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TV-Kritik

"Die Höhle der Löwen": Wie Frank Thelen und Ralf Dümmel gemeinsam Carsten Maschmeyer austricksen

"So was macht man nicht": Wegen Hundeleinen gab es einen mittelschweren Eklat in der TV-Show "Die Höhle der Löwen". Maschmeyer wurde von zwei anderen Löwen ausgebootet. Doch bei einer App kriegt er den Zuschlag - und schließt den höchsten Einzeldeal in der DHDL-Geschichte ab.

Von Simone Deckner

Hatte gut lachen: DHDL-Juror Frank Thelen

Hatte gut lachen: DHDL-Juror Frank Thelen

Je später der Abend - desto mieser die Laune der Gastgeber. "Das ist absolut scheiße, was ihr hier gemacht habt", schimpft Carsten Maschmeyer, die fünfte Folge der Gründer-Show "Die Höhle der Löwen" ist da schon fast zu Ende. Bevor man sich ungläubig die Ohren mit Gallseife auswaschen kann, legt der Gatte von Schauspielerin Veronica Ferres nach: "Echt sauer", sei er. Dann wendet er sich direkt an seinen Kollegen Ralf Dümmel und Frank Thelen. "Das war Käse, das wisst ihr auch. So was macht man nicht."

Was brachte den sonst so toughen Teflon-Mann so aus der Fasson? Hundeleinen, genauer: eine neue, magnetische Verschlusstechnik für Hundeleinen. Erfunden von einem ehemaligen Dachdecker namens Tim und seinem Kumpel und Geldgeber, "Ich bin nicht Struppi-Jérôme", der tatsächlich auf den Namen Jérôme Glozbach de Cabarrus hört.

"Eine brillante Mechanik", hätten sie da am Start, lobt Thelen, nachdem er sich vor den beiden 80 Kilo schweren Doggen "Lumpi" und "Josef" hinter seinem Loungesessel in Deckung gebracht hat. Ralf Dümmel spielte derweil gedankenverloren mit dem hübsch klickenden Magnetrastverschlusssystem, von dessen Zugkrafteigenschaften er sich zuvor hat überzeugen lassen. Ein kurzer Blick, ein konspiratives Gespräch in der Tiefe des Raums, und das Angebot steht: 500.000 Euro fließen, wenn die beiden Gründer ihnen 35 Prozent ihres Startups GOLEYGO überlassen.

Zur gleichen Zeit hat sich mit Carsten Maschmeyer, Georg Kofler und Dagmar Wöhrl eine weitere Interessentengruppe zurückgezogen. "Wir müssen ein raffiniertes Angebot machen", schwört Maschmeyer seine Getreuen ein. Während in Villabajo noch taktiert wird, schafft man in Villariba kurzerhand Tatsachen, mit nicht ganz fairen Mitteln. Ralf Dümmel zu den beiden Gründern: "Von mir aus können wir den Deal machen, bevor die anderen wiederkommen." Aufmunterndes Grinsen. Nicht-Struppi-Jérôme: "Von mir aus auch." Tim, heftig nickend: "Ja." Thelen: "Ja?" Ja, geil!" Es folgen: Umarmungsszenen wie nach dem Championsleague-Finale.

Denn nicht nur Thelen sieht "immenses Potential" in der Technik von Tim. Er glaubt, dass auch in der Tauch- und Segelszene, ach was, in der gesamten Outdoorszene damit richtig Geld zu machen ist. Dümmel reckt die Becker-Faust. Jérôme, happy: "Manchmal muss man im Leben Entscheidungen treffen". Zuhause vorm Fernseher guckt ein Millenial kurz irritiert von Tinder auf und versteht kein Wort. Maschmeyer und die Löwen wittern zu spät, was passiert ist. Dass sie ausgebootet wurden. Es folgt der eingangs erwähnte Maschmeyer-Monolog in Sachen Sauerei. Doch der Drops ist gelutscht.

Wie viel Chia-Samen sind genug?

Um Essen geht es auch beim Startup von Brando Valencia und Annemarie Heyl, letztere hat es schon einmal bei den Löwen versucht mit "Kale&Me", einem Startup für kaltgepresste Säfte – scheiterte aber. Diesmal wollen die Grüder den Löwen ihre Bowls mit Chia-Samen schmackhaft machen. Nicht-Hipster Ralf Dümmel verwirrt: "Chia-Samen? Das ist ja quasi wie Reis, ne?" Checkerin Judith Williams: "Extrem gesund!" Er habe als Veganer ewig nach einem leckeren, satt machenden Mittagessen im Supermarkt gesucht, so Valencia. Man könne die Chia-Bowls aber auch als Topping für Joghurt nehme, das Produkt sei "einfach gesundes Essen im Glas."

Womit die Gründer nicht gerechnet haben: Dass Testesserin Dagmar Wöhrl das Kleingedruckte auf der Verpackung liest. "Dort steht, dass die tägliche Aufnahme von 15 Gramm Chia-Samen nicht überschritten werden darf?" Im Glas sind 30 Gramm. Judith Williams macht große Augen. "Das ist nur ein Richtwert" beteuern die Gründer. Thelen will zwar gern investieren, bockt aber: "Was ist das? Brotaufstrich? Topping? Du löffelst das pur? Sorry, das geht nicht." Judith Williams sagt: "Das Produkt ist noch nicht stimmig", dann macht sie das ganze Glas leer.

