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TV-Kritik "Die Höhle der Löwen": Von Löwen und Lämmern

Bei "Die Höhle der Löwen" auf Vox stellen Gründer ihre Geschäftsidee erfahrenen Unternehmern vor. Doch manche erwartet die Höhle der Löwen erst, wenn sie das Fernsehstudio wieder verlassen haben.

Von Thomas Krause

"Löwe" Jochen Schweizer (links) freut sich über den Erfolg der Macher von "Meine Spielzeugkiste"

"Löwe" Jochen Schweizer (links) freut sich über den Erfolg der Macher von "Meine Spielzeugkiste"

Die Höhle des Löwen sieht aus wie eine Mischung aus Zirkusarena und Kaminzimmer – zumindest, wenn man dem Fernsehsender Vox glauben möchte. In der Sendung „Die Höhle der Löwen“ sitzen fünf (erfolg)reiche Unternehmer in Sesseln an einem lodernden Feuer und lassen sich von Gründern neue Geschäftsideen vortragen. Wie Raubkatzen auf dem Weg in die Zirkusmanege betreten die Gründer durch einen Gittertunnel das Fernsehstudio. Die Rollenverteilung zwischen Investoren und Gründern scheint den Fernsehmachern also nicht ganz klar. Die Gründer jedenfalls wollen Geld und Know-how, die Unternehmer wollen investieren, um noch (erfolg)reicher zu werden. Ob beide Seiten zusammenkommen, hängt vor allem von der Naivität auf Seiten der Gründer ab.

Vielleicht muss man auch einfach naiv sein, um sich überhaupt für "Die Höhle der Löwen" zu bewerben. Schließlich werden Unternehmer nicht erfolgreich, weil sie so große Wohltäter sind. Doch wahrscheinlich erhoffen sich die Gründer durch die Sendung zumindest ordentliche Werbung für ihr Produkt.

Lämmer liefern den Löwen Ideen

Oliver Lang und Andreas Guba zum Beispiel präsentierten ein Mini-Solarmodul als Schlüsselanhänger. Mit ihm sollte man sein Handy aufladen können. Allerdings reicht das eine Solarmodul nur für 20 Prozent Akkuladung. Daher sollte man weitere Module anstecken können. Wer also sein Handy fernab von Steckdosen aufladen will, soll also erst einmal basteln und dann vier Stunden warten. Dass es auf dem Markt längst praktischere Lösungen für dieses Problem gibt, war den beiden während der Entwicklungszeit wohl irgendwie entgangen. Die Ablehnung der "Löwen" ließ die beiden Entwickler konsterniert zurück. "Da stimmt irgendwas nicht", sagte Oliver Lang. "Aber ich weiß nicht, ob es an der Vision liegt." Man möchte ihm den Spruch des Alt-Kanzlers Helmut Schmidt in Erinnerung rufen: "Wer eine Vision hat, der soll zum Arzt gehen."

In der letzten Sendung der ersten Staffel durften nicht nur neue Lämmer den Löwen Ideen liefern, sondern Vox zeigte auch, wie es den Gründern aus den früheren Folgen ergangen war. Marvin Metzke und David Hagenkötter verkauften Portemonnaies aus ehemaligen Plastikmüll für satte 16,95 Euro – bei ganzen 1,10 Euro Produktionskosten. Bei der Gewinnspanne sprangen prompt die Investoren Frank Thelen und Lencke Wischhusen auf die Geschäftsidee an. Allerdings legten die dann mehr Wert auf Laptop- und Tablet-Hüllen. Kleiner Nebeneffekt des Investments: Hagenkötter war nicht mehr nur ein affektierter 25-Jähriger, sondern auch noch einer, der besoffen vom eigenen Erfolg war. So bremste Thelen ihn ein: "Wir haben noch viel Arbeit vor uns. Es ist noch ein langer Weg zu einem erfolgreichen Unternehmen."

Nagellack-Schablone punktet

Doch das beste kam wie so oft zum Schluss: Jovana Vatralj und ihre Mutter hatten eine Schablone für French Nails entwickelt. So sollen Freundinnen von weiß geränderten Fingernägeln nicht mehr ins teure Nagelstudio rennen, sondern ihre Fingernägel zuhause selbst verzieren können. "Löwin" Judith Williams - laut Vox" die erfolgreichste Homeshopping-Unternehmerin in ganz Europa" - zeigte ihr professionellstes Verkäuferinnen-Lächeln und nahm dem Mutter-Tochter-Team für 25.000 Euro ganze 53 Prozent ihres Unternehmens ab. Dabei hatten die beiden bereits 32.000 Euro investiert und ihre Nagellack-Schablone bis zur Marktreife entwickelt. Später zeigte Vox dann noch, wie Williams den beiden neue Ideen präsentierte und um ein Produkt eine ganze Marke aufbaute. Mutter und Tochter Vatralj hatten sich eindeutig in die Höhle der Löwen begeben - aber erst, als sie das Fernsehstudio verließen. Die beiden Stuttgarterinnen werden nicht die letzten Lämmer gewesen sein. Für die zweite Staffel von "Die Höhle der Löwen" nimmt Vox bereits Bewerbungen an.

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