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TV-Kritik

DHDL: Alles für den Deal - warum sich Judith Williams in der Höhle der Löwen unters Messer legte

"Die Höhle der Löwen" ist zurück: In der ersten Folge der Vox-Show buhlen ein Frisör mit scharfer Klinge und ein Nachwuchsgründer mit Staubsaugeraufsatz um die Gunst der Geldgeber. 

Carsten Maschmeyer in der "Höhle der Löwen"

"Kompliment, was Sie zeigen und leisten", schwärmt der oftmals etwas emotionslose Carsten Maschmeyer über Tobias Gerbracht. Ganz unrecht hat der Investor nicht - denn der gerade einmal 20-jährige Gründer stellt mit seinem Staubsaugeraufsatz eine erstaunlich alltagstaugliche Erfindung in der Höhle der Löwen vor. Statt unzählige Lego-Steine aus dem Staubsaugerbeutel herausfischen zu müssen, filtern sein Catchup kleine Teile vorab heraus. Im Beutel landet der Staub, in dem Auffangbehälter kleine Schmuckstücke, Schrauben - oder eben kleines Spielzeug.

Mit dem Junggründer startet "Die Höhle der Löwen" auf Vox in die fünfte Runde. Neben Maschmeyer sind auch wieder dabei: Frank Thelen, frisch gebackener Autor seiner Autobiografie, Ralf Dümmel, der die Produkte im großen Stil in den Handels schwemmt, die Ex-Politikerin Dagmar Wöhrl und Beauty-Königin Judith Williams, die sich ihren Thron nun ganz offiziell mit Georg Kofler teilt. 

Catchup und Calligraphy Cut in der Höhle der Löwen

Judith Williams in der Höhle der Löwen

MG RTL D

Catchup - das Tuning für den Staubsauger

Die Löwen sind von Tobias Gerbrachts Catchup angetan, er hätte gerne 100.000 Euro für 35 Prozent seiner Anteile - ein durchaus faires Angebot. Carsten Maschmeyer und Ralf Dümmel machen ein Angebot. Am Ende entscheidet sich der Student (und bislang jüngste Grunder in der Show) für Dümmel. Und der freut sich richtig - er wittert mit Sicherheit schon den nächsten Verkaufskracher à la Abflussfee.

"Die Höhle der Löwen" zum Lesen: Die zweite Ausgabe des Magazins zur Sendung erscheint am 13.November 2018. Hier können Sie das Heft portofrei bestellen.

"Die Höhle der Löwen" zum Lesen: Die zweite Ausgabe des Magazins zur Sendung erscheint am 13.November 2018. Hier können Sie das Heft portofrei bestellen.

Jackie F. - Fleischersatz aus Sri Lanka

Die Gründerin Julia Huthmann will die Löwen überraschen - indem sie ihnen etwas zu Essen vorsetzt, was sie garantiert noch nicht probiert haben. "Eine kulinarische Sensation aus Sri Lanka", so verkauft sie der Jury ihre Idee - und lässt sie probieren. Dagmar Wöhrl und Georg Kofler beißen beherzt in das "Fleischküchle" und den Wrap. Dann löst Huthmann das Rätsel auf: Was wie Fleisch aussieht und auch ein wenig so schmeckt, ist Jackfruit. "Das kommt einer Frikadelle schon sehr nahe", befindet Frank Thelen nach der Verkostung. Auch Georg Kofler schmeckts. Carsten Maschmeyer eher nicht, vor allem die Forderung und damit verbundende Firmenbewertung stößt ihm auf: 260.000 Euro für 10 Prozent an Jackie F., der Firma von Huthmann. Frank Thelen zumindest kann die Gründerin locken. Vor allem als sie berichtet, dass die Jackfruit in Sri Lanka als Arme-Leute-Essen gilt und die Jackfruit-Bäume dort an jeder Ecke wachsen. Er will für die geforderte Summe 25 Prozent der Anteile - zumindest zunächst. Denn dann werfen Dagmar Wöhrl und auch Ralf Dümmel das Handtuch und bringen eine ganze Latte an Kontra-Argumenten vor. Mit dem Ergebnis, dass Thelen sein Angebot anpasst: Er will nun 30 Prozent. Georg Kofler fordert sogar 35 Prozent. 

