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Griechenland-Kommentar Das ist Hilfe, die keine Hilfe ist


Das dritte Rettungsprogramm wird Griechenland nicht viel helfen. Und doch ist die bevorstehende Einigung gut, weil damit die Gefahr eines Grexits verschwindet.
Ein Kommentar von Andreas Hoffmann

Noch stehen nicht alle Details fest, noch müssen die Finanzminister den Kompromiss absegnen, und noch müssen die nationalen Parlamente zustimmen. Aber nach allem, was aus den Verhandlungen nach außen dringt, bewegen sich Griechen und Gläubiger aufeinander zu. Die Pirouetten, die der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras in den vergangenen Monaten gedreht hat, sind vergessen. Es wird ernsthaft verhandelt, sagen alle.

Und nun? Wird Griechenland genesen? Man kann es nur hoffen. Viel Grund für Optimismus gibt es nicht, weil das Hilfspaket kaum die Wirtschaft wachsen lassen wird. Natürlich sind manche Vorhaben sinnvoll, etwa wenn Privilegien bei der Frührente abgebaut oder reiche Reeder belastet werden sollen. Auch Staatsbetriebe zu privatisieren kann helfen, um ausländische Investoren ins Land zu locken. Deren Know-how bräuchten viele der veralteten Staatsfirmen dringend. Doch hellenische Projekte sind nicht besonders begehrt, den ausländischen Geldgebern ist vieles im Land - die Politiker, die Bürokratie, die Macht der Gewerkschaften - nicht geheuer.

Raus aus der Rezession

Vor allem aber sieht das dritte Rettungspaket vor, dass die Griechen weiter sparen sollen. Sie sollen weiter Steuern erhöhen, weiter Renten kürzen und weiter Staatsbedienstete entlassen. Das bringt Beifall am deutschen Stammtisch, hilft aber nicht. Griechenland steckt in einer Rezession, in diesem Jahr soll die Wirtschaft zwischen zwei und vier Prozent schrumpfen, schätzen Experten. In dieser Lage verschärft striktes Sparen nur die Misere, weil nicht nur der Staat spart, sondern auch die Privatleute. Sie halten ihren Geldbeutel zusammen, kaum einer wird groß einkaufen oder investieren. Wie sollen die griechischen Unternehmen da Kunden gewinnen?

Besser wäre es gewesen, wenn die Gläubiger weniger darauf gedrängt hätten, hart zu sparen, und stattdessen vor allem Reformen bei den Behörden und in der Bürokratie verlangt hätten. Aber diese Nachsicht hatten sie nicht. Die politische Atmosphäre war zu sehr vergiftet, in den Gläubigerstaaten, in Deutschland, in Österreich, in Finnland, in den baltischen und manchen osteuropäischen Staaten. Tsipras hat viel dazu beigetragen, aber auch seine Vorgänger, weil sie sich selten an Abmachungen hielten.

Das Beste, was die Griechen kriegen konnten

Was jetzt auf dem Tisch liegt, ist das Beste, was die Griechen bekommen konnten. Es ist auch besser als die Alternative "Grexit", weil ein Austritt Griechenlands aus der EU das Land und auch Europa in ein unkontrolliertes Abenteuer geführt hätte. Am Ende hätten alle verloren.

Vielleicht liegt im Ende des Grexits auch der Funken der Hoffnung. Ohne diese Drohung könnte Ruhe einkehren, Ruhe, die das Land und die Wirtschaft dringend brauchen. Werden die Kapitalverkehrskontrollen gelockert, können griechische Firmen wieder leichter Geschäfte mit dem Ausland machen. Erhalten die Banken neues Geld, können sie mehr Kredite vergeben, auf die die Unternehmen warten. Irgendwann blicken vielleicht auch die Bürger wieder optimistischer in die Zukunft und kaufen ein. Doch bis dahin ist es noch ein langer, langer Weg. Die Einigung ist nur der erste Schritt.

Andreas Hoffmann beobachtet die Griechenlandkrise bald seit über sechs Jahren. Sie könnte mal zu Ende gehen. Er twittert unter AndreasHoffman8.


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