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Vorstandsbezüge: Das verdienen deutsche Firmenbosse

Die Vorstände der 30 deutschen DAX-Unternehmen müssen nicht am Hungertuch nagen: Neben ihrem Gehalt beziehen die meisten noch einen erfolgsabhängigen Bonus und andere Zulagen.

Bekannt sind derzeit folgende Gehälter (Stand 2004): Der Versicherungskonzern Allianz hat erstmals die Gehälter seiner Spitzenmanager einzeln offen gelegt. Das variable Gehalt hängt von der Gewinnentwicklung ab. Demnach erhielt Allianz-Chef Michael Diekmann 2004 rund 2,556 Millionen Euro als Barvergütung, das waren drei Prozent mehr als im Vorjahr. Der Betrag umfasste ein Fixgehalt von 900.000 Euro sowie einen Jahresbonus von rund 1,656 Millionen Euro. Insgesamt beliefen sich die fixen und variablen Bezüge der aktiven Vorstandsmitglieder auf 25,6 Millionen Euro. Ende 2004 hatte der Allianz-Vorstand zehn aktive Mitglieder.

adidas-Salomon

will an einer Gesamtveröffentlichung festhalten. Danach erhielten die sieben Vorstandsmitglieder (2003) insgesamt 7,5 Millionen Euro. Der Pharma-Konzern

Altana

schlüsselt die Gehälter auf: Für vier Vorstandsmitglieder wurden 4,68 Millionen Euro ausgegeben - Vorsitzender Nikolaus Schweickart erhielt 1,7 Millionen. Bei der

Bayer AG

, die ebenfalls einzeln ausweist, erhielt Vorstandschef Werner Wenning einschließlich Konzernzulage und variabler Tantieme 1,6 Millionen Euro. Die anderen drei Vorstände bekamen jeweils gut 900.000 Euro. BASF schlüsselt nicht auf und zahlte für alle acht Mitglieder - fest und variabel zusammengerechnet - 11,9 Millionen Euro.

BMW nennt nur die Gesamtvergütung und will dies vorerst auch nicht ändern. Die sechs Vorstandsmitglieder erhielten 10,7 Millionen Euro. Die Commerzbank weist die Vorstandsbezüge bedingt einzeln aus. Die sieben Mitglieder kommen auf sieben Millionen Euro, wobei Vorsitzender Klaus-Peter Müller 1,42 Millionen kassiert. Der Autozulieferer Continental gibt keine individualisierten Zahlen bekannt, will sich aber an der künftigen Entwicklung orientieren. Die sechs Vorstandsmitglieder erhielten 5,4 Millionen Euro. Ebenso nannte DaimlerChrysler bisher nur eine Gesamtzahl: Die 14 Vorstände erhielten 40,8 Millionen Euro, wobei der variable Anteil von 27,4 Millionen den fixen von 13,4 Millionen Euro weit übersteigt.

Drei Mitglieder des Vorstandes der

Deutschen Bank

erhielten einzeln ausgewiesen je 800.000 Euro fix, Vorsitzender Josef Ackermann 1,2 Millionen. Dazu kamen Boni von je 2,9 Millionen, beziehungsweise 6,6 Millionen Euro für Ackermann. Einschließlich aktienbasierter Vergütungen wurden für die vier Vorstände 28 Millionen Euro ausgewiesen. Bei der

Deutschen Börse

ergibt der Einzelnachweis für die sechs Vorstandsmitglieder neun Millionen Euro, wobei Vorsitzender Werner Seifert 2,3 Millionen Euro erhielt.

Post

-Vorstandschef Klaus Zumwinkel erhielt mehr als 1,72 Millionen Euro - je zur Hälfte ein Fixum und ein Bonus. Dabei sind Aktienoptionsrechte nicht eingerechnet. Insgesamt bezog der achtköpfige Vorstand 10,2 Millionen Euro - ohne zusätzlich mehr als eine Million Aktienoptionsrechte. Bei der

Deutschen Telekom

erhielt Vorstandschef Kai-Uwe Ricke 2003 ein Fixum von 1,25 Millionen Euro und eine variable Vergütung von 1,37 Mio Euro, insgesamt also 2,62 Millionen Euro. Auf die übrigen sechs Vorstandsmitglieder entfiel eine Summe von 9,51 Millionen Euro, davon waren 4,8 Millionen Euro das Fixum. Die nicht individualisierten Bezüge für sechs Vorstände von

E.ON

beliefen sich auf 17,4 Millionen Euro. Das Energie-Unternehmen wendet sich gegen eine Aufschlüsselung der Gehälter.

Fresenius Medical Care weist die Vorstandsbezüge nicht einzeln aus und gibt die Gesamtsumme für acht Mitglieder mit 3,4 Millionen Euro an. Der Waschmittel-Konzern Henkel gibt für sieben Manager 11,65 Millionen Euro an. Die HypoVereinsbank gab die Bezüge für sechs Vorstandsmitglieder mit acht Millionen Euro an. Auch bei Infineon gibt es derzeit keine Bestrebungen, den Einzelausweis einzuführen. Im Geschäftsjahr 2002/2003 wurden an fünf Manager insgesamt zwei Millionen Euro und 750.000 Aktienoptionen gezahlt.

