HOME

EADS: Thomas Enders wird Airbus-Chef

Die Entscheidung über die neue Führungsstruktur beim französisch-deutschen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS ist gefallen: Ein Franzose wird den Gesamtkonzern führen und der Deutsche Thomas Enders Airbus.

Der bisherige Chef des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS Thomas Enders wird nach eigenen Angaben künftig Chef der EADS-Luftfahrttochter Airbus. Allein an der Spitze des EADS-Konzerns werde Louis Gallois stehen, sagte Enders weiter. Gallois war bislang neben Enders Co-Chef des Luft- und Raumfahrtkonzerns und zugleich Chef von Airbus. Der Daimler-Chrysler-Manager Rüdiger Grube soll künftig alleine dem Verwaltungsrat von EADS vorsitzen.

Der Entscheidung war ein langes Gerangel zwischen Berlin und Paris vorangegangen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der französische Präsident Nicolas Sarkozy höchstpersönlich haben die jetzige Lösung getroffen und damit zugleich die bisherige Konzern-Doppelspitze abgeschafft.

Franzose wie bisher Stellvertreter bei Airbus

Airbus erwirtschaftet den Großteil des gesamten EADS-Umsatzes. Der neue Airbus-Chef wird nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters künftig nicht mehr im Führungsgremium des europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS sitzen.

Thomas Enders Stellvertreter bei dem Flugzeugbauer wäre wie bisher ein Franzose. Aus deutschen Verhandlungskreisen hieß es, mit einer solchen Lösung wäre das deutsche Gewicht bei EADS aufgewertet. Zudem hätte man eine faire und partnerschaftliche Lösung zwischen Deutschland und Frankreich erreicht. Merkel und Sarkozy wollen in Toulouse zudem über effizientere Managementstrukturen und die weitere Finanzierung der EADS-Tochter Airbus beraten. Das Unternehmen soll wettbewerbsfähiger werden im Vergleich zum US-Erzrivalen Boeing.

Wir dürfen die nötigen Weichenstellungen nicht verpassen

Unmittelbar vor dem Treffen wies Merkel erneut französische Forderungen nach einem stärkeren staatlichen Einfluss auf die Airbus-Mutter EADS zurück. "Es geht darum, dass das Unternehmen nach unternehmerischen und nicht nach politischen Erwägungen geführt wird", sagte sie dem "Handelsblatt". Bei der EADS-Gründung im Jahr 2000 sei es gemeinsame Annahme gewesen, dass Frankreich seinen Staatsanteil verringere. "Realistisch ist allerdings, dass dies für den französischen Staat kurzfristig eher schwierig ist."

Die deutsche Seite habe schon früher vorgeschlagen, die Strukturen effizienter zu gestalten, sagte Merkel. Es sei das gemeinsame Interesse des französischen Präsidenten und von ihr, dass das Unternehmen gute Flugzeuge verkaufe und Geld verdiene. "Wir müssen nur aufpassen, dass wir die nötigen Weichenstellungen nicht verpassen, damit dies so bleibt."

Politik will sich raushalten

Die seit Jahren umstrittene Doppelspitze im EADS-Management war zur Wahrung des deutsch-französischen Gleichgewichts geschaffen worden. Sie war Teil des EADS-Aktionärspaktes, der das Machtgefüge genau austariert. Dem Vernehmen nach wollen sich die Regierungen künftig aus der Unternehmensführung heraushalten, auch wenn sie - wie der französische Staat - Großaktionär sind. Maßgeblichen Einfluss haben die industriellen Hauptanteilseigner Daimler-Chrysler und die französische Mediengruppe Lagardère. Daimler-Chrysler hält 15,0 Prozent, 7,5 Prozent gingen ohne Stimmrecht an ein überwiegend deutsches Konsortium aus Bundesländern und Banken. Der französische Staat hält direkt 15 Prozent, Lagardère hat bereits 7,5 Prozent abgetreten und hält nun noch 7,5 Prozent. Berlin lehnt eine direkte Beteiligung des deutschen Staates ab und setzt auf Privatinvestoren.

Wie die französische Sonntagszeitung "Journal du Dimanche" berichtete, lehnen Daimler-Chrysler und Lagardère jede Änderung ihrer Positionen im EADS-Aktionärspaket ab. Sarkozy hatte zuletzt mehrfach angedeutet, das Machtgefüge aufzubrechen und den Airbus-Mutterkonzern für neue Partner zu öffnen. Kritiker befürchten, dass es der französischen Regierung letztlich darum geht, ihren Anteil zu erhöhen. Dies könnte der Fall sein, wenn sich Lagardère weiter zurückzieht. Die Balance wäre auch gefährdet, sollte Frankreich einseitig eine Kapitalerhöhung durchsetzen.

DPA / DPA