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Tarifstreit: Ärzte gehen für mehr Geld auf die Straße

Die Ärzte an kommunalen Krankenhäusern haben ihren Lohnforderungen mit Streiks und Demonstrationen Nachdruck verliehen. Die Ärzte-Gewerkschaft Marburger Bund will für die Mediziner über zehn Prozent mehr Lohn erwirken - ohne jedoch die Patientenversorgung zu gefährden.

Mehrere tausend Ärzte haben bundesweit an kommunalen Kliniken zeitweise die Arbeit niedergelegt, um die Forderung nach deutlichen Gehaltserhöhungen zu unterstreichen. Wie der Marburger Bund berichtete, waren rund 200 Kliniken von den Warnstreiks betroffen. In Wiesbaden begann die vierte Runde der Tarifverhandlungen zwischen der Ärzteorganisation und dem Verband der kommunalen Arbeitgeberverbände. Schwerpunkte der befristeten Arbeitsniederlegungen waren Kliniken in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen.

Die Ärzteorganisation Marburger Bund fordert für die Beschäftigten durchschnittlich 10,19 Prozent mehr Geld sowie die Angleichung der Gehälter in Ost- und Westdeutschland. Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände bezeichnete hat die Forderung als unfinanzierbar. Der Verhandlungsführer des Marburger Bundes, Lutz Hammerschlag, drohte mit regulären Streiks an den kommunalen Kliniken, sollten die Arbeitgeber nicht bald ein verhandlungsfähiges Angebot vorlegen: "Das geht sehr schnell." Die Ärzteorganisation fordere für die kommunalen Krankenhäuser nichts Unmögliches, sondern lediglich ein Gehaltsniveau, das für Kliniken in anderer Trägerschaft bereits in der Vergangenheit ausgehandelt worden sei.

Demonstranten mit Trillerpfeifen

Streikende Ärzte zogen mit Trillerpfeifen und Transparenten durch Wiesbaden. Der Marburger Bund sprach von etwa 1.500 Demonstranten. Die Polizei zählte 1.200 Teilnehmer. Der Vorsitzende des Marburger Bundes, Rudolf Henke, bezeichnete die Forderung von 10,19 Prozent als maßvoll und bescheiden: "Wir wissen um die Lage der Kommunen." Eine noch stärkere Lohnzurückhaltung sei aber der falsche Weg: "Wir können nicht die Probleme eines Krankenhausfinanzierungssystems lösen, das auf die Intensivstation gehört."

In Nordrhein-Westfalen waren von den Warnstreiks insgesamt 24 Kliniken betroffen, unter anderem in Dortmund, Düsseldorf, Essen und Köln. In Rheinland-Pfalz waren es neun Kliniken. In Baden-Württemberg waren Ärzte in 17 Städten zu Warnstreiks an kommunalen Kliniken aufgerufen. Die Kliniken von Kiel und Eckernförde wurden in Schleswig-Holstein vorübergehend bestreikt. In einigen Krankenhäusern gab es ganztägige Streiks, in anderen sogenannte aktive Mittagspausen, um für die Forderungen der Ärztegewerkschaft zu demonstrieren.

Patientenversorgung gewährleistet

Der Marburger Bund hatte im Vorfeld zugesichert, dass die Patientenversorgung unter dem Warnstreik nicht leiden wird. Wie ein Sprecher erklärte, mussten nur vereinzelt geplante Operationen abgesagt werden. In den bestreikten Kliniken gab es eine Notversorgung. An den rund 700 kommunalen Krankenhäusern in Deutschland sind nach Angaben des Marburger Bunds etwa 55.000 Mediziner beschäftigt.

AP / AP