Zwillingsbrüder als Finanzgurus

Auftritt: die deutsche Version der Winklevoss-Zwillinge (sagen, sie haben Facebook erfunden und Mark Zuckerberg wegen Ideenklau verklagt). Ben und Alex, beide 28, haben eine App entwickelt, die Nutzern einen schnellen Überblick über ihre Finanzen geben soll. Ihren "Finanzguru" stellen sie in bester Schülertheater-AG-Art vor. Zwilling A: "Ich weiß gar nicht, wo mein Partner bleibt. Ich rufe ihn noch mal an." Auftritt Zwilling B: "Sorry, da bin ich. Ich hatte ewig damit zu tun, einen Überblick über meinen Finanzen zu bekommen." Unter seinem Arm klemmt ein Aktenordner, auf dem ein trauriger Smiley klebt.

Eigentlich habe er sich für seine beiden Söhne "was Sicheres" gewünscht, sagt der Vater im Einspieler. Er ist Beamter. Aber die Jugend wollte lieber BWL studieren, hat dann in Banken gearbeitet und nun also die Sache mit der App. Das klappt immerhin schon so gut, dass die Deutsche Bank bereits eine Million Euro investiert hat. "Das ist Segen und Fluch zugleich", sagt Frank Thelen. Corporates hätten "immer ihre eigene Agenda", weshalb er raus sei.

Höchster Einzeldeal in der DHDL-Geschichte

Während Dagmar Wöhrl kurz einhakt, dass man für die Nutzung der App seine Kontodaten aus der Hand geben müsse ("Ich bin da noch alte Schule"), will Maschmeyer Zahlen hören, er kenne sich mit dem Thema "ja auch ein bisschen aus." Denn: Die App selbst kostet den User nichts. Die Zwillinge wollen mit der Vermittlung von Partnerangeboten (neuer Stromanbieter, neue Kreditkarte) Geld verdienen. Wöhrl, weiterhin kritisch: "Aber dann geben Sie ja meine Daten an Dritte weiter?" Die Zwillinge unisono: "Datenschutz ist uns sehr wichtig." Bisher hätten sie "noch kein Geld mit der App verdient". Aus derzeit 2000 sollen bis Jahresende 30.000 Kunden werden, hoffen sie. "Warum so ein schlapper Plan?", herrscht Maschmeyer sie an, da müsse doch mehr drin sein, "wenn sie daran glauben."

Dann beginnt der Poker. Die Zwillinge wollen die stolze Summe von einer Million Euro – für zehn Prozent ihres Unternehmens. Maschmeyer ist das zu wenig. Die Zwillinge erhöhen auf 12,5 Prozent. Maschmeyer lehnt ab. 20 Prozent müssten es schon sein. Er spielt auf seine "enormen Kontakte in der Versicherungswelt" an. Aber die Zwillinge bleiben hart und bei ihren 12,5 Prozent. Maschmeyer, milder: "Man muss ja flexibel sein. Bei 15 Prozent hätten wir jetzt einen Deal." Die Zwillinge überlegen nicht lang und schlagen ein. "Das war unsere Schmerzgrenze." Nicht nur das: Sie haben damit den höchster Einzeldeal in der Geschichte von "Die Höhle der Löwen" abgeräumt. Nie zuvor hat ein einzelner Löwe so viel investiert.

Die Löwen zwischen Steckmöbeln und Augenbrauen

Weitaus weniger Geld, nämlich 50.000 Euro investiert Dagmar Wöhrl in das Startup von Hobby-Tischler Alexander Haunhorst. Der 32-Jährige hat ein multifunktionales Kindermöbel erfunden, den "Flippo", benannt nach seinem Neffen Phillip, "meinem Entwicklungschef". Der sabbert und mampft Kekse und zeigt ganz lässig, was das mitwachsende Möbel so alles kann – nämlich auch Hochstuhl, Lernturm und Sitzbank sein. Geschraubt werden muss nichts, der "Flippo" funktioniert als Stecksystem. "Ästhetisch gesehen ist das schlimm, das sieht sperrholzig aus", mosert Frank Thelen. Dagmar Wöhrl aber hat früher selbst Möbel gebaut, "für Puppen", sie investiert das Geld und erhält zehn Prozent der Firmenanteile.

Keinen Deal gibt es hingegen für die "Permanent-Make-Up-Queen" Brigitte Steinmeyer (55). Die Berlinerin will mit ihrem Produkt eine Lücke schließen, die nicht erst seit Daniela Katzenberger in vielen aufgehübschten Gesichtern klafft: die Augenbrauen. "Die sehen immer künstlich aus, wie Stempel", sagt Steinmeyer. Mit ihrem "einzigartigen Werkzeug", der aus einem eingefassten Diamanten als Schneidewerkzeug besteht, kann man hingegen "ganz natürliche Augenbrauen formen." Sagt's und beginnt, es am lebenden Model zu präsentieren. Die Kamera zoomt heran. Man sieht, wie der Diamant Blader in die Haut schneidet und in den Schnitt hinein Farbe fließt. Auch etwas Blut fließt. "Das tut überhaupt nicht weh", sagt das Model. "Man ist auch sofort nach der Behandlung gesellschaftsfähig", sagt die Erfinderin. 550 Euro für beide Brauen soll der Spaß kosten und "ein bis zwei Jahre" halten. Das Problem: die Ausbildung der Kosmetikerinnen in der Blading-Technik und der komplexe Vertrieb.

Oder womöglich auch die Tatsache, dass in der "Die Höhle der Löwen" drei Männer sitzen, die sich während der Vorführung mehrfach am Kopf gekratzt haben und nun alle dasselbe denken. Frank Thelen spricht es aus: "Ich habe noch nie im Leben meine Augenbrauen betrachtet im Spiegel. Das werde ich dann heute Abend mal tun."

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