Finanzkrise US-Regierung ändert Rettungspaket


US-Finanzminister Henry Paulson hat eine Neuausrichtung des 700 Milliarden Dollar schweren Rettungspakets für die Finanzbranche angekündigt. Das Geld solle hauptsächlich für angeschlagene Banken eingesetzt werden - der Plan, faule Kredite aufzukaufen, solle dagegen aufgegeben werden. Die Märkte reagierten verunsichert auf die Äußerung.

Ein Kurswechsel bei der Verwendung der US-Staatshilfen für die Bankenbranche hat am Mittwoch zu Verunsicherung und Kursverlusten an der Wall Street geführt. Die Ankündigung von Finanzminister Henry Paulson, das Rettungspaket auf andere Finanzinstitute auszuweiten, führte am Markt zu Befürchtungen, dass weit mehr Unternehmen in Schwierigkeiten stecken als bislang vermutet. Zudem belastete eine enttäuschende Prognose der größten US-Elektronikmarktkette Best Buy die Kurse.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte fiel bis zum frühen Nachmittag in New York um 3,1 Prozent auf 8422 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 gab 3,4 Prozent auf 868 Zähler nach. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor drei Prozent auf 1533 Punkte. In Frankfurt schloss der Dax im Sog der Wall Street rund drei Prozent im Minus bei 4620 Zählern.

Einige Marktteilnehmer befürchteten zudem, dass die neuen Regierungspläne zu einer Ausweitung der Staatsbeteiligungen im Bankensektor führt, was für Anleger einen Wertverlust ihrer Aktien zur Folge haben könnte. Statt der ursprünglich geplanten Übernahme von weitgehend wertlos gewordenen Hypothekenkrediten will die Regierung nun ihre Finanzspritzen aus dem 700 Milliarden Dollar schweren Bankenrettungspaket auf andere Finanzinstitute ausdehnen. Auch weitere Hilfen für die strauchelnde Autobranche schloss die Regierung nicht aus. Paulson und die Finanzaufseher des Landes drängten die Banken zudem dazu, die Kredithähne aufzudrehen, um eine tiefe Rezession zu verhindern.

Bei den Finanzwerten gehörte vor allem American Express mit einem Kursabschlag von 8,5 Prozent zu den Verlierern. Das "Wall Street Journal" berichtete, dass das vor einer Umwandlung in eine normale Geschäftsbank stehende Kreditkartenunternehmen möglicherweise eine staatliche Finanzspritze anstrebe. Auch die Papiere der Bank Goldman Sachs notierten 8,5 Prozent schwächer. Die Titel der Citigroup verloren ebenfalls gut acht Prozent.

Die Aktien von Best Buy fielen um 7,5 Prozent. Das Unternehmen bekommt die Zurückhaltung der Verbraucher zu spüren und senkte seine Prognose für das Gesamtjahr. Die Enttäuschung über Best Buy belastete auch andere Unternehmen, die besonders vom privaten Konsum abhängig sind. So verloren die Papiere des Mischkonzerns 3M 3,8 Prozent.

Zu den Gewinnern zählten dagegen die Aktien der Autobauer: General Motors notierte 7,5 Prozent höher, Ford 5,6 Prozent fester. Hintergrund war neben den Paulson-Äußerungen, dass sich auch die demokratische Präsidentin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, für ein Hilfspaket für die Branche aussprach. Sie sei überzeugt, dass der Kongress schon in der kommenden Woche ein entsprechendes Gesetz verabschieden könne, sagte die Parteikollegin des künftigen US-Präsidenten Barack Obama.

Reuters Reuters

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