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WM-Pleite gegen Ungarn: Deutsche Handballer erleben "Enttäuschung pur"

Die Zuversicht war groß nach dem Sieg gegen Island: Mit Tempo- und Spaß-Handball wollten die Deutschen auch die zweite Partie der WM-Hauptrunde gewinnen. Stattdessen kassierten sie gegen Ungarn eine Niederlage und müssen nun sogar um die Teilnahme an den Olympischen Spielen bangen.

Die deutschen Handballer haben auf dem Weg zur angestrebten Olympia-Qualifikation einen herben Rückschlag erlitten. Mit seiner schlechtesten Torwurf-Quote des WM-Turniers verlor der Weltmeister von 2007 am Montag vor 2500 Zuschauern in Jönköping sein zweites Spiel der Hauptrunde gegen Ungarn mit 25:27 (12:10). Durch die insgesamt dritte Niederlage im siebten Spiel ist zudem der Traum vom Halbfinale endgültig geplatzt. Beim letzten Hauptrundenauftritt am Dienstag (16.15 Uhr) gegen Norwegen steht die deutsche Mannschaft nun mit dem Rücken zur Wand, und muss gewinnen, um noch ein Qualifikations-Turnier für die Olympischen Spiele 2012 erreichen zu können.

Dabei war die Zuversicht nach dem Sieg gegen den Olympia-Zweiten Island noch so groß gewesen. "Es schmerzt irgendwo, weil wir uns eine gute Situation durch das Island-Spiel erarbeitet hatten", sagte Bundestrainer Heiner Brand. Torhüter Johannes Bitter, noch einer der besseren in der DHB-Auswahl, klagte: "Wir waren vorne zu ineffektiv. Ich verstehe es überhaupt nicht. Wir waren gegen Island so gut und spielen jetzt wieder so eine Scheiße." Und Spielmacher Michael Kraus stellte ernüchtert fest: "Das ist Enttäuschung pur."

"Deutschland ist der Favorit in diesem Spiel"

Die Ungarn hatten zur zweiten Hauptrundenpartie Rückraumspieler Carlos Perez nachnominiert. Der gebürtige Kubaner war bislang noch nicht zum Einsatz gekommen, weil dessen Club MKB Veszprem mit Ungarns Verband eine Abmachung getroffen hat, nach der der 39-Jährige maximal vier WM-Spiel bestreiten darf.

Ungarns Trainer Lajos Mocsai hatte der DHB-Auswahl die Favoritenrolle zugesprochen. "Die deutsche ist eine gute Mannschaft. Wir versuchen ein gutes Spiel zu liefern. Aber Deutschland ist der Favorit in diesem Spiel", meinte der frühere Bundesligatrainer des TBV Lemgo und des TuS N-Lübbecke.

Zu viele technische Fehler und schwache Würfe

Zunächst aber war von Souveränität im deutschen Spiel wie gegen Island nicht viel zu sehen. Gleich reihenweise vergaben Kapitän Hens und seine Mannschaftskameraden selbst beste Torchancen. Die Ungarn konterten und die Deutschen liefen einem 1:4-Rückstand (7.) hinterher. Nach einer Auszeit aber kam das DHB-Team konzentrierter aufs Parkett zurück und drehte die Partie mit sechs Treffern hintereinander zum 7:4 (13.).

Allerdings leistete sich der Weltmeister von 2007 im Angriff weiterhin zu viele technische Fehler und schwache Würfe, so dass Ungarn trotz des starken Torhüters Johannes Bitter zum 8:8 (23.) ausgleichen konnte. Im Anschluss sorgte Lars Kaufmann, mit insgesamt fünf Treffern erfolgreichster Deutscher, mit zwei erfolgreichen Abschlüssen wieder für eine Zwei-Tore-Führung, die das DHB-Team bis zum 12:10-Pausenstand verteidigte.

Von Spaß-Handball nichts zu sehen

Auch im zweiten Durchgang wurde es nicht besser. Ein ums andere Mal verwarfen die deutschen Spieler selbst beste Möglichkeiten. Beim 14:14 (39.) war der Vorsprung wieder aufgebraucht und beim 17:19 (45.) verspielt. Vom angekündigten Tempo- und Spaß-Handball war weiterhin nichts zu sehen. Über den Kampf fand die Mannschaft zwar wieder ins Spiel zurück, aber nicht mehr zum Sieg.

Vor der DHB-Partie hatte Spanien als erste Mannschaft der deutschen Gruppe durch einen 32:24 (20:10)-Sieg gegen Island das Halbfinale erreicht. Mit sieben Punkten ist der Weltmeister von 2005 nicht mehr von einem der ersten beiden Plätze zu verdrängen.

mad/DPA / DPA

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