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Frauen-Bosse: "Geht nicht, gibt's nicht"

Dass Frauen in Führungspositionen immer noch eine Ausnahme sind, soll nicht so bleiben. Eine neue Generation weiblicher Top-Frauen setzt zum Sturm auf die Männer-Bastion an. Ihr Credo: Top im Job - und darüber reden!

Ihre durchaus komplizierte Tätigkeit bringt Susanne Klöß von der Unternehmensberatung Accenture mit einem einfachen Beispiel auf den Punkt: "Schauen Sie sich bei den Fernsehnachrichten das Laufband mit dem Xetra-DAX an. Dass es so etwas heute gibt, daran habe ich gearbeitet." Weltweit ist die Top-Managerin aus dem Konzern mit insgesamt 129.000 Mitarbeitern in Sachen elektronischer Börsenhandel tätig. Ob Hongkong, Shanghai, Johannesburg, New York oder London - die studierte Betriebswirtschaftlerin und Geschäftsführerin von Accenture ist überall für die moderne Variante des Aktien- und Derivatehandels aktiv.

Hohe Motivation

Dementsprechend ist der Arbeitsalltag der 41-Jährigen stark von Reisen geprägt: "Ich wache in einem Hotelzimmer auf, bin bei Kundenterminen, fahre zum Flughafen, bin im nächsten Hotel, halte Vorträge, fahre zum Flughafen und so weiter", erzählt sie. Ihr gefällt diese Art Berufsleben, erst recht, wenn es Herausforderungen bereithält. "Ungewöhnliche Situationen, in denen ich kreativ sein muss - da laufe ich zu Hochform auf", sagt sie mit sichtbarer Freude an ihrem Job. Ihre Motivation zieht sie auch aus dem Kontakt mit immer anderen Kulturen. "Ein Routinejob ohne Überraschungen, das wäre nichts für mich." Die Kraft dafür ist ihr quasi in die Wiege gelegt worden, denn das gelebte Credo ihres Elternhauses sei gewesen: "Was du schaffen willst, das schaffst du auch. Geht nicht, gibt's nicht."

Susanne Klöß entschied sich früh, dass eine Führungsposition ihr Ziel ist, und arbeitete darauf hin. Heute ist sie Managing Director Capital Markets und Partnerin des Unternehmens. Gelernt hat sie auf dem Weg dorthin, dass es nicht reicht, "nur" einen guten Job zu machen. "Tu Gutes und rede darüber, das gilt im Berufsleben", lautet die Erfahrung der Managerin, die in ihrer verbindlichen Art Selbstbewusstsein ausstrahlt, ohne überheblich zu wirken. Ihren Führungsstil beschreibt sie selbst als "integrativ kombiniert mit einer klaren Vision". Das heiße aber nicht, die eigenen Ideen um jeden Preis durchzusetzen. "Ich arbeite teamorientiert. Wenn es gute Argumente gibt, kann ich meine Haltung auch ändern. Aber: basisdemokratische Grundsatzdiskussionen führe ich nicht", stellt sie klar.

Europa staunt am stärksten über Top-Managerinnen

Ihre Branche ist nach wie vor von Männern dominiert, was auch mal zu schwierigen Situationen führen kann, wie sich Klöß lachend erinnert: "Ich hatte mit Mitarbeitern einen Termin bei Vorstandsmitgliedern eines deutschen Unternehmens. Die Herren begrüßten mich nett und freuten sich, dass ich zum Protokollführen an der Sitzung teilnehme." Es folgte peinliches Schweigen, als sie sich als die eigentliche Ansprechpartnerin outete. Klöß nahm es mit Humor und bot scherzhaft an, den Kaffee zu servieren. "Das hat die Lage dann schnell entspannt."

Dass Frauen in Führungspositionen immer noch Erstaunen auslösen, ist nach Klöß' Erfahrung vor allem ein Phänomen in Kontinental-Europa. In den USA seien Top-Managerinnen an der Tagesordnung und in Asien spiele nicht das Geschlecht, sondern die Position in der Hierarchie die entscheidende Rolle. Weil gerade in konservativen deutschen Firmen Frauen in der Chefetage immer noch eher ungewöhnlich sind, sieht Klöß hier zu Lande einigen Bedarf, sich für das Thema stark zu machen. "Ich bin der Ansicht, dass Unternehmen auch eine gesellschaftspolitische Verantwortung haben."

Engagement für weibliche Karrieren

Accenture gibt seit Jahren Frauenstudien heraus, die sich mit weiblicher Karriere beschäftigen. Klöß liegt das auch persönlich am Herzen: "Wenn man eine solche Position erreicht hat, sollte man auch zeigen, wie man sie erreichen kann. Gerade Frauen aber scheuen den Weg in die Öffentlichkeit. Diese muss man überwinden." Diese Haltung passt zu der aufgeschlossenen Frau, die zu ihren Hobbys das Fliegen zählt. Sie sagt lächelnd: "Selber zu fliegen, das macht die Zeit über den Wolken natürlich noch schöner."

Antje Homburger/AP / AP