aus Versehen zu Stande. Steegmans ist nämlich der Anfahrer für Ex-Weltmeister Tom Boonen, der an seinem Team-Kollegen im Schlussspurt nicht mehr vorbei kam und mit Rang zwei zufrieden sein musste. Höchstens 20 Fahrer spurteten um den Sieg, weil zwei Kilometer vor dem Ziel ein böser Sturz mit mindestens 40 Fahrern das Hauptfeld zerriss. In den Sturz waren auch Fabian Cancellara und der Sprinter Robert Förster von Gerolsteiner verwickelt. Ihr Zeit- Rückstand wurde nicht gerechnet, weil die letzten vier Kilometer neutralisiert gewertet werden.

"Dieser Ausgang heute war anders geplant, aber so was passiert schon mal. Tom kam nicht mehr vorbei", kommentierte Steegmans Teamchef Patrick Lefevere den überraschenden Rennausgang. Der blitzschnelle Steegmans war im vergangenen Jahr für viel Geld vom McEwen-Team an die Seite Boonens gewechselt. "Das war kein Geschenk. Ich freue mich für Gert, der seinen ersten Tour-Etappensieg feiern konnte", sagte Boonen, der jubelte, als er den Zielstrich passierte.

Spitzenreiter verletzt sich am Arm

Unter den Leidtragenden des Unfalls auf regennasser Straße war auch der Träger des Gelben Trikots, Fabian Cancellara. Der Schweizer verletzte sich am linken Arm. Nach ersten Untersuchungen gab der CSC- Arzt aber Entwarnung. Cancellara durfte sich bei der Siegerehrung - mit Schmerzen - wieder das Trikot überstreifen und führt weiter mit 13 Sekunden vor Andreas Klöden. Auf seiner Internetseite versprach der Wahl-Schweizer, sein "Schweigegelübde" der Öffentlichkeit gegenüber bald zu brechen. In den Wochen vor der Tour gewährte Klöden nur der "Welt" ein Interview, ansonsten meidet er deutsche Medien.

Zu drängenden Doping-Fragen äußert er sich nicht, oder wie im Fall Jaksche ("durchgeknallt") nur bruchstückhaft. "Wenn er wieder mehr Vertrauen zur Presse findet, wird sich das auch normalisieren", versprach jedenfalls sein Teamchef Mario Kummer vom Rennstall Astana, der in den vergangenen Wochen durch den positiven Doping-Fall Matthias Kessler und die Ermittlungen gegen Eddy Mazzoleni erschüttert wurde.

Bei Tempo 70 ins Absperrgitter geknallt

Zu den Auslösern des Sturzes gehörte nach Aussagen von Robert Förster vermutlich Mark Cavendish vom Team T-Mobile, den am Vortag in seinem Heimatland ein Defekt kurz vor Etappenende zurückgeworfen hatte. "Bei Tempo 70 ist Cavendish in die Absperrgitter geknallt. Ich fiel über ihn und dann kamen immer mehr Fahrer geflogen", sagte der Sprinter des Teams Gerolsteiner, der am linken Arm und Bein blutete. "Mein Rad erkennt man nicht wieder", sagte Förster, dem noch ein Etappensieg bei der Tour fehlt - dann hätte er in allen drei großen Länder-Rundfahrten mit Tageserfolgen gepunktet.

23 Kilometer nach dem Start in Dünkirchen, der ersten diesjährigen Tour-Station in Frankreich, hatte sich wie am Vortag eine Spitzengruppe gebildet. Das Milram-Team hatte Marcel Sieberg geschickt, der viel dazu beitrug, dass der Abstand der drei Ausreißer größer wurde. Der Tour-Neuling aus Castrop-Rauxel konnte aber auch nicht verhindern, dass das Trio im Finale erwartungsgemäß noch gestellt wurde. Allerdings hielten sie bis 2,5 Kilometer vor dem Ziel durch. In der Verfolgung war es im Hauptfeld auf regennassen Straßen in Ost-Flandern 36 Kilometer vor dem Ziel zu Stürzen gekommen, die aber dem ersten Anschein nach glimpflich verliefen.

Werbung für angeschlagenen Rennstall

Der 25-jährige Sieberg machte wenigstens ein bisschen Reklame für seinen angeschlagenen Rennstall, bei dem die bisherige Elite Erik Zabel und Alessandro Petacchi zuletzt eher für schlechte Nachrichten stand. Niemand scheint beim in Italien lizenzierten Team oder beim Geldgeber Nordmilch in Bremen zu wissen, wie und ob es 2008 weitergeht. Zabel gestand Doping und ist wohl auch nicht mehr als WM- Teilnehmer haltbar. Petacchi riskiert eine Doping-Sperre von einem Jahr, die am 24. Juli bei der nächsten Anhörung vom Italienischen Verband ausgesprochen werden könnte, Teamchef und -Besitzer Gianluigi Stanga blieb der Tour nach massiven Jaksche-Anschuldigungen fern.

Die dritte Etappe der Frankreich-Rundfahrt führt an diesem Dienstag über 236,5 Kilometer vom belgischen Waregem nach Compiègne.

Andreas Zellmer/DPA / DPA

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