Autohersteller Rückrufaktionen nehmen zu


Immer öfter werden Autos wegen Sicherheitsmängeln wieder in die Werkstätten gerufen. Gründe sind nicht mangelnde Qualität, sondern dass mehr auf Details geachtet wird - und auf die geänderte Produkthaftung.

Immer häufiger werden Autos in Deutschland wegen Sicherheitsmängeln in die Werkstätten gerufen. Das geht aus dem Jahresbericht des Kraftfahrtbundesamtes hervor, den das Bundesverkehrsministerium am Montag in Berlin bestätigte. Die Entwicklung bedeute aber nicht, dass die Autos unsicherer würden, sondern, dass stärker auf jedes Detail geachtet werde. "Wir sehen darin keine Gefahr sondern die Gründlichkeit der Arbeit", sagte ein Sprecher. Ähnlich äußerte sich ein Automarkt-Experte in Bochum. Die Tageszeitung "Die Welt" hatte über die Entwicklung berichtet.

2003 Zunahme von 13 Prozent

Laut dem Bericht, der nach Worten des Ministeriumssprechers schon seit längerem auf den Internetseiten des Kraftfahrtbundesamtes verfügbar ist, hat die Zahl der Rückrufaktionen in Deutschland 2003 den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung erreicht. Insgesamt habe es im vergangenen Jahr 144 Rückrufaktionen gegeben - ein Plus von 13 Prozent gegenüber 2002. Von den Aktionen seien 2003 insgesamt 939.884 Fahrzeuge und Halter betroffen gewesen.

Häufigste Gründe für die Rückrufaktionen waren demnach im Jahr 2003 brechende oder reißende Fahrwerkskomponenten, die Fehlauslösung von Airbags, fehlerhafte Sicherheitsgurte, plötzlich brechende Räder, nicht korrekt verriegelte Anhängerkuppelungen und elektronische Motorsteuergeräte, die ungewollte Beschleunigungen hervorriefen.

Experte: "Nicht weniger Sicherheit"

Automarkt-Experten sehen in der gestiegenen Anzahl der Rückrufaktionen jedoch keinen Hinweis auf einen Verlust an Sicherheit bei Autos. "Es ist eher umgekehrt", sagte Professor Ferdinand Dudenhöffer in Bochum. Die Hersteller riefen bei Mängeln früher zurück als noch vor einigen Jahren. Gründe für die weltweit gestiegene Zahl der Rückrufe seien auch gestiegene gesetzliche Anforderungen etwa bei der Produkthaftung, betonte Dudenhöffer. Das Risiko steige ferner mit der Anzahl der Modelle und Varianten. Und außerdem gebe es immer mehr Rückrufe wegen Defekten bei elektrischen und elektronischen Komponenten.

Einen weiterer Grund sieht Dudenhöffer in einem zunehmenden Druck des Marktes, neue Modelle zu bringen. "Wenn man schneller entwickelt, können sich auch leichter Fehler einschleichen." Dudenhöffer ist Professor für Marketing und Direktor des Center of Automotive Research an der Fachhochschule Gelsenkirchen.

DPA

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