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Autokrise: Verwirrung um Opel-Milliarden

Verwirrung um die Kosten für eine mögliche Eigenständigkeit von Opel: Laut Informationen der Nachrichtenagentur DPA beziffert der Autobauer den Kapitalbedarf auf acht bis neun Milliarden Euro. Eine Summe, die der Opel-Chef umgehend dementierte. Spekulationen gibt es auch über mögliche Werksverkäufe.

Der Autobauer Opel benötigt für eine eigenständige Zukunft ohne den US-Mutterkonzern General Motors (GM) langfristig acht bis neun Milliarden Euro. Dieser Kapitalbedarf wurde nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dpa von GM- und Opel- Managern in den Verhandlungen mit Bund und Ländern über mögliche Staatshilfen genannt. Vom Bund wünscht das Unternehmen bisher Kredite oder Bürgschaften von rund 3,3 Milliarden Euro.

Opel-Chef Hans Demant hat die kolportieren Summen unterdessen dementiert. Demant sagte am Donnerstag in Rüsselheim nach einem Gespräch mit dem hessischen FDP-Landesvorsitzenden Jörg-Uwe Hahn: "Ich weiß nicht, wer da irgendwelche Zahlen zusammengezählt hat, diese Summe ist jedoch absurd überhöht."

Spekulationen gab es ebenfalls über einen geplanten Verkauf der Opel-Werke. Laut einem Bericht der "Financial Times Deutschland" prüft Opel angeblich den Verkauf seines Werkes in Eisenach. Als möglicher Käufer sei der Autokonzern Daimler im Gespräch.

Gerüchte über den Verkauf des Werkes zirkulieren bereits seit über einer Woche. Ungewiss ist laut Zeitung die Zukunft des Werks Bochum. Die Werke Rüsselsheim und Kaiserslautern könnten als Teil eines neuen europäischen Opel-Konzerns erhalten bleiben, hieß es. Dieses Konzept soll sich in den vergangenen Tagen in Gesprächen herauskristallisiert haben, wie das Blatt berichtete

Die Bundesregierung hatte sich zuvor verärgert über den Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) und dessen Rettungsbemühungen für den deutschen Autobauer gezeigt. Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) warf dem US-Konzern am Donnerstag in Berlin vor, zu wenig Informationen über das Zukunftskonzept für Opel zu liefern.

Bisher hätten potenzielle Investoren und auch die Bundesregierung nicht einmal ansatzweise eine Ahnung davon, wohin der Konzern überhaupt wolle. Guttenberg forderte einen Sanierungsplan mit "konzeptioneller Tiefe". Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stellte Hilfen nur bei einem tragfähigen Zukunftskonzept in Aussicht.

General Motors hatte zuvor in Detroit seine Bilanz für 2008 vorgelegt. Demnach hat GM in seinem Europageschäft mit der Hauptmarke Opel im vergangenen Jahr knapp 2,9 Milliarden Dollar (2,27 Mrd. Euro) operativen Verlust gemacht. Bereinigt um Sonderbelastungen betrug das Loch den Angaben zufolge noch 1,66 Milliarden Dollar.

Im vergangenen Jahr hatte die Tochtergesellschaft GM Europe noch bereinigt 55 Millionen Dollar verdient. Mit Sondereinflüssen betrug das Defizit aber auch 2007 bereits eine gute halbe Milliarde Dollar.

Opel macht rund 80 Prozent des GM-Europageschäfts aus, in dem noch die Marken Saab und Vauxhall vertreten sind. Allein das vierte Quartal 2008 brachte dem ums Überleben kämpfenden Autobauer in Europa 1,9 Milliarden Dollar (1,49 Mrd. Euro) Miese. Das Unternehmen nannte die allgemein geringe Nachfrage, steigende Kosten, Währungsnachteile und das ungünstige Modellangebot als Gründe für die schlechten Geschäfte.

An diesem Freitag soll das Sanierungskonzept dem Opel-Aufsichtsrat vorgelegt werden. Guttenberg will danach mit den zuständigen Regierungschefs der "Opel-Länder" Rheinland-Pfalz, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Thüringen zusammenkommen. Er wolle spätestens an diesem Samstag mit den Ministerpräsidenten sprechen, kündigte Guttenberg an.

Der Opel-Betriebsrat hat bereits erste Überlegungen angestellt, wie eine teilweise Herauslösung von Opel aus dem General Motors-Konzern aussehen könnte. Nach den Plänen der Arbeitnehmervertreter sollen alle europäischen Standorte unter dem Dach von Opel/Vauxhall zusammengeschlossen werden. GM müsse Anteile abgeben, aber mit einer Minderheit an Opel und Vauxhall beteiligt bleiben, forderte der Opel-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz. Damit sollen auch künftig Technologietransfers und ein gemeinsamer Einkauf ermöglicht werden.

Staatshilfen dürfen nicht bem GM versickern

Opel-Chef Hans Demant wollte sich am Donnerstag nicht zu dem Vorschlag äußern. Die Bundesregierung ist seit Mitte November in Gesprächen mit dem Management. Das Zukunftskonzept sollte ursprünglich schon Weihnachten vorliegen. Voraussetzung für Staatshilfen ist unter anderem, dass deutsches Steuerzahlergeld nicht in die Kassen des US-Mutterkonzerns fließt. Auch muss Opel Hausbanken nachweisen können, die die nötige Finanzierung sichern. Etliche Punkte sind bisher aber nicht geklärt.

SPD-Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier forderte General Motors auf, Verantwortung für die Zukunft der deutschen Tochter zu übernehmen. "Wir sind uns einig, dass das Management von GM jetzt gefordert ist. GM hat lange viel und gut mit Opel verdient. Die europäischen Standorte jetzt wie eine ausgepresste Zitrone wegzuwerfen, das wäre unanständig", sagte Steinmeier auf einer Kundgebung vor rund 15.000 Menschen vor dem Opel-Stammsitz Rüsselsheim.

Merkel mahnt zukunftsfähiges Konzept an

Merkel sagte, bisher gebe es bei Opel kein zukunftsfähiges Konzept, das auch von den von der Regierung beauftragten Wirtschaftsprüfern "als sachlich vernünftig eingestuft wird". Erst dann könne über Hilfen nachgedacht werden. "Ich sehe Bürgschaften als das Mittel an, was wir im Auge haben", betonte Merkel.

Guttenberg sagte zu einem möglichen Einstieg von Bund und Ländern bei Opel, dies stehe nicht an erster Stelle. Auch andere Maßnahmen wie Bankkredite oder das Engagement von Investoren müssten geprüft werden, um den Finanzbedarf bei Opel zu decken.

DPA/AP/kng/AP/DPA