HOME

Jahresrückblick: Die Gewinner 2003

Gute Noten von Verbrauchern und Managern heimsten im verflossenen Jahr Aldi und Post-Chef Klaus Zumwinkel ein. Aber auch Porsche, BMW, Haim Saban und E.ON gehörten 2003 zu den Glückskindern.

Gute Noten von Verbrauchern und Managern heimsten im verflossenen Jahr Aldi und Post-Chef Klaus Zumwinkel (59) ein. Zumwinkel wurde zum "Manager des Jahres" 2003 gewählt. Die Jury des in Hamburg erscheinenden «manager magazin» zeichnete den 59-Jährigen für die "gelungene Umwandlung einer Behörde in ein profitables Unternehmen" aus. Die Discounter-Kette Aldi ist nach einer Umfrage im Auftrag des Wirtschaftsmagazins «Impulse» bei rund 1.400 Bundesbürgern - unter ihnen vorwiegend Spitzenkräfte aus der Wirtschaft - das erfolgreichste deutsche Unternehmen. Unter 30 ausgewählten deutschen Firmen verwies der Billiganbieter die Autobauer BMW, DaimlerChrysler und Volkswagen auf die Plätze zwei bis vier.

Mercedes bleibt wertvollste deutsche Marke

Bei den Marken glänzt der Stern: Mercedes ist die wertvollste deutsche Marke. Weltweit kommt der Stuttgarter Autohersteller nach Berechnungen der Beraterfirma Interbrand mit einem Markenwert von 21,37 Milliarden Dollar hinter dem unangefochtenen Spitzenreiter Coca-Cola (70,45 Mrd Dollar) auf Platz zehn. Als weitere deutsche Marken unter den Top 100 etablierten sich BMW (19.), Softwareanbieter SAP (35.), Autobauer Volkswagen (42.), Sportartikelproduzent adidas (67.) und die Kosmetik-Marke Nivea des Beiersdorf-Konzerns (92.).

Sparen, sparen, sparen

Kosten und Schulden senken - das war 2003 das Motto vieler Unternehmen. Wer aber sein Amt als Vorstandsvorsitzender der Telekom mit einem Schuldenberg von über 60 Milliarden Euro antritt, ist wirklich nicht zu beneiden. Die Häme - die Rede war von einem Mann aus der zweiten Reihe - für Kai-Uwe Ricke ist in verhaltene Bewunderung umgeschlagen. Der Nachfolger von Ron Sommer strahlt nicht nur Ehrlichkeit und Souveränität aus, sondern schaffte bis Ende September 2003 den Abbau der Schulden auf 49 Milliarden Euro. Das Ziel für das gesamte Jahr war damit bereits vorzeitig erfüllt. Dem mittlerweile notorischen Ruf von Vorstandschefs nach einem rigiden Sparkurs hält der 42-Jährige seine Strategie entgeben: "Sparen allein hat noch nie neue Perspektiven eröffnet."

Tschibo schlürfte Beiersdorf auf

Beim Nivea-Hersteller Beiersdorf in Hamburg reibt man sich die Hände. Und das Bild könnte passen: Gepflegte Hände halten eine Tasse Kaffee von Tchibo. Der Kaffee-Röster übernahm zusammen mit Investoren Allianz-Anteile von 40 Prozent für 4,4 Milliarden Euro. Die Spitzen von Beiersdorf und Tchibo, Rolf Kunisch (62) und Dieter Ammer (53), konnten den Angriff des US-Konzerns Procter&Gamble erfolgreich abwehren. Daneben können sich die Tchibo-Erben Günter (63) und Daniela (54) Herz nach quälenden Familien-Streitigkeiten über vier Milliarden Euro Bares freuen. Sie suchen nun aller Ruhe ein sinnvolles Investitions-Ziel.

Saban gewann Schlacht um ProSiebenSat1

Telegen wirkt Haim Saban (59) zweifellos - ob aus dem Gewinner des Rennens um das Filetstück im Nachlass von Leo Kirch auch ein Star wird, muss sich noch zeigen. Nach einer Monate langen turbulenten Schlacht konnte die Gruppe um den US-Milliardär Deutschlands größten TV-Konzern ProSiebenSat.1 für schätzungsweise 525 Millionen Euro übernehmen. Saban sagte: «Ich hätte es zehn Mal versucht, wenn ich neun Mal gescheitert wäre.» Der als Sohn einer jüdischen Familie in Ägypten geborene Profi im Filmgeschäft versicherte auch: «Es wird also auch mein Job sein sicherzustellen, dass die Beziehungen zwischen Hollywood und ProSiebenSat.1 verstärkt und neu aufgebaut wird.»

