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F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Wenn die Adler über uns die Köpfe schütteln

In den Osterferien zog es Frank Behrendt mit Kind und Kegel diesmal in die Berge. Neben viel Schnee, herrlicher Natur und vorzüglichen Backhendln beeindruckte der Anblick eines Tieres sämtliche Familienmitglieder nachhaltig: Der Adler, der am Himmel über den Allgäuer Alpen majestätisch seine Kreise zog.

Die Bergbahnen Oberstdorf-Kleinwalsertal haben neuerdings den Adler im Logo

Die Bergbahnen Oberstdorf-Kleinwalsertal haben neuerdings den Adler im Logo

1999, als ich für das Marketing des Fernsehsenders RTL verantwortlich war, hatte ich das letzte Mal mit Adlern zu tun: Die trugen damals lila-farbige Helme und verzückten Millionen von Fans: Martin Schmitt, Sven Hannawald und der Rest der sogenannten "DSV-Adler" machten zwischen 1997 und 2002 das Skispringen zu einer der populärsten Zuschauersportarten.

Mein Job war es, die passende Musik zu den von RTL als "Formel 1 des Wintersports" inszenierten TV-Übertragungen zu finden. Wir sprachen mit Hartmut Engler, dem Frontmann der Band "Pur", der ein gutes Gespür dafür hatte, was musikalisch bei der breiten Masse ankam. Und so schrieb der Schwabe einen Song: "Die Adler sollen fliegen, weit und hoch und frei" heißt es darin. Das Lied wurde ein Hit und wenn ich es heute höre, finde ich Text und Musik immer noch gut.

Adler haben die Menschen schon immer fasziniert. Herrscher schmückten sich mit ihnen und in vielen alten Sagen spielten sie tragende Rollen. Wie wunderbar ist es da, dass die "Könige der Lüfte", wie sie oft genannt werden, im Allgäu ganz nah sind. Aktuell gibt es in der Region Oberstdorf/Kleinwalsertal elf Adlerreviere und sieben der selten gewordenen Jungvögel schlüpften dort im vergangenen Jahr.

Als meine Familie und ich am Nebelhorn an den Himmel schauten, sahen wir über uns einen Steinadler majestätisch seine Kreise ziehen. Ein herrliches Bild. "Adler sind Vögel des Glücks: Wo der Adler kreist, ist die alpine Welt noch in Ordnung", sagt der Biologe Henning Werth, der als Gebietsbetreuer in den Allgäuer Hochalpen tätig ist. Die Oberstdorf-Kleinwalsertal Bergbahnen haben sich kürzlich ein neues Logo verpasst – es ziert jetzt ein Adler. "Mit der Bergfahrt ändert sich der Blickwinkel: Man sieht die Welt aus der Vogelperspektive und bekommt eine andere Sicht auf die Dinge", erklärt Bergbahn-Vorstand Dr. Andreas Gapp im Magazin "Gipfelglück" die Entscheidung für den edlen Vogel als einprägsames Markenzeichen.

Der absolute Lieblingsplatz meiner Kinder war in den vergangenen Tagen eine kleine Rodelbahn in der Nähe von Hirschegg. Sie wurden einfach nicht müde, mit ihren Zipfelbobs die wellige Bahn im idyllischen Ambiente vor dem beeindruckenden Berg-Panorama hinunter zu sausen. Der freundliche Mann am Transportband zur Startposition stammte aus Oberwiesenthal im Erzgebirge – "da wo auch der Jens Weißflog herkommt". Als ein Tourist aus den Niederlanden dynamisch einen "Ski-Doo" Motorschlitten verlangte, schüttelte der Josef im Ticket- und Schlittenverleihhäuschen den Kopf und sagte bestimmt: "Haben wir hier nicht und wollen wir hier auch nicht". Der Mann im Military-Skianzug trollte sich mit grimmiger Miene.

"Sepp" wie ihn hier alle nennen, grinste dagegen breit und erzählte mir von der Schönheit der Berge, der Ruhe auf dem Gipfel und wie er einst seine Frau auf einer Hütte kennengelernt hatte, als beide mit ihren Gruppen zwei Tage lang eingeschneit waren. Sepp gefällt das neue Erscheinungsbild der Bergbahnen mit den ausgebreiteten Schwingen des Adlers gut, obwohl er mir verschwörerisch erklärte: "Ich bin ganz sicher, dass die Vögel da oben oft ihre Köpfe über die Leute hier unten schütteln."

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