Elfenbeinküste Krieg lässt Kakao-Ernte schrumpfen


An der Elfenbeinküste beginnt im Oktober die Erntezeit. Dann ist zwar der Beginn des Bürgerkrieges schon ein gutes Jahr her, das Land leidet aber immer noch unter den Kriegsfolgen - auch die Kakaoernte.

Wenn es einem kalt in den Kragen regnet und es auch bei pünktlichem Feierabend schon dämmert, dann beginnt die Zeit der Kakaotrinker. Eine heiße Schokolade kann über vieles hinwegtrösten. Auch an der Elfenbeinküste regnet es derzeit. Am 1. Oktober beginnt in dem westafrikanischen Land die Ernte der Kakaobohnen. Dann liegt der Beginn des jüngsten Bürgerkrieges ein gutes Jahr zurück. Das Land leidet noch immer unter den Folgen des Krieges. Und auch die Kakaoernte wird deutlich schlechter ausfallen als im Vorjahr.

 

Geht es dem Kakao gut, geht alles gut

"Wir rechnen mit einer Einbuße von 10 bis 15 Prozent", sagt der Sprecher der Kakao- und Kaffeebörse in der Hauptstadt Abidjan. Und das bedeutet viel für das Land, das auf dem Weltmarkt einen Anteil von 40 Prozent hat. Die letzte Ernte betrug etwa 1,2 Millionen Tonnen. "Geht es dem Kakao gut, geht alles gut", heißt es an der Elfenbeinküste. Der Handel mit den aromatischen Bohnen macht etwa zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus. Etwa sechs Millionen der 16 Millionen Einwohner leben direkt oder indirekt vom Kakaohandel.

Arbeiter von Plantagen geflohen

"Viele Arbeiter haben wegen der Kämpfe die Plantagen verlassen", sagt der Börsensprecher. Seit dem Beginn des Bürgerkriegs vor einem Jahr ist das Land faktisch zweigeteilt. Die Regierung kontrolliert nur den südlichen, christlich geprägten Teil. Den muslimisch geprägten Norden beherrschen die Rebellen. Auf den Kakaoplantagen arbeiten Tausende Gastarbeiter aus dem Nachbarland Burkina Faso, unter ihnen viele Kinder.

 

Auch mangelnder Regen beeinflusste Ertrag

Außer dem Bürgerkrieg, den die Kriegsparteien im Juli offiziell als beendet erklärt haben, hat auch der mangelnde Regen im vergangenen Jahr die Ernte beeinflusst. Wenn es zu trocken ist, dann bleiben die Kakaoschoten klein. In den kommenden drei bis vier Wochen werden die Früchte gepflückt und zerteilt. Die Bohnen müssen dann trocknen, bevor sie in den Häfen von Abidjan und San Pedro verschifft werden.

 

Kakaomarkt wird liberalisiert

Wer den Kakao kontrolliert, hat das Sagen in der Elfenbeinküste. Auf internationalen Druck hat die Regierung 1999 begonnen, den Kakaomarkt zu liberalisieren. Bis dahin hatte die Ausgleichskasse Caistab (Caisse de stabilisation des prix agricoles) der Regierung als immer gut gefüllte schwarze Kasse gedient.

Neuen Gremien nicht trasparenter

An ihre Stelle traten fünf neue Gremien, die den Kakaohandel jedoch auch nicht transparenter gemacht haben. In einem der Regierung vorgelegten Bericht war von "mafiaähnlichen Strukturen und grotesken Scheingeschäften" die Rede. Der Autor wurde kurze Zeit später bei einem Überfall schwer verletzt.

 

Bürgerkrieg trieb Preise nach oben

Vor einem Jahr hatte der Bürgerkrieg den Kakaopreis drastisch steigen lassen. Nach Kämpfen um das Kakaohandelszentrum Daloa wurde die Tonne Bohnen an der Londoner Kakaobörse im vergangenen Oktober mit knapp 2.600 Euro notiert. Derzeit liegt der Preis bei 1.400 Euro.

 

Viele Plantagen wurden zerstört

Der Präsident der Elfenbeinküste, Laurent Gbagbo, zeigt sich dennoch zuversichtlich. Er hat die Arbeiter aufgerufen, in die Plantagen zurückzukehren und ihnen finanzielle Unterstützung zugesichert. Doch so schnell ließen sich die Spuren des Krieges nicht beseitigen, sagt der Sprecher der Kakaobörse. Viele Plantagen seien geplündert, die Pflanzen monatelang nicht gepflegt worden. Sein Fazit lautet: "Auch die Ernte der nächsten beiden Jahre wird noch unter den Folgen des Krieges leiden."

DPA

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