Porsche auf der Überholspur

Während Otto-Normal-Verbraucher in diesen Zeiten Mühe hat, seinen Klein- oder Mittelklassewagen abzustottern, erweist sich Porsche weiterhin als Glücksschmiede: Konzernchef Wendelin Wiedeking (51), der nach einer Umfrage (Beratungsfirma Marketing Corporation) unter den Top-Managern den besten Ruf genießt, schickte den sportlichen Geländewagen Cayenne ins Rennen und gewann. Von seiner Einführung im Dezember 2002 bis zum 31. Juli 2003 überflügelte das Modell mit mehr als 20.600 Verkäufen bereits den Porsche Boxster und trug zum Rekordgewinn vor Steuern in Höhe von 933 Millionen Euro bei.

BMW erholte sich

Da wollen die blau-weißen Bayerischen Motoren-Werke nicht nachstehen. In seinem ersten vollen Jahr als Konzern-Lenker (seit 16. Mai 2002) legte BMW-Chef Helmut Panke nach einem schwachen ersten Halbjahr im dritten Quartal wieder einen Gewinnanstieg vor: zwischen Juli und September kletterte dieser um 5,1 Prozent auf 724 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr bekräftigte Panke die Prognosen und rechnet mit einem Rekordabsatz. Und auch Panke kann sich geehrt fühlen: Der Software-Riese Microsoft berief ihn als ersten Ausländer in sein Board of Directors. Für den 57-Jährigen das erste Aufsichtsrats-Mandat überhaupt.

E.ON wurde zum spezialisierten Energiekonzern

Von der Position des Aufsichtsratschefs kann er jetzt sein Werk bewundern. Nach zehnjähriger Amtszeit übergab Ulrich Hartmann (65) im Mai den Stab des Vorstandsvorsitzenden beim Energie-Konzern E.ON an Wulf Bernotat (55). Mit der Übernahme der Ruhrgas AG schuf der 65-Jährige den größten europäischen Energiedienstleister. Was in Fachkreisen als fast unmöglich galt, gelang Hartmann bei der Ruhrgas: Er knackte die komplizierte Aktionärsstruktur. Aus dem Mischkonzern wurde ein spezialisiertes Energieunternehmen. In den ersten neun Monaten dieses Jahres stieg der Konzernüberschuss um 16 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro. Der Umsatz erhöhte sich sogar um 33 Prozent auf 33,3 Milliarden Euro.

Siemens raste durch einen Konzernumbau

Wohl kein Konzern-Lenker bekannte sich 2003 so euphorisch zu seiner Aufgabe wie Heinrich von Pierer: "Es gibt kein besseres Unternehmen als Siemens". Und bei einem Besuch von Bundeskanzler Gerhard Schröder in Erlangen legte er noch einmal nach: "Nur die Fifa, die katholische Kirche und Coca-Cola sind globaler aufgestellt als wir." Die logische Konsequenz: Der 62-Jährige, der einen radikalen Konzernumbau durchsetzte, will bis zum gesetzlichen Rentenanspruch (2006) weitermachen. Denn trotz der Konjunkturkrise machte Siemens 2002/03 (30. September) einen Gewinn von 2,44 Milliarden Euro und erreichte damit fast das Vorjahresergebnis, bei dem allerdings der Verkaufserlös von Infineon-Anteilen eingeflossen war.

HVB-Aktie profitierte von Schrumpfkur

Als Dieter Rampl (56) Anfang 2003 den Chefsessel bei der HypoVereinsbank übernahm, war die Branche skeptisch. Vorgänger Albrecht Schmidt hatte sich mit dem ersten Verlust in der HVB-Geschichte verabschiedet. Die Kapitalbasis des zweitgrößten deutschen Kreditinstituts - mit einer Bilanzsumme Ende September von 505,5 Milliarden Euro - war angeschlagen. Trotz Branchenkrise setzte Rampl aber einen radikalen Umbau durch und brachte die Bank Austria erfolgreich an die Börse. Im Herbst wurde das komplette Immobilienfinanzierungsgeschäft abgespalten. Die HVB-Aktie profitierte von der Schrumpfkur, seit dem Tief im Frühjahr verdreifachte sich der Kurs.

DPA