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Tour de France: Wenn ein Etappensieg zur Nebensache wird

Lance Armstrong ist seinem siebten Toursieg bei der letzten Beregtappe ein großes Stück näher gerückt. Seelenruhig konnte der Mann in Gelb den Tagessieger Oscar Pereiro gewähren lassen - auch die T-Mobile-Nadelstiche wehrte er ab.

Lance Armstrong trennen noch 782 Kilometer von einem Rekord, der nahezu ewigen Bestand haben könnte. Der Magier aus Texas kam auf dem Weg zu seinem siebten Tour-Erfolg in Serie auch auf der 16. Etappe über 180,5 Kilometer von Mourenx nach Pau am Fuß der Pyrenäen nicht aus dem Tritt. Die Abstände an der Spitze des Gesamtklassements änderten sich am Dienstag nicht. Weder der direkte Armstrong-Verfolger Ivan Basso konnte Boden gut machen zum Mann in Gelb, noch Jan Ullrich auf Rang vier den Abstand zum Dritten, Mickael Rasmussen aus Dänemark, verringern.

Den Tagessieg sicherte sich der Spanier Oscar Pereiro, der den Spurt einer vierköpfigen Ausreißergruppe gewann. Lange stand das Rennen im Zeichen des Australiers Cadel Evans, der wie Rasmussen aus dem Mountainbike-Lager stammt. Der Australier, beim Giro 2002 schon ein Mal Gesamtführender und im vorigen Jahr bei T-Mobile ausgemustert, scheiterte als Solo-Ausreißer. Als Tagesvierter entriss er Andreas Klöden Platz zehn und Alexander Winokurow Platz acht im Gesamtklassement.

Jörg Ludewig müht sich umsonst

Im Vorjahr hatte T-Mobile auf seine Tour-Nominierung verzichtet, weil Evans angeblich Schwierigkeiten hat, sich im Wirrwarr eines großen Fahrerfeldes zurecht zu finden. Der Australier belegt jetzt im Gesamtklassement Rang sieben. Für einen positiven Aspekt aus deutscher Sicht sorgte Jörg Ludewig vom italienischen Team Domina Vacanze. Der Profi aus Steinhagen mühte sich lange in einer Ausreißergruppe und belegte in Pau Platz sieben vor der von Armstrong geführten, 31-köpfigen Verfolgergruppe mit allen Favoriten.

Beim Anstieg auf den Aubisque, neben dem Zeitfahren und der Etappe durch das Zentralmassiv die letzte großen Schwierigkeit der 92. Tour de France, hatte T-Mobile noch ein Mal versucht, Armstrong aus dem Takt zu bringen. Erst attackierte Winokurow, dann Klöden. Doch Armstrong konterte lässig. "Ich fühlte mich heute super, alles lief gut, mein Team ist weiter sehr stark. Ich glaube, ich kann die Tour zum siebten Mal gewinnen - oder besser: Ich hoffe es", sagte der Titelverteidiger. "Lance und sein Team wirkten souverän, auch Rasmussen war stark. Wir haben heute noch mal alles versucht. Die hohen Berge sind vorbei. Jetzt kommt das Zeitfahren - ich versuche es weiter", erklärte Ullrich.

Am Cold d'Aubisque

Beim Anstieg zum Aubisque 85 Kilometer vor dem Ziel griff Winokurow an und machte sich auf die Verfolgung zweier Spitzengruppen. Armstrong machte zunächst keine Anstalten zu folgen. Auf Rang acht des Gesamtklassements mit 9:38 Minuten Rückstand stellte der Kasache, der den Wunschtraum vom Gelben Trikot auf der Alpenetappe nach Courchevel ausgeträumt hatte, keine Gefahr dar. Der Etappensieger von Briancon wurde bald von einer Gruppe mit Armstrong, Ullrich, Basso und Rasmussen gestellt. Der 1709 Meter hohe Aubisque war der letzte Berg der höchsten Kategorie, der bei dieser Tour zu bezwingen war.

Einen ungewöhnlichen Auftritt hatte Winokurows Landsmann Andrej Kaschechkin. Als er von einem Zuschauer am Straßenrand - wahrscheinlich ohne Absicht - mit einem Schlag ins Gesicht getroffen wurde, stoppte er sofort. Er fuhr entgegen der Fahrtrichtung zum Begleitwagen des Tour-Arztes und ließ sich an einer Nasenverletzung behandeln.

Andreas Zellmer/DPA / DPA

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