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Lehrstellenrückgang: Bulmahn kündigt Ausbildungsgipfel an

Mit einem Bündnis für Ausbildung will Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn den großen Lehrstellenmangel bekämpfen. Am 29. April sollen Arbeitgeber und Gewerkschaften zu Gesprächen an einen Tisch.

Arbeitgeber und Gewerkschaften werden am 29. April mit Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement zu einem Spitzengespräch über die Lehrstellenmisere zusammenkommen. Wie Bildungsministerin Edelgard Bulmahn in der "Bild am Sonntag" ankündigte, soll mit Hilfe eines Bündnisses für Ausbildung jedem Jugendlichen zu einer guten Lehrstelle verholfen werden.

Starker Rückgang der Ausbildungsplätze

Nach den Daten der Bundesanstalt für Arbeit für März 2003 gibt es einen erheblichen Rückgang bei den gemeldeten betrieblichen Ausbildungsplätzen. Bundesweit wurden demnach 393.061 Ausbildungsplätze gemeldet, was im Vergleich zum März 2002 einem Rückgang um 58.476 oder 13 Prozent entspricht. Zugleich stieg wegen geburtenstarker Jahrgänge die Nachfrage. Bulmahn deutete an, dass der Bundesregierung an einer einvernehmlichen Lösung des Problems gelegen ist: Die von der Wirtschaft strikt abgelehnte Ausbildungsplatzabgabe werde bei dem Spitzengespräch keine Rolle spielen werde.

Bereitschaft ist da

Die Regierung ist vorsichtig optimistisch, dass es konkrete Absprachen zur Verbesserung der Ausbildungssituation geben wird. Bei den Unternehmen habe er "viel Bereitschaft feststellen können, sich an der Initiative für mehr Ausbildungsplätze zu beteiligen", sagte Bundeskanzler Gerhard Schröder kürzlich auf der Hannover Messe. Die Bereitschaft, sich um Ausbildung zu kümmern, sei in den Betrieben da und müsse unterstützt werden. Das sei das Ziel der Maßnahmen, die die Bundesregierung erwäge.

Darlehen für zusätzliche Ausbildungsplätze

Kernpunkt ist hierbei ein Konzept des Wirtschaftsministeriums im Rahmen des Regierungsprogramms "Kapital für Arbeit". Es sieht vor, Arbeitgebern für jeden zusätzlichen Ausbildungsplatz zinsgünstige Darlehen von bis zu 100.000 Euro anzubieten. Die Darlehen brauchen erst nach Ablauf von zwei beziehungsweise acht Freijahren in Raten getilgt werden. Das Angebot gilt für Betriebe und Freiberufler mit einem Jahresumsatz von bis zu 500 Millionen Euro. Allerdings bedarf das Konzept noch der Zustimmung der EU.

Vorschlag: Lehrlingsgehälter kürzen

Aus den Reihen der Arbeitgeber kam der Vorschlag, die Lehrlingsgehälter zu kürzen. "In wirtschaftlich schwierigen Zeiten könnte man sicherlich viele Unternehmen bewegen, zusätzliche Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen, wenn man ihnen erlaubt, Abschläge von zehn oder zwanzig Prozent vorzunehmen", sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ludwig Georg Braun. Dies sei ein Vorschlag, den die Tarifparteien diskutieren sollten.

Dramatische Zuspitzung im Herbst

Zuletzt hatte der Präsident der Deutsche Arbeitgeberverbände, Dieter Hundt, für den Herbst "ein dramatisches Lehrstellenproblem" vorausgesagt. Die allgemeine Entwicklung signalisiere, dass man in Deutschland mit bis zu 15 Prozent weniger Ausbildungsplätzen rechnen müsse, während die Nachfrage um ein bis zwei Prozent steige, sagte Hundt. In Zahlen bedeute dies, "dass zwischen 50.000 und 120.000 Jugendliche" keine Lehrstellen bekämen. Nach Einschätzung des Arbeitgeberpräsidenten ist eindeutig die schlechte wirtschaftliche Entwicklung für den Lehrstellenmangel verantwortlich.