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VIERSCHANZEN-TOURNEE: Hattrick vom Flugsaurier

Nach den beiden Siegen hat Sven Hannawald auch das dritte Springen in Innsbruck gewonnen. Sowohl im ersten, als auch im zweiten Sprung deklassierte er die Konkurrenz.

Den Experten und Kommentatoren gehen langsam die Superlative aus. Nach seinen ersten beiden Siegen in Garmisch-Partenkirchen und Oberstdorf hat Sven Hannawald auch das dritte Tourneespringen in Innsbruck gewonnen. Sowohl im ersten, als auch im zweiten Sprung deklassierte der Hinterzartener die Konkurrenz um acht, beziehungsweise fünf Meter. Schon scheint selbst der »Grand Slam«, alle vier Springen der Tournee zu gewinnen, für »Hanni« in greifbarer Nähe. Er wäre der erste Skispringer, dem dieses Kunststück gelingen würde.

»Voll der Flugsaurier«

Für Ex-Skispringer Dieter Thoma hat nach diesem Springen der »Ski-Adler« Hannawald ausgedient. Für den ehemaligen Tournee-Gewinner Thoma ist »Hanni« ab sofort nur noch »voll der Flugsaurier«.

24,5 Meter Vorsprung

Der Skiflug-Weltmeister von 2000 dominierte den Wettbewerb auf der neuen Bergisel-Schanze in Innsbruck und geht mit einem Vorsprung von 42,9 Punkten - dies sind 24,5 Meter - auf Weltcup-Spitzenreiter und Vorjahressieger Adam Malysz aus Polen in das Finale am Sonntag.

»Eine richtig geile Bombe. Das ist sensationell. Jetzt fahre ich voller Euphorie nach Bischofshofen«, jubelte Hannawald nach den jeweils weitesten Sprüngen von 134,5 und 128 Meter.

Erfolgsgeheimnis

Nachdem Hannawald den Hattrick perfekt gemacht hatte, schlug er die Hände fassungslos vor das Gesicht und blieb jubelnd im Schnee liegen. »Die fantastische Kulisse hat mich zusätzlich nervös gemacht. Aber ich bin hochkonzentriert geblieben«, freute sich der Schwarzwälder, der aus dem Wundern nicht heraus kam: »Ich habe keine Ahnung, was ich anders mache.«

Vier Siege in Folge?

Bundestrainer Reinhard Heß geriet ob der Vorstellung des Tournee-Spitzenreiters schier aus dem Häuschen und führte einen ausgelassenen Jubel-Tanz auf. »Ich bleibe Realist und versuche, nicht zu träumen. Vier Siege sind ein Novum. Wünschen würde ich es ihm natürlich. Wenn man einen Lauf hat, dann ist es im Bereich des Möglichen«, meinte der Suhler.

Landen wie ein Flugzeug

In der 50-jährigen Tournee-Geschichte sind zuvor sieben Springer mit drei Siegen im Gepäck zur letzten Station nach Bischofshofen gereist. Doch die magische Rekordmarke konnte bislang keiner knacken. Nach seinem erneut überzeugenden Auftritt scheint Hannawald wohl nur noch an den eigenen Nerven scheitern zu können. »Ich halte in Bischofshofen den Schanzenrekord, die Anlage liegt mir.« Sportlich ist er der Konkurrenz derzeit um Meilen voraus. »Die Kraft ist da, die Konzentration auch«, erklärte Hannawald, der eine um 0,5 m höhere Flugbahn als Malysz hatte. »Ich war heute aggressiver als im Training und konnte landen wie ein Flugzeug«, freute er sich.

Andere Liga

»Er springt in einer eigenen Liga«, meinte nicht nur Martin Schmitt anerkennend. Der viermalige Weltmeister aus Furtwangen setzte seinen Aufwärtstrend mit Platz fünf fort. Vor ihm lagen Malysz (247,0), der Österreicher Martin Höllwarth (244,1) und der Finne Matti Hautamäki (240,5).

Besonnene Jury

Mit dem weitesten Tournee-Sprung aller Zeiten hatte Hannawald im ersten Durchgang erneut seine Extra-Klasse unter Beweis gestellt. Erst nach 134,5 m - zugleich neuer Schanzenrekord - berührten seine Bretter wieder festen Boden. Beide Fäuste gen Himmel gereckt feierte er seinen Super-Sprung, mit dem er den Grundstein für seinen Erfolg legte. »Ich habe mich richtig reingelegt in den Sprung und bin zum ersten Mal richtig gut gelandet. Das war Genuss pur«, beschrieb Hannawald seine Gefühle. Heß lobte: »Da bleibt einem fast das Herz stehen, wenn man sieht, wie der fliegt.« Der Thüringer bedankte sich danach bei der Jury, die den Anlauf im zweiten Durchgang verkürzte.

Schlafentzug

Vor dem dritten Wettbewerb der Tournee war Hannawald so unruhig wie lange nicht gewesen. »Mir ist beim Frühstück aufgefallen, dass er etwas nervöser war als die Tage zuvor«, beschrieb Heß seine Eindrücke. Und der unter Schlafdefiziten leidendende Hannawald gab zu: »Die letzte Nacht war wieder genauso beschissen wie die anderen auch. Lange mache ich das nicht mehr mit.«

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