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BÖRSENSKANDAL: Milliarden-Betrug bei WorldCom

Nachdem der US-Telekomgigant Fehlbuchungen über fast vier Milliarden US-Dollar eingestehen musste, brach an den Aktienmärkten in Europa und Asien Panik aus.

Der zweitgrößte US-Telekommunikationskonzern WorldCom hat am Dienstag nach Börsenschluss Fehlbuchungen über nahezu vier Milliarden US-Dollar eingestanden und trieb damit die Aktienmärkte in Europa und Asien in einen »schwarzen Mittwoch«.

Gemetzel an den Börsen, Dax unter 4.000 Punkten

Der Deutsche Aktienindex (Dax) fiel im frühen Handel um rund sechs Prozent auf den tiefsten Stand seit dem 25. September 2001 und machte auch vor der 4.000-Punkte-Marke keinen Halt. Der Deutsche Aktienindex (Dax) verlor bis zum Nachmittag 2,8 Prozent auf 4087 Zähler. Damit büßten die 30 im Dax vertretenen Firmen seit dem Vortagesschluss insgesamt rund 18 Milliarden Euro an Marktkapitalisierung ein. Am Neuen Markt rutschte der Auswahlindex Nemax50 derweil um 4,7 Prozent auf 566 Punkte ab. Der Nebenwerte-Index MDax lag unterdessen drei Prozent im Minus bei 4.069 Stellen. Der Dow Jones EuroStoxx50 der größten europäischen Aktien gab um 2,8 Prozent auf 2889 Zähler nach. An der Wall Street tendierte der Dow Jones zur Eröffnung 1,4 Prozent schwächer bei 8999 Stellen, während der technologielastige Nasdaq-Index 2,3 Prozent auf 1391 Punkte nachgab.

Kurseinbruch der WorldCom-Aktie

WorldCom hatte am Dienstagabend in den USA eine umfangreiche Bilanzrevision für das Jahr 2001 und das erste Quartal 2002 angekündigt. Der Kurs der WorldCom-Aktien brach nachbörslich um rund 75 Prozent auf 20 Cent ein. Der Konzern hat den Finanzvorstand entlassen und will am Freitag eigenen Angaben zufolge mit dem Abbau von 17.000 Stellen beginnen. Der Verzicht auf ein Fünftel der Belegschaft soll jährlich 900 Millionen Dollar einsparen. Zugleich kündigte das Unternehmen an, es werde seine Prognosen zum Geschäftsverlauf überprüfen und die Investitionen erneut um 40 Prozent auf nun 2,1 Milliarden Dollar (rund 2,13 Milliarden Euro) kürzen.

Es seien überhöhte Aufwendungen und Investitionsausgaben bilanziert und damit ein größerer Cash Flow als tatsächlich vorhanden ausgewiesen worden, teilte das Unternehmen mit. Ohne diese Effekte hätte man 2001 und im ersten Quartal 2002 einen Netto-Verlust gemacht. Zudem seien im vergangenen Jahr 3,06 Milliarden Dollar und im ersten Quartal diesen Jahres 297 Millionen Dollar entgegen den Bilanzierungsregeln nach GAAP zwischen internen Konten transferiert worden, teilte das Unternehmen mit.

Die WorldCom-Bücher für 2001 und das erste Quartal 2002 waren von dem Wirtschaftsprüfungsunternehmen Andersen testiert worden, das auch das Zahlenwerk von Enron geprüft hatte.

Fünf Milliarden Dollar dringend gesucht

Die Buchführungsprobleme von WorldCom gefährden nach Ansicht von Analysten auch die Verhandlungen mit Gläubigern über die Finanzierung von dringend benötigten fünf Milliarden Dollar. Ohne diese Finanzspritze drohe WorldCom im kommenden Jahr eine Liquiditätskrise, schlimmstenfalls die Pleite, hieß es.

Erst Anfang Mai war der ehemalige WorldCom-Chef Bernard Ebbers mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Ebbers, der wegen der immensen Kursverluste und angeblicher persönlicher Kredite von WorldCom unter Druck geraten war, hatte den Konzern mit mehr als 60 Übernahmen innerhalb eines Jahrzehnts aufgebaut.

»Wenn man sich die Geschichte von WorldCom ansieht und ihre Akquisitionen, hat man einen klassischen Geschäftemacher. Und jetzt ist die Zeit gekommen, da Geschäftemacher als das bezeichnet werden, was sie sind«, sagte Frank Dzubeck, Präsident der Beratungsfirma Communications Network Architects.