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Vor der EM: "Keine Panik"

Personell gebeutelt, sportlich verunsichert: Ohne Stefan Kretzschmar und Frank von Behren sowie nach drei Niederlagen in sechs Spielen sind die deutschen Handballer bei der EM in Slowenien eher Geheimfavorit als Medaillenanwärter.

Personell gebeutelt, sportlich verunsichert: Ohne Stefan Kretzschmar und Frank von Behren sowie nach drei Niederlagen in sechs Spielen sind die deutschen Handballer bei der am Donnerstag beginnenden Europameisterschaft eher Geheimfavorit als Medaillenanwärter. Daran ändert auch der eindrucksvolle 29:20 (15:9)-Erfolg am Sonntag in Dortmund gegen Olympiasieger Russland nichts. "Die Erfahrung lautet, dass wir nichts in Panik machen werden, sondern in Ruhe. Und dann werden wir sehen, wo wir stehen. Die Mannschaft steht sicher nicht da, wo sie von vielen hingestellt wird", erklärte Bundestrainer Brand.

Vor 8100 Zuschauern in der Westfalenhalle feierte der WM-Zweite den zweiten Sieg im dritten Vergleich mit Russland binnen sieben Tagen. Außer gegen die Russen hatte die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) im EM-Vorfeld ausgerechnet gegen die Vorrundengegner Frankreich und Serbien und Montenegro verloren. Bester deutscher Werfer in Dortmund war der Lemgoer Florian Kehrmann (7).

Kretzschmar und von Behren fallen aus

Nur einen Tag nach der Absage des Magdeburger Linksaußen Stefan Kretzschmar erklärte überraschend Frank von Behren seinen EM-Verzicht. Während Kretzschmar durch eine Leistenoperation zum Aussetzen gezwungen ist, begründete der Gummersbacher seinen Verzicht mit fehlender Spielpraxis in der Vorbereitung. Er habe gemerkt, dass er nach seinem überstandenen Kreuzbandriss in der Auswahl noch nicht wieder die Rolle spiele, die er sich vorstellt, ließ der frühere Nationalmannschaftskapitän über den DHB mitteilen.

"Spielfreude" beim 29:20-Sieg gegen Russland

Trotz der Ausfälle präsentierte sich die deutsche Mannschaft in Dortmund weitaus mobiler und unbeschwerter als zwei Tage zuvor bei der 25:27-Niederlage in Hannover. Dort hatte der Bundestrainer "Sicherheit und Spielfreude" bei seinen Akteuren vermisst. Außerdem bemängelte er, dass es den Spielern an Bissigkeit gefehlt habe. "Wir waren nicht beweglich genug. Aber es ist keiner so müde, dass man es direkt merkt. Ich gehe davon aus, dass es von Tag zu Tag besser wird", meinte Brand.

Gegen den Olympiasieger baute der EM- und WM-Zweite in Dortmund seinen Vorsprung von 2:0 (2.) über 13:8 (27.) und 17:9 (34.) auf 22:12 (42.) aus. Vor allem Torhüter Henning Fritz hatte mit tollen Paraden daran großen Anteil. Zudem entwickelte der Rückraum mehr Durchschlagkraft und Druck auf die russische Abwehr.

Der freiwillige Rückzug von Frank von Behren hat dem Bundestrainer die Entscheidung über seinen EM-Kader erleichtert, weil er so aus dem 16-köpfigen Aufgebot von Dortmund keinen Spieler streichen musste. Glücklich aber war der Weltmeister von 1978 über die unerwartete Absage nicht. Denn noch in Hannover hatte er dem 112-maligen Auswahlspieler attestiert: "Frank von Behren hat sich in der Abwehr gut bewegt."

Kretzschmar: Risiko zu hoch

Bei Stefan Kretzschmar hatte sich der Ausfall angekündigt. Wenn die deutsche Mannschaft am Donnerstag ihr EM-Auftaktspiel in der Vorrundengruppe D in Koper gegen Serbien und Montenegro bestreitet, schwitzt der Handball-Star beim Rehabilitationstraining in Magdeburg. "Es tut nichts weh. Aber ich bin eben noch nicht fit, kann es auch bis Donnerstag nicht mehr werden. Die Gefahr, dass die Narbe wieder aufbricht, ist einfach zu groß", sagte Kretzschmar, bei dem am 6. Januar eine Fettgeschwulst aus der Leiste entfernt worden war.

Martin Kloth, DPA / DPA

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