Allianz mit Suzuki VW greift nach der Weltspitze


VW ist auf dem Weg zur weltweiten Nummer 1. Die Wolfsburger rücken mit dem Einstieg bei Suzuki dicht an Toyota heran - und haben einen riesigen Zukunftsmarkt im Visier.
Von Heimo Fischer und Gregor Haake

Volkswagen drückt auf dem Weg an die Weltspitze mächtig aufs Tempo. Nur zwei Tage nach dem Einstieg bei Porsche gab der Wolfsburger Konzern eine strategische Allianz mit dem japanischen Auto- und Motorradbauer Suzuki bekannt. Dazu wird sich Europas größter Autokonzern mit 19,9 Prozent an dem Kleinwagenspezialisten beteiligen. VW zahlt dafür 1,7 Milliarden Euro.

Im Gegenzug werde Suzuki bis zur Hälfte des erhaltenen Kaufpreises in VW-Aktien investieren, teilte Volkswagen mit. Die Transaktion soll bereits Anfang nächsten Jahres abgeschlossen sein. Ihr müssen die Wettbewerbsbehörden noch zustimmen. Über den Einstieg war schon lange spekuliert worden. VW betonte, im Rahmen der angestrebten Partnerschaft solle die Eigenständigkeit der beiden Konzerne gewahrt bleiben. Damit dürfte Suzuki in naher Zukunft nicht als elfte Marke in den Wolfsburger Konzern eingegliedert werden. Die Anleger honorierten den Schritt. Die Aktien von VW und Suzuki legten deutlich zu.

Zugang zum indischen Markt

Mit dem Vorhaben setzt VW seine milliardenschwere Einkaufstour fort. Die neue Allianz könnte dem Autobauer Zugang zum rasant wachsenden Automarkt Indien verschaffen. Suzuki hat dort gemeinsam mit seiner Tochter Maruti einen Marktanteil von über 50 Prozent. Der Konzern hat zudem eine starke Stellung im japanischen Kleinstwagengeschäft. In Asien ist VW bislang vor allem in China vertreten - mit einem Anteil von rund 20 Prozent am Automarkt.

In Indien hatten die Wolfsburger dieses Jahr eine neue Fabrik in der Nähe der Stadt Pune eröffnet. Noch verkauft das Unternehmen dort vergleichsweise wenig Autos. Nach dem Willen der Konzernspitze soll der Absatz bei indischen Kunden in den kommenden Jahren stark steigen. Sollte VW eine Mehrheitsübernahme von Suzuki gelingen, würde der Konzern sogar Branchenführer Toyota abhängen. "An VW vorbei könnte Suzuki dann nur noch schwer geschluckt werden", sagte ein Banker.

Gegenmaßnahmen von Toyota erwartet

Im Sommer hatte VW den Machtkampf mit Porsche gewonnen und am Montag zunächst für 3,9 Milliarden Euro die Häfte des Sportwagenbauers erworben. 2008 übernahm Europas größter Autobauer die Mehrheit am Lkw-Hersteller Scania . Damit zählt das Unternehmen zehn Marken. Mit dem Blick auf den Kauf weiterer Hersteller hatte VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch jüngst gesagt: "Ein Dutzend kann man sich leichter merken als zehn." Vorstandschef Martin Winterkorn hatte vor kurzem vor seinen Aktionären bekräftigt, dass der Hersteller bis 2018 zur Nummer eins im weltweiten Automarkt aufsteigen will.

Allerdings gehen Branchenbeobachter davon aus, dass der Rivale aus Japan Volkswagens Einstieg bei Suzuki zu torpedieren versucht. "Toyota wird vermutlich über Gegenmaßnahmen nachdenken", sagte Helmut Becker, Autoexperte vom Münchner Institut für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation. Für Toyota ist Indien ebenfalls ein wichtiger Absatzmarkt für Kleinwagen.

"Von Suzuki könnte man eine Menge lernen"

Der Kauf von Suzuki ist eine weitere schwere Belastung für VW. Der Hersteller ist gerade dabei, den Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche als zehnte Konzernmarke aufzunehmen. Am Montag hatten die Wolfsburger 49,9 Prozent der Porsche AG für 3,9 Milliarden Euro übernommen. Bis 2011 soll das Stuttgarter Unternehmen vollständig im VW-Konzern aufgehen. Finanziell kann VW den Einstieg bei Suzuki problemlos stemmen.

Die Aktionäre haben die Konzernspitze dazu ermächtigt, innerhalb von fünf Jahren bis zu 135 Millionen neue Vorzugsaktien auszugeben. Das entspricht etwa einem Gegenwert von 8,6 Milliarden Euro - genug, um eine wesentliche Forderung des Konzernchefs zu erfüllen: Winterkorn hat stets betont, die Kreditwürdigkeit müsse unangetastet bleiben. Der mächtige VW-Aufsichtsratschef Piëch hatte mehrfach signalisiert, dass ihn Suzuki als weitere Konzernmarke interessiert. Auch von anderen VW-Aufsichtsräten hatte es immer wieder geheißen, der Konzern sei interessiert. "Wenn es dazu kommen sollte, könnte man von Suzuki eine Menge lernen." Selbst die Motorradsparte sei für VW interessant, da in Schwellenländern die individuelle Mobilität meist mit Motorrollern und Kleinkrafträdern beginne.

Suzuki hilft VW im Billigsegment

Technologisch könnten sowohl VW als auch Suzuki von einer Zusammenarbeit profitieren. Mit dem Modell Up haben die Wolfsburger zwar ab 2011 einen eigenen Kleinstwagen im Programm. Mit den günstigen Modellen von Suzuki könnte VW das Billigsegment darunter noch abdecken. Ein hochrangiger Suzuki-Manager hatte jüngst gesagt: "Für Suzuki und VW wäre diese Verbindung eine Win-win-Situation - Suzuki hätte Zugriff auf eine Vielzahl von VW-Technologien, während Volkswagen ein solides Standbein in Indien und in Südostasien erhielte."

Schließlich leidet auch Suzuki unter der momentanen Absatzkrise, ist aber seit 30 Jahren profitabel. Erst vor wenigen Tagen hatte Peugeot angekündigt, sich mit Mitsubishi verbünden zu wollen - um den asiatischen Markt zu erschließen. Seit Langem besteht zudem eine Allianz zwischen Renault und Nissan .

FTD

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