Turn-WM Ein lachendes und ein weinendes Auge


Bei der Turn-WM im dänischen Aarhus gehen die deutschen Turner um ihren Star Fabian Hambüchen durch ein Wechselbad der Gefühle. Stürze am Balken und am Reck ließen vorzeitig Träume platzen - doch es gab auch etwas zu feiern.

Der Hoffnungsträger der Männerriege, Fabian Hambüchen, ging am Reck zwar kein volles Risiko ein, kassierte aber dennoch eine bittere Niederlage. Wie bei der EM in Volos bekam er beim Kolman-Salto die Reckstange nicht zu fassen und landete hart auf dem Boden. Aus der Traum von einer Medaille in der Königsdisziplin. Dabei hatte selbst der ehemalige Weltmeister Eberhard Gienger dem 18-jährigen Gymnasiasten so einiges zugetraut.

Dennoch nahm Hambüchen es gelassen - immerhin konnte die Männerriege sich für das Mannschaftsfinale qualifizieren, bei dem der junge Turner in gleich fünf Disziplinen an den Start gehen wird. Bis auf das Seitpferd wird sich der Mehrkampf-Fünfte der Qualifikation somit an allen Geräten vorstellen.

Trotz Hambüchens Sturz konnten die Männer überzeugen

Alle sechs WM-Turner, die in der Qualifikation Platz sechs erreichten, werden von Cheftrainer Hirsch am Dienstag eingesetzt. Thomas Andergassen turnt am Seitpferd, den Ringen und am Barren. Gleichfalls drei Mal gehen die Cottbusser Philipp Boy (Sprung, Reck, Boden) und Robert Juckel (Pferd, Ringe, Reck) an die Geräte. Zu je zwei Einsätzen kommen Eugen Spiridonov (Pferd und Boden) sowie Marcel Nguyen (Sprung und Barren).

Von einem Mannschaftsfinale können die deutschen Frauen nur noch träumen. Nachdem mit Katja Abel und Jenny Brunner zwei der Stützen des Teams wegen Verletzungen ausgefallen waren, konnten die restlichen Teammitglieder nicht mehr viel reißen. Gleich sechs Mal musste Trainerin Ulla Koch ihre Schützlinge vom Balken stürzen sehen. Vor allem die WM-Achte und deutsche Mehrkampf-Meisterin Daria Bijak war nach riesigem Trainingsrückstand wegen einer Knie-Operation im Juli und zwei Fußverletzungen vor der WM nur ein Schatten ihrer selbst. "Ich kann nicht immer perfekt sein", meinte sie mit einem Lächeln, das aber nur ihre Tränen unterdrücken sollte.

Frauen werden von "neudeutscher" Turnerin aufgefangen

Einzig die erst vor zehn Tagen eingebürgerte Usbekin Oksana Tschussowitina konnte sich auf dem Balken halten. Mit ihrem Einzug ins Sprungfinale hat die 31-jährige außerdem bewiesen, dass sie noch längst nicht zum alten Eisen gehört. Im Gegenteil. Durch ihre Erfahrung und Routine strahlt sie eine Ruhe aus, die auch den anderen Teammitgliedern zugute kommt. Dementsprechend wurde sie für ihren Finalplatz beglückwünscht. Sie ist seit zwäölf Jahren die erste deutsche Teilnehmerin, die es in ein Gerätefinale geschafft hat. Bereits 2003 hatte "Tschusso", wie ihre Teamkolleginnen sie nennen, am Sprung die Goldmedaille erturnt, 2005 war ihr der zweite Platz sicher.

Die USA ziehen mit einem Endstand von 243,325 Punkten als beste Mannschaft ins Finale ein, gefolgt von China (239,525 Punkte) und der Ukraine (235,025 Punkte). Die deutsche Damenmannschaft verpasste das Finale mit einer Punktzahl von 222,125 deutlich. Auch beim Mehrkampf der Frauen zeigten die Amerikanerinnen, dass sie zur Weltelite gehören. Chellsie Memmel erreichte mit sehr guten 61,350 Punkten Platz eins in der Qualifikation. Vanessa Ferrarie aus Italien und Jana Bieger, ebenfalls aus den USA, folgten mit jeweils 61,100 und 60,625 Punkten.

mb/dpa DPA

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