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Superbowl: Gut gegen Böse - auch beim Football ging es gegen Trump

Die New England Patriots haben nach einer historischen Aufholjagd den Superbowl gewonnen. Aber Sport war an dem Abend in Houston nur Nebensache.

Tom Brady

Am Ende war Tom Brady der jubelnde Sieger

In den USA ist nichts mehr unpolitisch. Auch nicht der Superbowl, das große Saison-Finale der Football-Liga am Sonntag in Houston. Da standen sich die New England Patriots und die Atlanta Falcons gegenüber. Aber schon in den Tagen davor war klar, dass es diesmal nicht nur um Sport geht. Wie auch? Zu sehr ringt das ganze Land derzeit mit den Entscheidungen und Anordnungen von Präsident Donald Trump. Viele verdammen ihn, aber ebenso lieben ihn viele dafür.

Statt um Pässe und Touchdowns ging es also auf dem Rasen diesmal auch um Trump und seinen Kampf gegen das andere Amerika. Das Amerika, das von sich denkt, das bessere zu sein. Genauso wie am Wahltag im November 2016. Vor allem weil Tom Brady, der Star-Quarterback der New England Patriots, glühender Trump-Verehrer und enger Freund ist. So wie auch sein Trainer Bill Belichick und New-England-Patriots-Besitzer Robert Kraft. Schon im Sommer 2015 hatte sich der Sport-Millionär Brady provokant mit einer "Make America Great Again" Mütze im Schrank fotografieren lassen. Trump hatte Brady im Gegenzug einen "guten Freund" genannt.

Eine Protestnote nach der anderen

Brady wurde seitdem von vielen attackiert, weil er sich weigerte, sich kritisch über Trumps auf Rassismus und Hass basierende Politik zu äußern. Vor allem auch da er mit dem brasilianischen Supermodel Gisele Bündchen verheiratet ist. Gerade jetzt, nach 14 Tagen mit Präsident Trump, sind die USA ein höchst verunsichertes Land, viele haben Angst – und sorgen sich um die Werte, die die Vereinigten Staaten groß gemacht haben. Aber Brady schwieg einfach nur.

In diesen Zeiten und dieser Stimmung war der 51. Superbowl längst nicht einfach nur ein Football-Spiel. Das zog sich dann durch den ganzen Abend. Ein politisches Statement und eine Protestnote reihte sich an die nächste. Es begann damit, dass drei Sängerinnen des Musicals Hamilton bei ihrem Auftritt das Lied "America the beautiful" um das Wort "Sisterhood", Schwesternschaft, verlängerten. Die Werbepausen waren gefüllt mit Filmchen, die immer wieder die Vielfalt der USA und ihrer Bewohner betonten. Der Werbespot für Coca Cola war in mehreren Sprachen gesprochen. Eine Frau mit Hijab lächelte für den Softdrink, zwei Frauen küssten sich. Der Wohnungsvermieter Airbnb reihte Gesichter verschiedener Hautfarben aneinander. Der Slogan "We accept" wurde danach millionenfach auf Twitter geteilt. Der Reiseveranstalter Expedia plädierte für Offenheit, ebenso wie Google. Der Bierhersteller Budweiser erzählte die Geschichte eines seiner Firmengründer – einem Einwanderer aus Deutschland.

Den spektakulärsten Film des Abends lieferte die Baumaterialfirma Journey 84. In emotionalen Bildern erzählte sie die Geschichte eines kleinen mexikanischen Mädchens und seiner Mutter, die auf einer tagelangen Flucht sind. Das Ende gab es aber nur im Internet zu sehen. Dem Fernsehsender Fox Sport war es zu provokant. Das Mädchen erreicht darin mit seiner Mutter irgendwann eine gigantische Mauer. Eben genau die, die Trump bauen will. Auf der Flucht hat das Mädchen aus Stofffetzen eine amerikanische Flagge genäht, die sie nun in der Hand hält. Dann das Happy End: In der Mauer ist eine riesige Tür eingebaut. Mit den Worten "Der Wille zum Erfolg ist hier immer willkommen" schließt der Spot.

Trump-Fans rufen zum Boykott auf

Keine Überraschung war es, dass nur Augenblicke nachdem die Werbefilmchen über den Sender gegangen waren, Trump-Anhänger via Facebook und Twitter zum Boykott der Firmen aufriefen. Der typische Trump-Fan neigt dazu, die zu verdammen, die den neuen Präsidenten kritisieren. Toleranz ist in den USA längst kein hohes Gut mehr. So wird es langsam eine sehr einsame Welt für die Trumpisten. Keine Softdrinks mehr, Starbucks ist auch längst in Ungnade gefallen. Mit Turkish Airlines soll niemand mehr fliegen, weil die werben damit, dass es Spaß machen kann, Vielfalt und Unterschiede zu entdecken. McDonald's ist ebenso böse. Und sogar Ford, der Hersteller des F150 Pick-Ups, eines unter Trump Anhängern extrem beliebten Autos , gerät für seine Werbung für umweltfreundliche Autos in die Kritik. Denn, wie schrieb Trump auf Twitter: "Der Klimawandel ist eine Erfindung der Chinesen". Und was er sagt, ist vielen Gesetz.

So wurde der Abend zu einem ständigen Ringen. Das gute Amerika versuchte, die Trump-Welt aufzurütteln. Immer und immer wieder. Auch die legendäre Pausenshow war davon geprägt. Das Superstar Lady Gaga die aktuelle politische Situation nicht unkommentiert lassen würde, war klar. Die Frage war nur, wie wird sie sich äußern? Sie tat es gewohnt spektakulär. Auf dem Dach des Stadions stehend, sang sie den Protestsong: "This Land is your land" von Woodie Guthrie. Und endete mit den Worten: "Freiheit und Gerechtigkeit für alle."

Ja, Football gespielt wurde auch. Ziemlich spektakulär sogar. Lange führten die Atlanta Falcons und sogar mit sehr großem Abstand. Dann glichen die New England Patriots mit einem dramatischen Schlussspurt aus. In der Verlängerung gelang Tom Brady schließlich der geniale Wurf zum Touchdown und Sieg. Auch das erinnerte verdammt an das Duell Hillary Clinton gegen Donald Trump. Erst führte die Demokratin, kurz vor Schluss sogar mit großem Abstand. Am Ende gewann trotzdem Donald Trump. Der twitterte kurz nach dem Schlusspfiff in Houston jedenfalls: "Was für ein wunderbares Comeback und welch ein Sieg. Tom Brady, Bob Kraft und Trainer B. sind absolute Gewinner. Wow."

Ja, so tickt Amerika derzeit.

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