Und was macht die Gründerin? Kofler sagt sie direkt ab, Thelen unterbreitet sie ein Gegenangebot: Sie will sich nur von 20 Prozent der Firma für den Betrag trennen. "Ganz ehrlich, ich würde mich auf 25 Prozent einlassen", sagt Thelen. Er sei nicht nur der schnöde Kapitalgeber, er wolle das Unternehmen mit ihr groß machen. Huthmann überlegt, und sagt dann "Nein, danke". "Ich hoffe, dass ich das auch alleine machen kann", so das Fazit der Gründerin.

"Die Höhle der Löwen": Wie "Morotai" Adidas und Nike Konkurrenz machen will
Laufhose von Morotai

Die Tights sind aus atmungsaktivem Stoff, der sich wie ein Badeanzug anfühlt. Mesh-Einsätze am Oberschenkel und dem Knöchel sind dekorativ und lassen noch mehr Luft an den Körper. Ansonsten ist die Hose schlicht und kommt ohne wilde Muster oder allerlei Schischi aus. Praktisch: Eine kleine Tasche, in der man sein Smartphone oder die Haustürschlüssel verstauen kann. Im Online-Shop kostet die Hose 55 Euro und ist damit etwas teurer als vergleichbare Tights von Puma, Nike oder Adidas.

Volatiles Lighting - die leuchtende Wand

Die nächsten Gründer bringen mit "Volatiles Lighting" ein Hightech-Produkt mit in die Sendung. Die Gründer haben Mosaik-LEDs entwickelt, die Wände und Decken nicht nur beleuchten können. Es sind smarte, kluge Leuchtmittel, die später auch Informationen darstellen sollen. Der User kann schon heute mit diesen Wänden interagieren. "Das mag sich nach Science-Fiktion anhören", sagt auch der Gründer Florian Nübling. Und präsentiert seine leuchtende Wand, die auch auf Berührungen reagiert. Ganz billig ist das Ganze nicht: Pro Quadratmeter kosten die Lichtmodule rund 4000 Euro. 

Doch nicht der Preis ist das Problem - sondern offenbar die Kommunikation. Auf die Frage, wie die Gründer auf die Firmenbewertung (fünf Millionen Euro, daher auch die Forderung nach 500.000 Euro für 10 Prozent der Anteile) kommen, antworten sie mit "hohem Kapitalbedarf". Das ist für Carsten Maschmeyer Unsinn. "Der Kapitalbedarf ist keine Größe für die Bewertung des Unternehmens, das ist die Not, wie viel Sie brauchen, damit es klappt", sagt Maschmeyer. Dann gerät der Gründer langsam ins Schlingern. Umsätze, garantierte Abnahme von Quadratmetern - die Löwen und der Gründer reden irre aneinander vorbei. "Oh Leute, das versteht ja kein Mensch mehr", fasst Ralf Dümmel lachend zusammen. Und rechnet dann den Auftragswert für die Gründer aus, die auf dem Smartphone noch nach dem Rechner suchen.

"Sie haben bisher drei Quadratmeter verkauft", legt Carsten Maschmeyer los. Ihn stört die hohe Bewertung. Er schickt die Gründer raus, sie sollen noch mal nachdenken. Am Ende einigen sich Löwe und Gründer auf 20 Prozent. 

Swedish Fall - Cheerleader-Klamotten von starken Gründern

Dass ein "starkes, kompetentes Team" nicht auch immer einen Investor überzeugen kann, zeigt das junge Gründerteam von Swedish Fall, das Sportklamotten für Cheerleader verkauft. Und so entert schon zu Beginn des Pitches ein Frauenteam die Bühne und zeigt, wie krass Cheerleading ist. Der Sport ist hochathletisch - und hat wenig mit  Puschelgeschwinge zu tun. 

