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Lieferengpässe Sneaker, Bücher, Nudeln: Diese Waren drohen bald knapp zu werden

Leeres Supermarktregal
An dieses Bild erinnern sich viele Verbraucher:innen ungern zurück: Die leeren Supermarktregale aus dem ersten Lockdown könnten bald zurückkehren
© Jan Woitas / DPA
Seit mehreren Wochen machen Lieferengpässe auf dem Elektronikmarkt und in der Industrie, ein steigender Arbeitskräftemangel und die Folgen der Pandemie der Weltwirtschaft zu schaffen. Diese Übersicht zeigt Ihnen, was in naher Zukunft nicht mehr erhältlich sein könnte.
In Deutschland werden viele verschiedene Waren in den letzten Wochen nach und nach immer knapper. Einige Verbraucher:innen sorgen sich bereits vor einer gähnenden Leere unter dem Weihnachtsbaum. Von Turnschuhen, über Handys bis hin zu Büchern. Nahezu alle Branchen erleben momentan einen Mangel. Für dieses Phänomen gibt es mehrere Gründe.
Die bisher am meisten diskutierte Herleitung sind Engpässe einzelner Materialien in der Produktion. Laut einer Befragung des Münchener ifo-Instituts sind derzeit drei von vier Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes von diesen Engpässen betroffen. Das betrifft sowohl Mikrochips, die in der Elektrotechnik in Computer und Smartphones verbaut werden, aber auch rudimentärere Komponenten wie fehlenden Schrauben im Maschinenbau.

Corona-Pandemie führt zu Lieferengpässen

Der Hauptgrund für die derzeitige Knappheit sind jedoch die Auswirkungen der Corona-Pandemie und die zwischenzeitlichen Schließungen einzelner Werke und Betriebe. So schnell wie Produktionen und Logistikkapazitäten im letzten Jahr weltweit heruntergefahren wurden, so schnell zog die Nachfrage in den vergangenen Monaten auch wieder an. Die staatlichen Hilfs- und Konjunkturprogramme führten dazu das immense finanzielle Notlagen bei vielen Bürger:innen ausblieben.
Im Moment mangelt es sowohl an Schiffen und Transportern, sowie an dem Personal, welches die Waren von einem Ort zum anderen bringt. Im globalen Schiffverkehr herrscht größtenteils sogar Stillstand. Chinas Hafenterminals werden bei Corona-Ausbrüchen kurzfristig  komplett geschlossen, wichtige britische Häfen werden nicht mehr angefahren, weil Lastwagenfahrer:innen fehlen, um die Ware abzutransportieren und in Hamburg kommt es zu mehrwöchigen Verspätungen. All das führt zu Frachtraten, die so teuer sind, dass es sich kaum noch lohnt, Güter zu verschicken. Zudem gibt es einen weitreichenden Mangel an qualifizierten Transportabeiter:innen. Ein großer Teil von ihnen hat sich in der Corona-Pandemie einen verlässlicheren Job gesucht.
Zwar gehen die meisten Wirtschaftsexperten von einer Entspannung im kommenden Jahr aus, allerdings warnten internationalen Wirtschaftsorganisationen vor kurzem im Rahmen der UN-Vollversammlung vor einem Zusammenbruch der globalen Lieferketten.
Diese Übersicht zeigt Ihnen, welche Lebensmittel und alltägliche Waren in den nächsten Monaten knapp werden könnten:

Hausgeräte

Von dem Mangel an Mikrochips sind nicht nur Elektronik-Hersteller betroffen. Auch bei Haushaltsgeräten macht sich der Mangel bemerkbar. Neben den Halbleitern werden auch wichtige Metalle und Kunststoffe immer knapper. Kund:innen müssen für einen neuen Geschirrspüler schon jetzt mehrere Monate Wartezeit einplanen. Die Branchenriesen Miele und Bosch mussten die Produktion in den letzten Wochen bereits pausieren und erwarten zusätzliche Unterbrechungen über den Herbst und Winter.

Bäder und Möbel

Im Lockdown waren sie die großen Gewinner: Nicht nur durften Baumärkte auch in Zeiten strenger Kontaktbeschränkungen ihre Tore offen halten, Viele nutzen die Zeit zu Hause auch noch für eine ausführliche Renovierung. Nun leiden laut dem ifo-institut 99 Prozent aller Baumärkte und Möbelhäuser unter Lieferproblemen. Grund sind die gestiegene Nachfrage in nahezu allen Bereichen und hohe Holzpreise. Der aktuelle Preis lag laut Hauptverband der Deutschen Bauindustrie im September um 137 Prozent über dem Vorjahr.
Das beliebte Möbelhaus Ikea hat nun selbst Schiffe gechartert und Container gekauft um den Entwicklungen zu trotzen. Doch auch hier sind etliche Produkte derzeit nur eingeschränkt verfügbar. Neben Holz mangelt es an Polsterschaum, Stoffen, Beschlägen und Verpackungen.

Sneaker

Der derzeitige Mangel an Sneakern ist nur bedingt durch die sonst übliche Faktoren zu erklären. Hinter den Mangel an den begehrten Turnschuhen von Nike, New Balance und Adidas steckt die derzeit in Südvietnam um sich greifende Delta-Variante des Coronavirus. Dort werden die meisten der üblichen Marken hergestellt. Aufgrund der geringen Impfquote hat die vietnamesische Regierung große Fabriken kurzfristig dicht gemacht. Adidas hat die Produktion nun kurzfristig in andere Länder verlegt. Ob das eine nachhaltige Lösung ist, bleibt fraglich. Was feststeht: Alle Hersteller gehen davon aus, die nächsten Kollektionen später oder gar nicht liefern zu können.

