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Tour de France: Die dunklen Schatten der Vergangenheit

Nach den Doping-Skandalen der Vergangenheit lechzt die Tour de France vor dem Auftakt in Brest nach einem sauberen Radsporthelden. Doch ausgerechnet ein Favorit der 95. Ausgabe der "Großen Schleife" könnte alle Bemühungen um eine Tour ohne Doping zunichte machen.

Ein neues Tief ist für den Auftakt der 95. Tour de France in Brest über der Bretagne angekündigt, doch Tour-Direktor Christian Prudhomme sieht nach zwei Katastrophenjahren wieder Licht am Horizont für die "Große Schleife": "Wir haben alles getan, um ein sauberes Feld an den Start zu bringen." Dafür wurde sogar auf Vorjahressieger Alberto Contador verzichtet, weil dessen Astana-Team als zu dopingbelastet gilt, und auf Exweltmeister Tom Boonen (Grünes Trikot 2007) nach dessen Kokain-Affäre.

Fünf Jahre Haft bei Besitz von Doping-Mitteln

Zwei Tage vor dem Start wurden am Donnerstag die ersten Blutproben genommen, denen sich alle 180 Fahrer der 20 Teams unterziehen müssen. Sie werden im IOC-Labor Lausanne analysiert. Während der Rundfahrt soll es mehr unangemeldete Kontrollen als bislang geben. Alle Mannschaften mussten sich verpflichten, täglich zwischen 6 Uhr morgens und 21 Uhr abends in den Hotels für Dopingtests zur Verfügung zu stehen. Auch Haar- und Nagelproben können dabei genommen werden. Durch eine Gesetzesänderung in Frankreich drohen denjenigen, die mit Dopingmitteln erwischt werden, bis zu fünf Jahren Gefängnis.

Aber auch Saubermann Prudhomme kann die dunklen Schatten der Vergangenheit nicht so schnell abschütteln. Contadors Nachfolger könnte Alejandro Valverde werden, der damit als dritter Spanier in Serie (2006 Oscar Pereiro) Toursieger würde. Der 28-Jährige hat die traditionell als Generalprobe gehandelte Dauphine-Rundfahrt für sich entschieden.

Duell zwischen Valverde und Evans

Alle dubiosen Dementis konnten den Verdacht nicht entkräften, dass auch er Klient des Dopingarztes Fuentes war. Fast alle Experten rechnen mit einem Duell zwischen Valverde und Cadel Evans, der am 27. Juli als erster Australier das Gelbe Trikot auf den Champs Elysees überstreifen will. Als Zweiter 2007, von Contador um nur 23 Sekunden bezwungen, trägt der 31-Jährige diesmal die Startnummer 1. Der Ausgang des Zweikampfes gilt als offen. Beide sind starke Zeitfahrer und gute Kletterer.

Entweder fällt die Entscheidung auf der Königsetappe nach L"Alpe d"Huez (17.) oder erst beim Kampf gegen die Uhr am vorletzten Tag (20. Etappe).

Natürlich wollen mehrere Teams die Prognose über den Haufen werfen. An erster Stelle die CSC-Truppe des Dänen Bjarne Riis, der in dem Spanier Carlos Sastre (4./2007) und den Luxemburger Brüdern Frank und Andy Schleck (Tour-Debütant) wohl drei Trümpfe ausspielen kann. CSC gilt zudem als stärkste Mannschaft. Der Schweizer Fabian Cancellara, der Australier Stuart O'Grady und der Berliner Jens Voigt können das Feld glänzend kontrollieren.

Zabel hofft auf einen Coup

Während der Russe Dennis Mentschow (Vuelta-Sieger 2007) und der Italiener Damiano Cunego (Giro-Sieger 2004) zum erweiterten Favoritenkreis zählen, wäre für einen deutschen Fahrer aus dem Team Gerolsteiner (Markus Fothen, Fabian Wegmann) schon eine Top-Ten-Platzierung ein großer Erfolg. Für den Rennstall von Hans-Michael Holczer, dem mangels neuer Sponsoren das Aus droht, geht es aber wie für die meisten Teams vor allem um Tagessiege. Unter den deutschen Männern mit den schnellen Beinen hoffen Robert Förster (Gerolsteiner), der junge Gerald Ciolek (T-Mobile-Nachfolger Columbia) auf seiner ersten Tour und Routinier Erik Zabel (Milram) auf einen Coup. Für Zabel wäre es der 13. Tagessieg, der erste seit 2002. Doch auch ohne Boonen wird es gegen Robbie McEwen (Australien), Thor Hushovd (Norwegen), Daniele Bennati (Italien) oder Oscar Freire (Spanien) schwer.

ARD und ZDF bleiben voll auf Sendung

Aus Sponsorensicht fast noch attraktiver sind Erfolge - oder Dramen - nach spektakulären Ausreißmanövern. Hier könnte wieder die Stunde eines Jens Voigt schlagen. Kaum ein anderes Ereignis verspricht soviel Bildschirmpräsenz.

Auch ARD und ZDF sind nach dem vorübergehenden Ausstieg 2007 in diesem Jahr wieder voll auf Sendung. Die EBU verlängerte soeben den Fernsehvertrag mit Tour-Veranstalter ASO um drei Jahre bis 2011. Prudhomme sieht sich bestätigt: "Wir sind auf dem richtigen Weg, das wird bei unseren Partnern anerkannt."

SID / SID

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