Der Anlagenbauer und Gasespezialist Linde unter Vorstandschef Wolfgang Reitzle gab die Gesamtsumme für die vier Vorstände mit 6,9 Millionen Euro an. Reitzle sagte kürzlich, die Veröffentlichung einzelner Summen bewirke lediglich "eine Nivellierung der Vorstandsgehälter nach oben". Der Lufthansa-Vorstand - seit Juni 2003 nur noch drei statt vier Mitglieder - verdiente 1,8 Millionen Euro fix. Tantiemen gab es im vergangenen Jahr keine, eine individualisierte Veröffentlichung ist "aus Gründen der Privatsphäre" nicht geplant, hieß es. MAN gibt Gesamtvergütungen für acht Manager von 5,29 Millionen Euro an.

Die Gesamtvergütungen der vier Vorstandsmitglieder bei

Metro

wurden mit 7,7 Millionen Euro angegeben.

Münchener-Rück

-Chef Nikolaus von Bomhard wendet sich strikt gegen einen Einzelausweis der Gehälter. Er halte Pläne für eine entsprechende gesetzliche Regelung für verfassungsrechtlich bedenklich, sagte er unlängst: "Es geht um die Rechte der Persönlichkeit." Die Bezüge für die zwölf Vorstands-Manager lagen bei 12,1 Millionen Euro. Der Energie-Riese

RWE

zahlte für vier Vorstandsmitglieder insgesamt 7,49 Millionen Euro, davon an Vorstandschef Harry Roels 2,48 Millionen. Alle Zahlen sind im Geschäftsbericht detailliert aufgeführt.

Die Software-Schmiede SAP gab an sieben Vorstände 17,9 Millionen Euro. Davon waren 3,3 Millionen Euro fest und 14,5 Millionen variabel. Vorstandschef Henning Kagermann verdiente 3,3 Millionen Euro. ThyssenKrupp bezahlte seine acht Vorstandsmitglieder im Geschäftsjahr 2002/2003 mit 7,65 Millionen Euro. Vorstandschef Ekkehard Schulz bekam 792.000 Euro Fixum und 643 500 variabel. Der Pharma-Konzern Schering gab die Bezüge für die sechs Vorstandsmitglieder mit 11,16 Millionen Euro an - für Vorstandschef Hubertus Erlen waren es 2,18 Millionen. Siemens zahlte seinen zwölf Vorständen 31,6 Millionen Euro. Der Siemens-Konzern hat erstmals die individuellen Gehälter seiner Führungskräfte vorgelegt. Vorstands-Chef Heinrich von Pierer verdiente laut Geschäftsbericht im Geschäftsjahr 2003/04 insgesamt rund 4,6 Millionen Euro.

Beim Reise-Konzern

TUI

ist über eine künftige Einzelausweisung noch nicht entscheiden. Der im vergangenen Geschäftsjahr siebenköpfige Vorstand um den Vorsitzenden Michael Frenzel wurde mit 9,3 Millionen Euro bezahlt. "Der Geschäftsbericht der

Volkswagen AG

weist die Vorstandsbezüge gesammelt aus. Wir haben keine Veranlassung, dies zu ändern", sagte ein VW-Sprecher. 2003 betrugen die Einkünfte der damals acht Mitglieder um den Vorsitzenden Bernd Pischetsrieder 13,8 Millionen Euro.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz hat in einer Rangliste die Vorstandsgehälter aller 30 Dax-Unternehmen zusammengestellt. Darin sind feste und variable Gehälter für 2003, nicht aber der Wert von Aktienoptionen enthalten. Die Optionen können allerdings zusätzlich beträchtliche Summen ausmachen. Die Vereinigung beruft sich auf Angaben der Unternehmen sowie eigene Schätzungen.

Die Vorstandgehälter der Dax-Unternehmen

normales Vorstandsmitglied
im Schnitt, in Mio Euro
Vorstandsvorsitzender
in Mio Euro
Deutsche Bank3,7267,70
Daimler Chrysler2,9855,20
E.ON2,8004,90
SAP2,1823,40
Siemens2,0513,60
Schering1,8762,20
RWE1,6702,50
Metro1,6212,80
Deutsche Telekom1,6092,60
Allianz1,5942,80
BMW1,5852,80
VW1,5342,70
Henkel1,4012,20
BASF1,2582,20
Linde1,155max. 2,3
Deutsche Börse1,1552,20
Münchener Rück1,1001,90
Deutsche Post1,0981,70
TUI1,0891,90
Infineon1,0781,90
Altana0,9941,70
Continental0,9731,70
Adidas-Salomon0,9431,65
Commerzbank0,9151,42
Bayer0,9111,60
Hypo-Vereinsbank0,9001,40
Thyssen-Krupp0,8871,40
MAN0,6300,90
FMC0,4480,80
Lufthansa0,4430,80
Durchschnitt1,4202,43

(Quelle: Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Studie zur Vorstandsvergütung)

spi mit DPA