HOME

Stern Logo Stern-Stimmen

F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Was tun, wenn die große Liebe am anderen Ende der Welt wohnt?

Man muss sich an den Weichen des Lebens immer entscheiden. Gerade wenn die Gefühle links sagen und die vermeintliche Vernunft rechts, wird es schwierig. Frank Behrendt gab am Flughafen einem verzweifelten jungen Mann einen ganz persönlichen Rat, der sein weiteres Leben erheblich verändern könnte. 

Australien ist schön - und verdammt weit weg

Australien ist schön - und verdammt weit weg

Meine kleine Tochter Holly hat eine Tröstereule. Hedwig heißt sie. Gestern habe ich ihr Konkurrenz gemacht. Im Starbucks am Kölner Flughafen saß ein großer junger Mann mit Lederjacke an einem Tischchen und weinte bitterlich. Ich kann da nicht vorbeigehen, also fragte ich, ob ich helfen kann.

Er sah mich an, zuckte mit den Schultern. Ich setze mich zu ihm. Wir kamen ins Gespräch. Er litt, weil Ella weg war. Vor ein paar Minuten war sie gegangen. Allein. Das Winken durch die Trennscheibe hätten sie beide nicht ertragen. Jetzt flog sie weg. Weit weg. Über München nach Perth ins ferne Australien.

Die beiden hatten sich bei einem Work & Travel Camp in Venezuela kennen und lieben gelernt. Häuser für ein Kinderdorf hatten sie da gebaut. Jetzt, nach Monaten, hatte Ella ihn erstmals in Köln besucht. Ihre Eltern hatten eine Schaffarm. Feine Schurwolle. Die mit dem Wollsiegel. Sie würde den Betrieb einmal übernehmen.

Job oder Liebe?

Beide skypten, schrieben über die sozialen Netzwerke. Aber "in echt" ist was anderes sagte er mir und trank den letzten Schluck seines Frappuchino. Er hatte gerade einen Job angefangen. Bei einer Bank. Gut bezahlt, vernünftige Perspektive. Aber er sprach nur von Ella. Eine Seelenverwandte, seine Traumfrau, die zwei ein Paar wie Pech & Schwefel, wie Bonnie & Clyde.

Ich schluckte, ein Film lief vor meinen Augen ab. Und es war ein guter. Die beiden, das war nicht Parship, das war echt. Nächstes Jahr über Ostern würde er vielleicht hinfliegen können, nach der Probezeit. Er sah mich an und fragte, was ich machen würde. Ich überlegte. "Kündigen und nach Australien gehen", sagte ich. Er war verblüfft. "Du bist jung und frei, hast keine Verpflichtungen. Und wahrscheinlich würdest du dich sonst irgendwann fragen, warum Du es nicht getan hast", meinte ich noch.

Er nickte, stand auf und gab mir die Hand. Als ich diesem lässigen Typen nachblickte, dachte ich, dass er sich sehr gut auf einer Schaffarm in Australien machen würde. Ich räumte das Tablett mit den leeren Kaffeebechern ab und sah die Aufschrift auf dem einen To-Go-Becher: Ella. Und hinter ihrem Namen war ein kleines Herz aufgemalt. 

Themen in diesem Artikel