Doch die Löwen sind vom Geschäftsmodell nicht überzeugt: Eine sehr kleine und spitze Zielgruppe und ein überschaubarer Markt. Daher steigt kein Löwe ein. Doch glücklich scheint keiner der Nicht-Investoren, denn das Team und der Pitch der Gründer war stark.

Calligraphy Cut - Revolution beim Haare schneiden

Der nächste Gründer brennt für seinen Job. "Haare zu berühren, Haare zu gestalten - hach, das ist das größte Glück auf Erden", schwärmt er. Natürlich ist Frank Brormann Frisör geworden. Er hat schon in London und Kapstadt gearbeitet - und hat nun eine scharfe Geschäftsidee für die Löwen im Gepäck. Er hat den "Calligraphy Cut" entwickelt, eine Alternative zur Frisörschere. Ein Schnitt mit diesem Messer soll die Haare fülliger und glänzender machen. Sieben Jahre hat der Tüftler daran gearbeitet und rund 500.000 Euro in die Entwicklung gesteckt. Jetzt will er seine Idee groß machen und will eine Million Euro für 20 Prozent der Anteile. Ob die Löwen das auch wollen? 

Judith Williams macht den Versuch und legt sich unters Messer - genauer: Eine kleine Strähne ihrer Haare. Und ist hingerissen. Auch Frank Thelen ist begeistert - vom Pitch und dem Gründer. "Du flasht mich gerade wirklich", so Thelen. "Ich find's geil, was du hier präsentiert hast." Und er macht ihm ein Angebot: Für 500.000 will er 25 Prozent der Anteile. Samt einer großen Lobeshymne auf den Gründer. Und so fragt Carsten Maschmeyer, der sich mit Dagmar Wöhrl berät, berechtigt: "Wie überbieten wir jetzt den Frank?" Doch diese Frage scheint sich fast von allein zu klären, denn auch Judith Williams will den Gründer und wiederholt das Angebot von Thelen - natürlich nicht, ohne noch einmal innig auf ihr Netzwerk und ihre Expertise im Beautybereich hinzuweisen. 

Und dann beginnt das große Wandern. Abgesehen von Ralf Dümmel, der schon früh abgewunken hat, rotten sich kleine Löwenrudel zusammen: Das Team Maschmeyer / Wöhrl beratschlagt sich im hinteren Bereich der Bühne. Und Frank Thelen raunt Judith Williams zu "Wollen wir auch zusammen ein Angebot  machen?" Die beiden einigen sich darauf, erstmal das Angebot der anderen Löwen anzuhören - und dann nachzuziehen. Carsten Maschmeyer präsentiert also sein Angebot und haut dann die Summe raus: Eine Million Euro für 25 Prozent. "Jetzt brauchen wir gerade mal einen Moment Zeit", sagt Thelen dazu und springt auf, um mit Williams zu sprechen. "Mir wird schlecht", sagt Gründer Brormann, der offenbar überwältigt ist. Frank Thelen und Judith Williams nennen das gleiche Angebot. Und jetzt? Für wen entscheidet sich der Frisör? Dümmel setzt schon zur Zusammenfassung an, da grätscht Maschmeyer dazwischen. Und macht noch mal deutlich, warum er und Dagmar die Richtigen sind. Und wenn Brormann noch Working Capital brauchen würde, "halbe Million oder eine Million", ganz egal, das würde auch noch dazu kommen. Was für ein Fight um einen Gründer!

Frank Brormann nimmt den Thelen/Williams-Deal an. Und die Löwen müssen erstmal durchatmen. Einen solchen Kampf hat es in der Höhle der Löwen noch nie gegeben. Die nächste Folge strahlt Vox am kommenden Dienstag um 20.15 Uhr aus. 

10 Geheimnisse: Warum Judith Williams eigentlich nicht bei "Die Höhle der Löwen" mitmachen wollte