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Juror in "Die Höhle der Löwen" Warum Frank Thelen einst kurz vor der Privatinsolvenz stand

„Die Höhle der Löwen“ ist ein Ableger der Britischen Serie „Dragon’s Den“. Die Idee für dieses Format stammt ursprünglich aus Japan. Dort hieß die Show „Money Tigers“. 30 Ableger wurden bisher initiiert. „Shark Tank“ heißt die US-Version. Die dritte Staffel „Die Höhle der Löwen“ war die erfolgreichste VOX-Primetime-Eigenproduktion  und erreichte 2016 neue Rekord-Quoten. Die Sendung sicherte sich 2016 den „Deutschen Fernsehpreis“. Neue Gesichter: Nach dem Ausstieg von Jochen Schweizer kommt Dagmar Wöhrl neu in die Jury. Die CSU-Politikerin, Unternehmerin, Juristin und ehemalige „Miss Germany“ scheidet aus dem Bundestag aus und steigt bei DHDL als Jurymitglied ein. Das sind die verbliebenen Juroren und Investoren der 4. Staffel: Carsten Maschmeyer, Ralf Dümmel, Judith Williams und Frank Thelen.  Gast-Löwe Dr. Georg Kofler spring kurzfristig für Judith Williams ein, als diese wegen einer verschleppten Grippe ausfiel. Sprungbrett: Eines der erfolgreichsten Unternehmen der 3. Staffel war die Abfluss-Fee von Handwerker Karl-Heinz Bilz. Schon nach kurzer Zeit machte ihn seine Erfindung fast zum Millionär. Limberry, ein Onlineshop für Dirndl-Mode, verzeichnet Umsätze im Millionenbereich. Das Suppen-Unternehmen „Little Lunch“ von Denis Gibisch gehört zu den größten Erfolgsgeschichten der Show. 2014 lag der Unternehmensumsatz noch bei 50.000 Euro, 2016 bereits bei acht Millionen. Die vierte Staffel von "Die Höhle der Löwen" wird ab 5. September auf Vox ausgestrahlt - immer dienstags ab 20.15 Uhr sind die neuen Folgen zu sehen.
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Frank Thelen sitzt in der Vox-Show "Die Höhle der Löwen" in der Jury. Er selbst gründete Unternehmen und investiert in Start-ups. Bevor er seine erste Million verdient hat, versenkte er erstmal die Summe - und stand vor der Privatinsolvenz.
Von Raphael Moritz

Dieses Interview erschien 2016 in dem Wirtschaftsmagazin Capital, das in jeder Ausgabe prominente Unternehmer nach der ersten Million fragt. 

Herr Thelen, Sie zählen zu den erfolgreichsten IT-Experten Deutschlands und sind einer der bekanntesten Investoren. Wann haben Sie denn Ihre erste siebenstellige Summe auf dem Konto gesehen?

Da war ich so 24 Jahre alt. Leider stand ein Minus davor. Meine Firma Softer Solutions war pleite, ich stand kurz vor der Privatinsolvenz.

Wie konnte es so weit kommen?

Ich entwickelte eine Art Router, mit dem man ein privates Netzwerk mit dem Internet verbinden konnte. Heute hat so etwas jeder bei sich zu Hause, damals war das neu. Das Problem: Ich konnte programmieren, wusste aber nicht, wie man so was vertreibt. Die Bank wollte eine private Bürgschaft für einen Kredit über 1 Mio. Euro. Ich habe das blind unterzeichnet. Dann kam die Dotcom-Blase, drei Monate später war das Unternehmen insolvent.

Waren Sie zu jung oder zu naiv?

Wohl ein bisschen von beidem. Damals dachte ich, dass wir Marktführer werden und an die Börse gehen. Rückblickend war es die größte Dummheit, privat zu haften. Ich bin total gescheitert und wusste nicht, wie ich das Geld zurückzahlen sollte. Ich bin sogar wieder bei meinen Eltern eingezogen. Die private Insolvenz konnte ich abwenden. Den Kredit zahle ich noch heute ab.

Aber den hätten Sie doch schon locker tilgen können?

Ja, natürlich. Ich will mich aber daran erinnern, wo ich herkomme. Deshalb zahle ich immer noch 500 Euro jeden Monat – als Mahnmal.

Und wie haben Sie sich nach dem Absturz wieder berappelt?

Ich habe bald wieder gegründet. Es kamen gerade Digitalkameras auf den Markt. Ich habe eine Software entwickelt, mit der man Abzüge von digitalen Bildern bestellen konnte. Ich habe Tag und Nacht gearbeitet. Kodak, Fuji, Agfa, Cewe – alle wollten in den Digitalmarkt, und ich arbeitete an der einzigen Foto-Plattform in Europa. Es ging brutal bergauf. Irgendwann hatte ich mehr als 100 Millionen Kunden auf der ganzen Welt. 2008 habe ich die Firma an Fujifilm verkauft und hatte auf einen Schlag mehrere Millionen.

Wie Frank Thelen seine erste Million verdiente
Frank Thelen sitzt in der Jury von "Die Höhle der Löwen".
© Kay Nietfeld/dpa

Und Ihre Eltern waren erleichtert?

Für die war das unvorstellbar. Erst zieht der Sohn wieder ein und weiß nicht, wovon er leben soll. Dann kauft er sich ein schickes Auto und eine Villa. Ich bin aber immer ruhig geblieben, weil ich vorher so hart einstecken musste. Ich feiere nicht die ganze Zeit Partys und trinke Champagner.

Was ist das Wichtigste bei Ihren Investmententscheidungen?

Ganz klar: die Gründer. Und das Produkt. Ich muss an beides glauben können. Die Finanzplanung kommt erst ganz am Schluss.

Und Ihr Rat an Gründer?

Gehe niemals unter null! Lebe lieber von Cornflakes und zieh wieder zu deinen Eltern. Aber nimm niemals private Schulden auf.

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