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Pandemie: Wachstum im ersten Quartal - Schwedens Wirtschaft kommt besser durch die Krise

Schweden setzt auf Eigenverantwortung und verzichtet auf rigide Maßnahmen, die die Bürger bevormunden und die Wirtschaft strangulieren. Neue Zahlen zeigen: Im ersten Quartal ist Schwedens Wirtschaft sogar gewachsen, während sie woanders abgestürzt ist.

In Schweden soll nun eine unabhängige Kommission die Corona-Politik überprüfen.

In Schweden soll nun eine unabhängige Kommission die Corona-Politik überprüfen.

AFP

Schwedens Weg durch die Pandemie ist umstritten. Die Regierung dort setzt auf Selbstverantwortung und Rücksicht der Bürger und hat nur einen sehr sanften Lockdown verhängt. Während in anderen europäischen Staaten die Bürger zu Hausarrest verdonnert wurden, waren die Cafés in Stockholm besucht wie immer. Vor allem aber wurde die Wirtschaft nicht heruntergefahren.

Hochrechnungen aus anderen Ländern prophezeiten zunächst apokalyptische Zustände. Dazu ist es nicht gekommen. In Schweden gab es trotz Sonderweg keine explodierende Verlaufskurve der Pandemie – aber doch mehr Tote bezogen auf die Einwohnerzahl als in den skandinavischen Nachbarstaaten. Schweden hat derzeit etwa 410 Todesfälle auf eine Million Einwohner zu beklagen, Dänemark nur 100. Länder wie Frankreich, Spanien und Italien weisen allerdings deutlich höhere Werte auf als Schweden. Die Negativliste in der Europäischen Union führt Belgien einsam an, dort sind es 808 Tote auf eine Million Einwohner. Über die Krise in den USA wird viel berichtet, mit 310 Toten je eine Million Einwohner belegen die USA international allerdings nur einen unauffälligen Mittelplatz.

Wachstum im ersten Quartal in Schweden

Schweden wird vermutlich ganz anders als die anderen EU-Staaten aus der Krise hervorgehen. Am Freitag wurden in Stockholm die Wirtschaftsdaten für das erste Quartal 2020 bekannt gegeben. Während andere Staaten ein starkes Minus verbuchen mussten, erreichte Schweden noch ein minimales Wachstum von 0,1 Prozent.

Der Wert für Deutschland beträgt minus 2,3 Prozent zum Vorjahresquartal. Der Absturz wurde allein durch den Monat März verursacht, für das zweite Quartal wird ein deutlich stärkerer Rückgang erwartet. So rosig wie in den ersten drei Monaten des Jahres 2020 wird Schweden nicht durch die ganze Krise kommen. Die schwedische Regierung fürchtet, dass die Wirtschaft für das gesamte Jahr 2020 wahrscheinlich den schlimmsten Rückgang seit dem Zweiten Weltkrieg erleiden wird.

Dennoch: Auch Schweden rechnet mit einer Rezession

Allerdings sind die Zahlen für das erste Quartal ein deutliches Zeichen, dass die schwedischen Maßnahmen den Einfluss der Pandemie auf die Wirtschaft deutlich mildern werden. Auch das skandinavische Land wird in eine Rezession abrutschen, schätzt man in Stockholm. Vermutlich wird der Einbruch aber deutlich moderater ausfallen als andernorts.

Der schwedischer Arzt Dr. Lars Falk berichtet aus einer Intensivstation in Stockholm.

In den Zeiten einer global vernetzten Welt leidet auch die Wirtschaft Schwedens unter den Störungen im Warenverkehr und dem Wegbrechen ganzer Märkte. Aber anders als etwa in Deutschland stehen nicht ganze Branchen vor dem Problem, in mehreren Monaten praktisch keinen Umsatz zu machen, da Konsum im schwedischen Binnenmarkt weiterhin möglich ist.

Sonderweg nicht wegen der Wirtschaft

Die Gründe für die relativ hohen Opferzahlen sind ebenfalls umstritten. In Schweden selbst nimmt man an, man habe die Gefahr in Alten- und Pflegeeinrichtungen zunächst unterschätzt. In anderen Staaten hält man den schwedischen Weg insgesamt für gefährlich. Der führende Epidemiologe des Landes, Anders Tegnell, hat Unterstellungen stets zurückgewiesen, dass der schwedische Weg auf die Wirtschaft ausgerichtet sei. Er sagt, das schwedische Modell sei auf die Bewältigung einer langfristigen Gesundheitskrise ausgelegt. Strikte Abriegelungen seien nicht nachhaltig, wenn man ein Virus bekämpft, das noch jahrelang vorhanden sein wird

Quelle: Bloomberg

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