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Spitzengehälter: Manager-Millionäre in der Kritik

Obwohl die Geschäfte der großen deutschen Konzerne nicht besonders gut laufen, beziehen die Vorstände noch immer Spitzengehälter - für die meisten Normalverdiener ein Aufreger.

Das durchschnittliche Jahresgehalt eines DaimlerChrysler-Vorstands beträgt 3.694.545 Euro, bei der Deutschen Bank sind es 2.063.500 Euro und bei Volkswagen immer noch 1.821.884 Euro. Und dies, obwohl die Geschäfte der großen deutschen Konzerne in diesen Zeiten allesamt nicht besonders gut laufen. Die Spitzengehälter in den Chefetagen der Wirtschaft - für die meisten Normalverdiener seit jeher ein Aufreger - haben kurz vor Weihnachten auch die Politik erzürnt.

Bundeskanzler Gerhard Schröder verlangte in einem Interview in der "Bild am Sonntag", die Manager-Gehälter künftig strikt an den Unternehmenserfolg zu koppeln. "Wer erfolgreich ist, soll ordentlich verdienen", billigte der SPD-Chef den Unternehmern zu. "Da bin ich überhaupt nicht neidisch. Aber wenn das nicht der Fall ist, müssen die Gehälter auch kräftig sinken." Zum Vergleich: Der Kanzler verdient rund 16.000 Euro brutto im Monat. Wie das gesamte Kabinett hat er auf die nächste Gehaltserhöhung verzichtet.

Eine Gehaltssteigerung von etwa 90.000 Euro

Bundestagspräsident Wolfgang Thierse wurde noch deutlicher. "Das ist ein obszöner Vorgang: An einem Ende verlangt man unvermeidliche Einbußen, am anderen steigen die ohnehin schon irrsinnigen Gehälter der Vorstandsmitglieder noch weiter", wetterte der SPD-Vize in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Reformbereitschaft und Verzichtskultur müssen in den oberen Etagen beginnen, wenn das Land schnell gesunden soll."

Auslöser des jüngsten Zorns ist eine Studie der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Demnach wurden die Vorstandsgehälter der 30 DAX-Firmen 2002 trotz Konjunkturkrise kräftig angehoben. Im Durchschnitt verdiente ein Vorstand 1,25 Millionen Euro - 90.000 Euro mehr als im Jahr zuvor. Zugleich schrieben mehrere Konzerne Milliardenverluste, in vielen Unternehmen wurden Stellen abgebaut, und die Einkommen der Normalverdiener stiegen kaum.

Eine satte Steigerung von 37,5 Prozent

Nach der DSW-Studie gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den Unternehmen. Mit Abstand am besten ließ sich bei DaimlerChrysler verdienen. Dort erhöhten sich die Vorstandsvergütungen binnen Jahresfrist um 130 Prozent. Dagegen zahlte der Chipproduzent Infineon den Vorständen "nur" 278.261 Euro - Schlusslicht im DAX. Allerdings bedeutete dies eine satte Steigerung von 37,5 Prozent.

Die Manager-Millionäre rechtfertigen die Erhöhung der Bezüge gern damit, dass im Ausland noch besser verdient wird. In der Tat liegen die Einkommen im internationalen Vergleich eher im Mittelfeld. Allerdings unterschlagen die deutschen Unternehmensführer gern, dass ihre Verträge in der Regel länger laufen und die Alters- und Abfindungsregelungen besser sind als bei den Kollegen im Ausland.

Geheimniskrämerei, wenn es ums Einkommen geht

Inzwischen sind sich viele Chefs bewusst, dass sie in Erklärungsnot geraten sind. Der Vorstandschef des Berliner Pharmakonzerns Schering, Hubertus Erlen (Jahresgehalt: 2,5 Millionen Euro), zum Beispiel sagte kürzlich: "Man nur schwer rechtfertigen, warum es nicht auch die Hälfte sein kann. Aber den Spitzenverdienern im Sport oder in der Kunst geht es da nicht besser."

In der Kritik stehen die Herren aus den Chef-Etagen auch, weil sie immer noch zu arger Geheimniskrämerei neigen, wenn es um das eigene Einkommen geht. Auch die DSW stützt sich bei ihrer Studie meist auf Schätzungen. Zwar weisen mittlerweile alle Dax-Unternehmen mehr oder weniger verständlich die Gesamtbezüge der Vorstände aus. Aber nur sechs (Altana, Bayer, Deutsche Bank, Deutsche Börse, SAP und ThyssenKrupp) verraten, wie viel jedes einzelne Vorstandsmitglied verdient.

Im nächsten Jahr soll dies besser werden. Nach der Empfehlung einer offiziellen Expertenkommission für bessere Unternehmensführung und -kontrolle ("Corporate Governance") sollen die Börsengesellschaften die Vorstandsgehälter künftig individuell offen legen. Allerdings erwartet kaum jemand, dass sich die Mehrheit der DAX-Firmen an die Empfehlung hält.

Christoph Sator, dpa