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Mercedes Car Group: Ein harter Brocken für den neuen Chef

Der neue Mercedes-Chef Eckhard Cordes ist ein disziplinierter Manager. Wie von ihm angekündigt, erfuhr die Öffentlichkeit bislang kein Sterbenswörtchen über seine Pläne. Aber sein Ziel dürfte klar sein: zurück in die schwarzen Zahlen.

Der seit Anfang Oktober amtierende Eckhard Cordes hat sich eine 100-Tages-Frist gesetzt und will sich im Januar auf der Autoshow in Detroit erstmals zu den Problemen äußern, die bei der Mercedes Car Group (MCG) zusammengefasst Kleinwagen, Kosten und Qualität heißen. Intern hat Cordes allerdings schon rege Aktivitäten entfaltet. Wie aus dem Konzern zu hören ist, will er dort, wo es nötig ist, streng nach dem dem Motto verfahren: "Back to black" - zurück zu schwarzen Zahlen.

smart steht nicht zur Disposition

So soll Cordes klar gemacht haben, dass die weiter in den roten Zahlen steckende Kleinwagenmarke smart nicht zur Disposition steht. Allerdings dürften bei smart alle Projekte nochmals auf den Prüfstand kommen - vom Geländewagen-Projekt smart formore bis zur Frage eines künftigen Partners, falls Mitsubishi bei den Folgeprojekten der Viersitzer-Reihe nicht mehr als Partner zur Verfügung stünde. smart wird nach Informationen aus Konzernkreisen noch enger an die Konzern- Kandare genommen, aber vor allem wird die gesamte Kleinwagenstrategie von DaimlerChrysler überprüft und gegebenenfalls neu definiert. Eine Chance für smart dürfte auch in China liegen. "Gerade in überlasteten Städten besteht dort für Premium-Kleinwagen ein gutes Potenzial", sagte der Automobilwissenschaftler Prof. Ferdinand Dudenhöffer der dpa. Eine Machbarkeitsstudie läuft bereits.

Die Kostenstrukturen im Konzern sind nach der Tarifeinigung vom Juli (500 Millionen Euro jährliche Einsparungen gegen Beschäftigungsgarantie bis Anfang 2012) verbessert worden. Allerdings dürfte die Beschäftigungsgarantie noch einige Sorgen bereiten, wenn Volumenmodelle wie die C-Klasse infolge des natürlichen Lebenszyklusses eines Autos etwa im Jahr 2006 mit deutlich niedrigeren Stückzahlen gebaut werden. Der Neuanlauf der C-Klasse im Jahr 2007 gilt als eine der großen Herausforderungen für Cordes, zumal hier auch noch Modell-Entscheidungen etwa für einen kleinen Geländewagen zu treffen sind, der dem BMW X3 Paroli bieten soll.

Kosten wieder deutlicher auf dem Prüfstand

Angeblich hat Cordes ein geplantes Projekt für einen weiteren Supersportwagen nach dem SLR im Zusammenarbeit mit der Formel 1-Schmiede McLaren beendet. Dies ist keine spektakuläre Entscheidung, verdeutlicht aber, dass jetzt ein Kosten- und Strategiemanager das Heft bei Mercedes in der Hand. Die Modelloffensive seines Vorgängers Jürgen Hubbert, die mit der neuen B-Klasse, der neuen R-Klasse (Luxus-Reisemobil mit drei Sitzreihen) und den neuen Modellen der M- und S- Klasse 2005 ihren Höhepunkt erlebt, wird im Konzern weiterhin ausdrücklich als sehr erfolgreich bewertet.

Auch Dudenhöffer meint: "Von den Innovationen und neuen Modellen ist Mercedes gut aufgestellt, da hat Hubbert ein sehr gut bestelltes Haus übergeben." 2005 sei ein Übergangsjahr mit voraussichtlich einer Gewinnsteigerung für die Car Group, aber der große Sprung folge dann 2006, betont der Wissenschaftler vom Center of Automotive Research an der FH Gelsenkirchen.

Qualitätsverbesserungen knabbern am Gewinn

Für den schwäbischen Autobauer von hoher Bedeutung dürften Cordes' Anstrengungen bei der Optimierung der Prozesse, des Vertriebs und der Qualität sein. Allein die Maßnahmen für die Qualitätsverbesserung dürften den Mercedes-Gewinn 2004 um mehrere hundert Millionen Euro geschmälert haben. Die Liste der Nachbesserungen etwa, die die Mercedes-Werkstätten für die aktuelle E-Klasse erhielten, war vier DIN A 4-Seiten lang - das geht enorm ins Geld. Dass Deutschland-Vertriebschef Eckhard Panka in den Ruhestand gehen musste, zeigt nach Ansicht von Beobachtern, dass Cordes harte Maßnahmen nicht scheut, um Vertrieb und Qualität zu optimieren. "Beim Thema Qualität und Abläufe wird man bald die Handschrift von Cordes erkennen können", meint denn auch Dudenhöffer.

Danach kann sich Mercedes wieder auf das Rennen mit dem Dauerrivalen BMW konzentrieren. Denn 2004 könnten die Münchner erstmals seit Jahren beim Absatz an den Stuttgartern vorbeiziehen - ein Schlappe, die Mercedes unbedingt korrigieren will.

Frank Heidmann, dpa / DPA