Fahrräder

In der Corona-Pandemie ging die Nachfrage nach Fahrrädern durch die Decke. Insbesondere E-Bikes waren bei vielen Menschen sehr gefragt. In Zukunft sollten Radfahrer:innen aber besonders vorsichtig mit ihren Modellen umgehen. Wegen des Rohstoffmangels kommt es bei den Lieferketten von Ersatzteilen, wie Rahmen oder Bremsen zu extrem langen Verzögerungen. Verbände gehen davon aus, dass sich die Lage frühestens 2023 wieder verbessern könnte.

Smartphones und Computer

Vor kurzem stellte Apple die neuen Modelle seines iPhones sowie eine neue MacBook-Reihe vor. Apple-Fans müssen sich allerdings noch in Geduld üben. Wer derzeit ein neues Handy sucht, muss in den meisten Fällen mindestens einen Monat warten. Hohe Nachfragen und ein Mangel an Mikrochips sind die Gründe für die Engpässe. Diese wirken sich auch auf die Spieleindustrie aus. Sowohl Sonys Playstation 5 als auch Microsofts Xbox Series X sind in den nächsten Wochen nicht lieferbar. Händler wie Media Markt und Saturn rechnen in den kommenden Monaten mit weniger Auswahl in den Regalen.

Mode

Auch in der Modeindustrie kommt es derzeit zu verzögerten Lieferzeiten. Einer gemeinsamen Umfrage der Handelsverbände Textil, Schuhe und Lederwaren nach zufolge, verzeichnen lediglich fünf Prozent der Unternehmen keine Ausfälle in der Herbst- und Winterware. Die schwedische Kette H&M berichtete bereits Ende September von Lieferengpässen. Für das gesamte laufende Quartal sind Verzögerungen zu erwarten.
Auch die Marken Abercrombie & Fitch, Boohoo und Online-Markt Asos berichten von Lieferschwierigkeiten und hohen Rohstoffpreisen. Der deutsche Discounter Aldi Nord musste den Verkaufsstart seiner jüngsten Fashion-Kollektion verschieben. Grund dafür sind die staatliche Restriktionen zur Eindämmung einer um sich greifenden Corona-Welle in Vietnam. Sollten diese weiter anhalten, könnten bald noch deutlich mehr Brands betroffen sein – denn auch große Marken wie Ralph Lauren, North Face und Zara produzieren hier.

Spielwaren

Für die Produktion von Legosteinen, Playmobil-Figuren und Modelleisenbahnen braucht es eine Menge Kunststoff. Auch Kautschuk, Holz und Mikrochips werden zu Teilen für die Herstellung verwendet. Das Problem: Alle diese Einzelteile sind momentan schwer zu bekommen. Gegenüber dem Fernsehsender n-tv prognostizierte der Geschäftsführer des Deutschen Verbands der Spielwarenindustrie, Ulrich Brobeil, jüngste ein schwieriges Weihnachtsgeschäft.

Papier

Eine essentieller Teil in der Papierproduktion ist Zellstoff. Dieser ist momentan schwer zu bekommen. Die Kosten für den Transport sind in die Höhe geschossen. Zudem wird das Holz, aus dem der Zellstoff gewonnen wird, derzeit knapp. Besonders der chinesische Markt überlastet das Geschäft. Die Folge sind massive Verzögerungen. Hinzu kommt, dass seit der Pandemie weniger recyceltes Altpapier vorhanden ist. Wer also zu Weihnachten ein Buch verschenken will, sollte sich beeilen. Neuerscheinungen könnten sich aufgrund der aktuellen Lage verzögern und Nachdrucke haben schon jetzt lange Lieferzeiten.

Autos

Der Chip-Mangel macht auch Volkswagen zu schaffen. Dem deutschen Autobauer droht in seinem Wolfsburger Werk die schwächste Produktion seit über 60 Jahren. Das größte Volkswagen-Werk muss Teile seiner Produktion schließen. Für die Produktion von Scheibenwischer, Zentralverriegelung und das Unterhaltungssystem fehlen Mikrochips. Um einen Teil des Bedarfs selbst zu decken, will sich Volkswagen nun selbst an der Chip-Entwicklung beteiligen. Die Engpässe werden sich aufgrund der derzeitigen Situation aber wohl bis ins nächste Jahr schleppen.

Lebensmittel

An diese Bilder aus dem ersten Corona-Lockdown erinnert man sich nicht allzu gern zurück: Leere Supermarktregale und ein verheerender Mangel an Nudeln und Toilettenpapier. Aufgrund dürftiger Weizenernten in Kanada könnte es in den nächsten Wochen erneut zu einer Knappheit an Hartweizenprodukten kommen. Ein eingeschränktes Angebot und deutliche Preissteigerungen sind zu erwarten.
Auch bei Shampoo und Zahnpasta könnten bald einige Engpässe auftreten. Bei der Flutkatastrophe im Sommer wurden einige Lagerhallen überschwemmt, was sich noch immer auf den Markt auswirkt, da sich die Suche nach Nachschub als äußerst schwer erweist.
Lieferengpässe: Sneaker, Bücher, Nudeln: Diese Waren drohen bald knapp zu werden
Sehen Sie im Video: Der Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung warnt vor einer Verschlechterung der Versorgungssituation wie in England.
Quellen: Die ZEIT, ifo-InstitutWirtschaftsWoche, Neue Westfälische, Handelsblatt

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