HOME

Autobiografie: Frank Thelen über seinen größten Fehler: "Ich mutierte zum eingebildeten Idioten"

In seiner Autobiografie spricht "Höhle der Löwen"-Investor Frank Thelen über eine Jugend als Loser, Erfolge und Niederlagen als Gründer und den "dümmsten Fehler meines Lebens". Außerdem: ein Blick in die Zukunft der Menschheit.

Ein Porträt des Start-up-Investors Frank Thelen

Frank Thelen: Vor 15 Jahren stand er kurz vor der Privatinsolvenz, heute investiert er in Apps wie MyTaxi und sitzt in der "Höhle der Löwen"-Jury.

"Die Höhle der Löwen" machte aus dem Tech-Gründer und Investor einen TV-Star. Nun hat Frank Thelen auch noch ein Buch geschrieben. Kurz vor dem Start der neuen Staffel der Vox-Gründershow veröffentlicht Thelen seine Autobiografie. "Startup-DNA: Hinfallen, aufstehen, die Welt verändern", so der Untertitel des 288 Seiten starken Werkes.

Und wie bei allem, was Frank Thelen anpackt, so muss auch hier alles bis ins Detail stimmen. Sogar bei der Auswahl des Papiers, der Bindung und der Haptik des Covers konnte Thelen es sich nicht verkneifen, mitzureden. "Wenn ich ein Produkt habe und es ist nicht perfekt, dann drehe ich durch", sagt Thelen im Gespräch mit dem stern.

Warum er dieses Buch geschrieben hat? "Zum einen wollte ich gerne meine Geschichte aufschreiben, weil ich schon sehr viel erlebt habe, was ich gerne weitergeben will. Zum anderen dachte ich mir: Hey, wenn die Leute dich schon aus dem Fernsehen kennen, kannst du ihnen in dem Buch all die Themen unterjubeln, die echt wichtig sind, die sie sich aber sonst nie angucken würden wie Künstliche Intelligenz, Blockchain usw."

Schwierige Schulzeit und Aufstieg als Gründer

Im ersten Teil des Buches schreibt Thelen sehr persönlich über seinen Werdegang und seine Anfänge als Unternehmer. Thelen beschreibt eine Jugend als Außenseiter, wie er wegen zu schlechter schulischer Leistungen vom Gymnasium fliegt und schließlich sein Talent im Programmieren entdeckt. Mit Anfang 20 gründet er mitten im Hype des Neuen Marktes ein vielversprechendes Tech-Unternehmen, das mit Millionen an die Börse gebracht werden soll. "Da bin ich ein bisschen abgehoben", sagt Thelen heute.

Er least den teuersten BMW, den er kriegen kann, und wähnt sich auf der Überholspur des Lebens. "Ich fühlte mich wie der König der neuen Welt. Alle, die nicht dabei waren, verschwendeten in meinen Augen ihr Leben", schreibt Thelen selbstkritisch über diese Lebensphase voller Arroganz und Überheblichkeit. "Ich mutierte über den virtuellen Erfolg zum eingebildeten Idioten."

Der Zusammenbruch und das Comeback

Doch dann bricht der "New Economy"-Boom in sich zusammen. Aus dem Börsengang wird nichts, die Investoren ziehen sich zurück - die Firma geht pleite. Und Frank Thelen hat plötzlich eine Million Euro Schulden bei der Bank. Die Unterschrift unter die Bankbürgschaft, mit der er die persönliche Haftung übernommen hat, bezeichnet er heute als den "dümmsten Fehler meines Lebens". Auf den rasanten Aufstieg folgt der brutale Fall und eine mehrmonatige Depression.

Nur ein Vergleich mit der Bank, die ihm 90 Prozent der Schulden erlässt, ermöglicht Thelen den Neustart. Er gründet wieder und diesmal hat er Glück: Seine neue Firma ip.labs, die eine Software zur Entwicklung digitaler Bilder programmiert, wird ein großer Erfolg - und schließlich für Millionen an den japanischen Fujifilm-Konzern verkauft. Jetzt ist Frank Thelen wirklich reich - und kann als Investor in kleine Start-ups einsteigen, von denen er Großes erwartet.

Thelens Blick in die Zukunft

In der "Höhle der Löwen" investiert Thelen vor allem in Food-Start-ups, aber abseits der TV-Welt bleibt High-Tech seine Leidenschaft. Die zweite Hälfte seines Buches widmet Thelen den aus seiner Sicht wichtigsten Zukunftstechnologien. Er erklärt Künstliche Intelligenz, Blockchain und weitere Technologien, die er zum "Baukasten der Zukunft" zählt. 

Und Thelen ist überzeugt: Wenn Deutschland auf diesem Gebiet nicht deutlich mehr investiert, wird es in der Welt in einigen Jahren nichts mehr zu sagen haben. Apple, Google, Facebook, Amazon aus den USA, Alibaba und Tencent aus China gewinnen immer mehr an Macht und dominieren die weltweite Wirtschaft. Doch wo ist der kommende Global Player aus Deutschland, fragt Thelen?

Fliegende Autos aus München

Er selbst würde gerne helfen, einen solchen mitaufzubauen. Thelen hat als erster Investor in Lilium Aviation investiert, ein Münchner Start-up, das die Mobilität mit fliegenden Autos revolutionieren will. Der Mischung aus Hubschrauber und Flugzeug mit Elektroantrieb traut Thelen den ganz großen Durchbruch zu. Der Jungfernflug des ersten Lilium-Jets im vergangenen Jahr sorgte weltweit für Aufsehen.

Auch sein Investment in die Tech-Firma Neufund sieht Thelen als Teil seines Weltveränderungsplans. Neufund will die Blockchain-Technologie nutzen, um die Finanzierung von Unternehmen zu revolutionieren und so letztlich die Börsen dieser Welt überflüssig machen.

Thelen denkt groß und er will etwas verändern. Deshalb setzt er - dem Politik eigentlich zuwider ist - sich sogar mit Politikern auseinander. Er hat einen engen Draht zur Digitalministerin Dorothee Bär und tritt mit der Bundeskanzlerin bei öffentlichen Konferenzen auf.

Doch so richtig gewürdigt sieht Thelen seine Aufbauhilfe für Deutschlands wirtschaftliche Zukunft noch nicht, wie er bei der Buchvorstellung verrät. Er beklagt Kleingeistigkeit, Bürokratie und Vergangenheitsromantik. Und wenn einer wie er kommt, und erklärt wie die Zukunft wird, dann nimmt man ihn immer noch nicht ernst genug. "Wir bauen Flugtaxis und werden in Deutschland belächelt. Das macht mich wirklich sauer." 

"Die Höhle der Löwen": Das waren die DHDL-Highlights 2017